Doch noch ein Schwingfest: In Ebnat-Kappel trafen sich Nachwuchsschwinger zum wohl einzigen Fest der Saison

Niemand glaubte noch, dass im Jahr 2020 ein Freiluftschwingfest stattfindet. Der Schwingclub Wattwil schon. Dank eines Schutzkonzepts konnte in Ebnat-Kappel am Wochenende ein Buebeschwinget durchgeführt werden.

Pascal Schönenberger
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Jungschwinger im Kampf bei Kampfrichter Jörg Abderhalden.
12 Bilder
Schwingerkoenig Jörg Abderhalden (Nesslau) war als Kampfrichter im Einsatz.
Appiwat Grob (Bichwil) gewinnt den 1. Gang.
Die Schwinger wurden in einem eigenen Sektor platziert.
Der Zaun deklariert die Sektoren am Schwingfest. (Pascal Schoenenberger)
Die Zuschauer mussten in ihren Sektoren den Abstand einhalten.
Urs Abderhalden als OK Praesident (links) informiert zusammen mit Urban Goette die Jungschwinger über das Schutzkonzept am Schwingfest.
Die Festsieger in Ebnat-Kappel (von links): Manuel Albin (Bueriswilen), Andreas Peter (Lienz), Appiwat Grob (Bichwil) und Matthias Eisenhut (Herisau).
Festsieger Kategorie C: Andreas Peter (Lienz).
Festsieger Kategorie B: Appiwat Grob (Bichwil).
Festsieger Kategorie D: Manuel Albin (Bueriswilen).
Festsieger Kategorie A: Matthias Eisenhut (Herisau).

Jungschwinger im Kampf bei Kampfrichter Jörg Abderhalden.

Bild: Pascal Schönenberger (Ebnat-Kappel, 12. September 2020)

Die Coronapandemie beherrscht auch den Schwingsport. So wurde die komplette Saison 2020 in der ganzen Schweiz bereits im Frühling abgesagt.

Auch die letzten Herbstschwingfeste wurden, nach der Verlängerung des Verbots für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen bis Ende September, abgesagt.

Vor zehn Tagen kam die Zusage

Der Schwingclub Wattwil musste seinerseits das Toggenburger Herbstschwingfest und den Buebeschwinget Ende August absagen. Trotzdem gaben die Wattwiler unter Clubpräsident Urs Abderhalden nicht auf. Der eidgenössische Kranzschwinger sagt:

«Wir wollten für den Nachwuchs doch noch etwas organisieren.»

Die Schwinger erarbeiteten mit viel Mut ein Schutzkonzept für ein Buebeschwinget und reichten dies bei der Gemeinde ein. Nach einer Sitzung mit dieser hatte der Schwingclub Wattwil vor zehn Tagen die Zusage erhalten für die Organisation.

Danach musste es schnell gehen. Urban Götte versandte als Einteilungschef Einladungen in die Kantonen St.Gallen und beide Appenzell, die weiteren Mitglieder organisierten ihre Ressorts in Rekordzeit. Am Samstag konnten so schliesslich 154 Jungschwinger und rund 350 Zuschauer bei der Schulanlage Wier in Ebnat Kappel begrüsst werden.

Schutzkonzept und prominente Helfer

Dank einem Zaun um den Schwingplatz und der Festwirtschaft in der Mitte vom Festzelt, konnten drei Sektoren geschaffen werden. Zwei Sektoren waren für die Zuschauer bereitgestellt und ein Sektor für die Schwinger und Betreuer.

Bei jedem Eingang wurden die Kontaktdaten von sämtlichen Personen erfasst und auf dem ganzen Gelände stand Desinfektionsmittel zur Verfügung. Zwischen den Gästen und den Schwingern wurde ein Abstand von eineinhalb Metern sichergestellt. Somit konnte kein Schwinger mit einem Zuschauer in Kontakt kommen.

Prominente Hilfe

Dank wenig Aufwand konnte ein optimales Schutzkonzept für den Nachwuchs geschaffen werden. Ob dieses Konzept auch in Zukunft verwendet werden muss, steht aktuell immer noch in den Sternen.

Das der Schwingclub Wattwil eine Pionierrolle in Sachen Schutzkonzept einnahm, waren die Verantwortlichen auch auf die eigenen Helfer angewiesen. So zogen sämtliche Mitglieder an einem Strick und stellten das Fest auf die Beine.

Prominente Helfer waren dabei auch nötig. So waren die Eidgenossen Urs Abderhalden als OK-Präsident und Urban Götte als Einteilungschef tätig. Aber auch Eidgenossen wie Jakob Roth oder der Appenzeller Raphael Zwyssig stellten sich als Kampfrichter beim Nachwuchs zur Verfügung. Ebenfalls als Kampfrichter war der dreifache Schwingerkönig Jörg Abderhalden im Einsatz. Somit waren die Idole des Nachwuchs gleich als deren Kampfrichter im Einsatz. Eine Ehre für den Nachwuchs.

Vier glückliche Festsieger

Die 154 Nachwuchsschwinger waren sehr glücklich, dass sie im Jahr 2020 doch noch ein Schwingfest bestreiten durften. Seit Anfang Juni konnten die Jungschwinger bei ihren Clubs wieder die Trainings besuchen.

Die Nachwuchsschwinger der Jahrgänge 2005 bis 2012 starteten in vier Kategorien, wobei auch die letztjährigen Sieger wieder eine Rolle spielen konnten. In der Kategorie der Ältesten setzte sich Matthias Eisenhut aus Herisau dank des gestellten Schlussgangs gegen Tobias Lacher aus Reiden durch.

Die Festsieger in Ebnat-Kappel (von links): Manuel Albin (Bueriswilen), Andreas Peter (Lienz), Appiwat Grob (Bichwil) und Matthias Eisenhut (Herisau)

Die Festsieger in Ebnat-Kappel (von links): Manuel Albin (Bueriswilen), Andreas Peter (Lienz), Appiwat Grob (Bichwil) und Matthias Eisenhut (Herisau)

Bild: Pascal Schönenberger (Ebnat-Kappel, 12. September 2020)

Bei den Jahrgängen 2007 bis 2008 war der Flawiler Sennenschwinger Appiwat Grob wie in den letzten Jahren klar überlegen. Dank seiner körperlichen (172cm gross, 100kg schwer) und schwingerischen Stärke konnte er den Tagessieg mit sechs gewonnen Gängen feiern.

Übersprung aus dem Lehrbuch

Bei den Jahrgängen 2009 bis 2010 setzte sich der Rheintaler Andreas Peter ebenfalls dank des gestellten Schlussgangs gegen David Forrer durch. Einen weiteren Appenzeller Sieg lieferte Manuel Albin aus Büriswilen. Der Sennenschwinger vom Schwingclub Wolfhalden besiegte seinen Gegner Andrin Hug gleich nach wenigen Sekunden. Mit einem Übersprung aus dem Lehrbuch landete der Rheintaler Hug direkt auf dem Rücken.

Somit ist die Saison 2020 bereits nach einem Tag wieder Geschichte. Nun hoffen die Schwinger, dass sie im 2021 wieder im Sägemehl zusammengreifen dürfen.

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