Neuer Taekwondo-Nationaltrainer sucht Anschluss an die europäische Spitze

Vor sieben Jahren hat Peer Steinkellner den letzten Wettkampf bestritten, nun ist er Taekwondo-Nationaltrainer. Der Ebnat-Kappler ersetzt Markus Kohlöffel.

Urs Huwiler
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Peer Steinkellner trainiert seit dem 1. August auch den Nachwuchs.

Peer Steinkellner trainiert seit dem 1. August auch den Nachwuchs.

Bild: Urs Huwiler

Der Vorstand von Swiss Taekwondo hat Peer Steinkellner aus Ebnat-Kappel einstimmig als Nachfolger des deutschen Markus Kohlöffel zum Nationaltrainer gewählt. Damit steht der bisherige Junioren-Coach in der olympischen Sportart seit diesem Monat mit einem 50-Prozent-Pensum sämtlichen Kaderstufen vor. Daneben leitet Steinkellner weiterhin seine Kampfkunstschule in Wattwil. «Monatlich ist ein Nationalteam-Training vorgesehen. Künftig werden nun einfach auch die Senioren dabei sein», erklärt der ursprünglich aus Deutschland stammende Toggenburger.

Zuerst muss er nun jene Athletinnen und Athleten kontaktieren, die er aus seiner bisherigen Kader-Tätigkeit kaum kennt. «Erste Gespräche sind positiv verlaufen und stimmen mich zuversichtlich», freut sich Peer Steinkellner. Ein Ziel wird sein, den Spitzenleuten das Umfeld in der Nähe ihres Wohnorts zu optimieren. «Wir sind sicher, dass wir mit Peer in der Schweiz einen Spitzensport aufbauen können, der sich mit den Besten messen kann», wird von Verbandsseite betont.

Neuaufbau nach Olympia-Enttäuschung

2016 setzte Taekwondo vor den Olympischen Spielen in Rio auf die Karte Manuela Bezzola und Nina Kläy. Beide galten als Medaillenkandidatinnen, verpassten aber die Olympia-Qualifikation. Seither wird die Randsportart in der Öffentlichkeit kaum mehr wahrgenommen. Steinkellner sagt:

«Zuerst gilt es, den Anschluss an die erweiterte europäische Spitze zu schaffen. Olympische Spiele könnten daher frühestens 2024 zum Thema werden.»

Dass sich der Vorstand bei einer Neubesetzung des Traineramtes für den «Frontkämpfer» entscheiden würde, zeichnete sich ab. Er kennt die Taekwondo-Szene als Athlet, Trainer, Coach, Schulleiter, Nachwuchsförderer und kein anderer Schulleiter verfügt über die nötigen Ausbildungen. 2015 schloss Peer Steinkellner zwei Jahre nach seinem letzten Wettkampf den Lehrgang «Konditionstrainer Swiss Olympic» ab, 2017 jenen «Trainer Spitzensport mit eidgenössischem Fachausweis» und derzeit befindet er sich in der Schlussphase zum «Trainer Spitzensport mit eidgenössischem Diplom».

Eine Herzensangelegenheit

Die in Kürze abgeschlossene berufsbegleitende Mehrfach-Ausbildung wird nach Einschätzung von Peer Steinkellner zu einer spürbaren Entlastung führen. Er habe auch vom Gedankenaustausch und den Erfahrungen mit Kursteilnehmern aus anderen Sportarten viel profitieren können, so der im Vorstand von Swiss Taekwondo Tätige. «Aber ich bin froh, dass diese Belastung wegfällt.» Dadurch würden sich Freiräume ergeben.

Peer Steinkellner

Peer Steinkellner

«Allein die Diplomarbeiten zu schreiben, haben viel Zeit in Anspruch genommen.» Nationaltrainer ist der eine Job, die Leitung der eigenen Kampfkunstschule in Wattwil eine Herzensangelegenheit. «Daran ändert sich nichts. Wir werden unseren Schülerinnen und Schülern weiterhin optimale Bedingungen bieten, uns aber vorwiegend auf Taekwondo konzentrieren. Es gibt in andern Sportarten im Übrigen Nationaltrainer, die zudem einen Klub trainieren. So speziell ist die Kombination also nicht.» Steinkellner wird die als regionaler Stützpunkt geführte Schule auch künftig nicht aus dem Homeoffice, sondern aktiv vor Ort leiten.

Zweites Wattwil Open als doppelter Neustart

Am 31. Oktober soll es in der Rietstein-Sporthalle beim 2. Wattwil Open zu einem doppelten Neustart kommen. Einerseits möchte OK-Präsident Steinkellner Taekwondo nach dem Coronastillstand als Wettkampfsport neu lancieren.

«Wir hoffen, das Turnier unter Einhaltung eines Schutzkonzepts durchführen zu dürfen. Sollten es die Einreisebestimmungen zulassen, rechne ich auch mit Kämpfern aus den umliegenden Ländern.»

Andererseits könnte der Nationaltrainer seine Kaderleute live vor Ort beobachten. Dazu gehörten auch die Talente aus der Kampfkunstschule Wattwil. Beispielsweise die 14-jährige Franziska Berlinger (Cadet) aus Nesslau. Sie hat mit der «Roger Federer Foundation» bei der Schweizer Sporthilfe einen prominenten Paten gefunden. Tanja Kappeler (Junior) wird von der Ernst-Göhner-Stiftung unterstützt. In Wattwil trainieren zudem Sanja Glisic (Junior) und Lenka Zaruba (Senior).