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Doch noch Metzger aus Wattwil: Berufsfachschule kann die Klasse dank vier kurzentschlossener Lernender führen

Das Zustandekommen der Berufsfachschulklasse in Wattwil stand lange auf der Kippe. Nun ist sie gesichert, so knapp wie nur möglich.
Ruben Schönenberger
Angehende Metzger können ihre schulische Ausbildung nun doch in Wattwil in Angriff nehmen. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Angehende Metzger können ihre schulische Ausbildung nun doch in Wattwil in Angriff nehmen. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

«Den Metzgern fehlen die Lehrlinge» titelte diese Zeitung Mitte Juli. Die Berufsfachschulklasse in Wattwil stand auf der Kippe. Nur 21 Jugendliche hatten sich für eine Ausbildung zur Fleischfachperson angemeldet. Das hätte nur für eine Klasse gereicht. Und diese wäre nicht am Standort Wattwil, sondern in Rorschach unterrichtet worden.

«Es fehlen uns noch vier Schülerinnen und Schüler», sagte Werner Küttel, Fachlehrer der Fleischfachleute am Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg (BWZT) damals. Denn, erst ab 25 Lernenden wird eine zweite Klasse eröffnet.

Minimalzahl für zwei Klassen erreicht

Seither haben sich exakt vier Jugendliche für eine Ausbildung zur Fleischfachperson entschieden, wie Markus Stadler vom Amt für Berufsbildung des Kantons St.Gallen sagt. Damit bleibt den Lernenden der längere Weg nach Rorschach erspart. «Die Zuteilung zu den Klassen in Wattwil und Rorschach erfolgt aufgrund des Einzugsgebiets der jeweiligen Schule, zu Umteilungen kommt es nicht», sagt Stadler. Die Klasse in Wattwil wird mit elf der insgesamt 25 angehenden Fleischfachpersonen geführt werden.

Dass die Anzahl Berufsschülerinnen und Berufsschüler und damit die Anzahl Klassen so spät erst definitiv feststeht, ist indes nicht aussergewöhnlich. In den Sommerferien wurden im Kanton St.Gallen gemäss dem Amt für Berufsbildung noch über 400 Lehrverträge abgeschlossen.

Alle müssen flexibel sein

Einzelne Verträge werden sogar nach dem eigentlichen Lehrbeginn noch bewilligt. «Es könnte theoretisch sogar vorkommen, dass eine zusätzliche Klasse erst in der zweiten oder dritten Schulwoche eröffnet wird», führt Stadler aus. Umgekehrt sind bereits auch die ersten Lehrvertragsauflösungen erfolgt. Alle Beteiligten müssten deshalb sehr flexibel sein. Das bestätigt auch Matthias Unseld, Rektor des BWZT:

«Die Planung ist sehr volatil.»

Wenn das BWZT Ende März den Bedarf an Lehrpersonen für das nächste Jahr festlegen muss, stehen in der Planung noch mehrere sogenannte Wackelklassen, wie Unseld sie nennt. Beim angesprochenen Fall der Fleischfachfrauen und Fleischfachmänner lagen dieses Jahr im März gerade mal vier Lehrverträge aus dem Einzugsgebiet des BWZT vor. Dasselbe Bild zeigte sich bei den Restaurantfachfrauen und Restaurantfachmännern.

In anderen Berufen ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar, ob es für eine zweite Klasse am Standort Wattwil reicht. So hatten sich Ende März zwar bereits 28 Jugendliche zu einer Kochlehre entschieden, ob eine zweite Klasse in Wattwil geführt werden würde oder die für eine Klasse überzähligen vier Lernenden an einen anderen Standort umgeteilt werden würden, sei damals noch nicht abschätzbar gewesen. Dass zuerst Klassen mit mehr Anmeldungen an anderen Standorten gefüllt werden, bevor weitere Klassen aufgemacht werden, sei eine Sparvorgabe des Kantons, hinter der das BWZT auch stehe.

Stundenpläne nicht immer optimal

Die Entwicklung der Lehrlingszahlen sei auch deshalb schwierig abzuschätzen, weil sie nicht mehr linear verlaufe. «Früher kamen regelmässig neue Lehrverträge hinzu. Heute werden immer häufiger Verträge erst kurz vor dem Stellenantritt abgeschlossen», sagt Unseld.

«Wir planen ins Ungewisse.»

Diese kurzfristigen Anpassungen könnten Auswirkungen auf die Stundenpläne haben. Auch, weil kurzfristig benötigte Lehrpersonen nicht mehr zu jeder Zeit einsetzbar sind, weil sie an anderen Orten schon Stunden fixiert haben. «Wir versuchen zum Beispiel, die Lernenden in Dienstleistungsberufen von Montag bis Donnerstag zu unterrichten, weil dort gegen das Wochenende in der Regel mehr Arbeit anfällt. Das können wir so nicht mehr immer gewähren», erklärt Unseld.

Die anderen Berufsfachschulen im Kanton St.Gallen hätten die gleichen Probleme. In Wattwil seien sie vielleicht aufgrund der vielen verschiedenen Angebote etwas grösser. Unseld ist überzeugt, dass es in Zukunft zu einer Konzentration kommen muss. Die einzelnen Berufsausbildungen würden dann in sogenannten Kompetenzzentren angeboten, grosse Berufsgruppen im Clustersystem. Das vereinfache die Planung, die Schulentwicklung in den Fachgruppen und ermögliche bessere Stellvertreterregelungen.

Ohnehin werde sich die Berufsfachschule aber weiter verändern.

«Die Schulen sind mit den Berufen gewachsen, die in der Umgebung stark vertreten waren.»

Welche Berufe in Zukunft gefragt seien, lasse sich jetzt indes noch kaum abschätzen. Unseld erwähnt eine Studie, die besagt, dass aufgrund der Digitalisierung 65 Prozent der heute in die Primarschule Eintretenden einen Beruf erlernen werden, den es heute noch gar nicht gibt. «Mit sich verändernden Berufen muss sich auch die Berufsfachschule verändern», sagt er. «Das bleibt eine Herausforderung.»

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