Druck: Mehr als nur Papier

Freud und Leid liegen nahe beieinander. In Wattwil sind sie Nachbarn. Tür an Tür werden in der Zentrumsgemeinde sowohl Lottoscheine als auch Bussenzettel hergestellt. Die beiden Produzenten machen indes noch weit mehr.

Ruben Schönenberger
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Bernd Gottwald prüft einen Schein der Lotterie Euro Millions. (Bild: Ruben Schönenberger)

Bernd Gottwald prüft einen Schein der Lotterie Euro Millions. (Bild: Ruben Schönenberger)

Ob Lottoschein oder Bussenzettel, eigentlich ist beides nur ein Stück Papier. Die Tragweite kann aber bedeutend sein. Hergestellt werden beide Produkte in Wattwil. Die BL Blockfabrik AG an der Industriestrasse 14 produziert Lottoscheine. Gleich daneben, an der Industriestrasse 12, stellt die Allprint AG Bussenblocks für mehrere Polizeikorps her.

Die beiden Firmen auf diese Produkte zu reduzieren, greift zu kurz. Vielmehr haben sich in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Betriebe etabliert, die für namhafte Kunden produzieren. Dass zwei so ähnliche Betriebe auf so kleinem Raum bestehen können, liegt auch an deren Ausrichtungen. Während die Blockfabrik sich auf grosse Aufträge konzentriert, bietet die Allprint auch kleine Auflagen an. Cosima Klee-Broder, die zusammen mit Tobias Anderegg das Unternehmen führt, bezeichnet das als Stärke der Firma. «Manchmal machen wir für einen Auftrag auch nur zehn Exemplare.» Das gehe nur, weil man den Maschinenpark dar­auf ausgerichtet habe, erklärt Anderegg. So könnten sie es auch dem selbstständigen Handwerker aus der Region ermöglichen, Drucksachen kostengünstig herstellen zu lassen, und nicht nur den grossen Unternehmen, welche auch zum Kundenstamm gehören. «Wenn eine kleine Firma keinen eigenen Grafiker hat, können wir auch für den Satz sorgen», ergänzt Anderegg.

Online-Handel bringt Vorteile

Sowohl für die Blockfabrik als auch für die Allprint gilt: Das bekannteste Produkt ist nicht zwingend das wirtschaftlich wichtigste. Daniel Blansjaar jun., Geschäftsführer der Blockfabrik, sagt dazu: «Den grösseren Teil machen Formulare aus.» Diese würden mit Zusatzfunktionen ausgestattet und so «intelligent» gemacht. «Dabei handelt es sich eigentlich um Formulare mit Mehrwert, zum Beispiel eine her­auslösbare Mitgliedschaftskarte.» Diese intelligenten Formulare sind mit ein Grund, warum die Digitalisierung für die Blockfabrik nicht nur Nachteile mit sich bringt. Entgegen der Intuition, dass immer mehr digitale Angebote zu immer weniger Papier führen dürften, würde gerade der Online-Einkauf der Blockfabrik wirtschaftliche Vorteile bringen. «Der Versandhandel will seinen Kunden beispielsweise eine einfache Rücksendung ermöglichen», sagt Blansjaar. Dafür brauche es Formulare mit inte­grierter Rücksendeetikette.

Die Digitalisierung werde teilweise überschätzt, sagt Bernd Gottwald, der bei der Blockfabrik lange für das Lotteriegeschäft zuständig war und auch heute noch mithilft, obwohl er pensioniert wäre. «Bei der Einführung von Online-Lotto ging man davon aus, dass relativ schnell rund 20 Prozent der gespielten Tipps online abgegeben würden. Mehr als 7 Prozent waren es jedoch nie.»

«Schönes Standbein, aber kein Klumpenrisiko»

Bei der Allprint klingt es ob der Bedeutung der Bussenblöcke ähnlich. «Sie sind ein schönes Standbein, aber kein Klumpenrisiko», sagt Klee-Broder. «Wir haben aber viel Know-how aufgebaut, das wir für die Beratung der Polizei nützen können.» Allprint stützt sich bewusst breit ab. Zu den Kunden gehören kleine und grosse Unternehmen, aber auch andere Druckereien. Was diese nicht zu einem guten Preis selber herstellen können, übernimmt die Allprint. «Manchmal liefern wir das sogar direkt an den Endkunden aus. Dann aber natürlich ohne Verweis auf uns», sagt Cosima Klee-Broder. Das gehe aber nur, weil die Allprint selber auf ­einen Aussendienst verzichtet. «Dafür machen das die Druckereien ansatzweise ja direkt für uns, wenn auch ohne Verpflichtung», ergänzt Anderegg. Mit dieser Strategie konnte Allprint in den letzten Jahren erfolgreich wirtschaften. Auch für die Zukunft machen sich Klee-Broder und Anderegg wenig Sorgen. «Papier wird es immer brauchen», ist Klee-Broder sicher. «Natürlich halten wir immer die Augen und Ohren ­offen, was wir neu machen oder anpassen können», sagt Anderegg. Dazu gehört auch die neueste Produktionsmaschine, die gerade aufgebaut wird. Sie sei auch ein Bekenntnis zum Standort, sagt Klee-Broder: «Wir produzieren alles in Wattwil und wollen das auch so beibehalten.»