Diese Frau zieht als wilde Kandidatin in den Wahlkampf ums Lütisburger Schulratspräsidium

Marianne Burger Studer steigt nicht als offizielle Kandidatin ins Rennen für das Amt des Schulratspräsidenten in Lütisburg. Dennoch ist die Pädagogin hoch motiviert, im Dorf eine neue Kultur der Zusammenarbeit und Kommunikation zu etablieren.

Timon Kobelt
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Marianne Burger Studer ist eine leidenschaftliche Puzzlerin. Wie für das Amt des Schulratspräsidenten brauche es beim Puzzeln Strategie, Ruhe und Ausdauer, sagt sie. Hier ist die 56-Jährige gerade mit einem Puzzle von 3 (Bild: Timon Kobelt)

Marianne Burger Studer ist eine leidenschaftliche Puzzlerin. Wie für das Amt des Schulratspräsidenten brauche es beim Puzzeln Strategie, Ruhe und Ausdauer, sagt sie. Hier ist die 56-Jährige gerade mit einem Puzzle von 3 (Bild: Timon Kobelt)

Sie sorgt für Aufsehen, weil sie als wilde Kandidatin in den Abstimmungskampf zieht. Marianne Burger Studer will Schulratspräsidentin von Lütisburg werden. Doch weder ihr Wesen noch ihr Zuhause im Grüebli in Lütisburg weisen wilde Züge auf. Die umliegende Landschaft und der Garten sind ruhig und gepflegt genauso wie die Ausdrucksweise der 56-Jährigen.

Das Amt der Schulratspräsidentin habe sie schon bei der Ausschreibung «gereizt». «Ich habe aber damit gerechnet, dass mehr als eine Bewerbung eingeht. Es ist mir sehr wichtig, dass Lütisburg eine Auswahl hat», sagt Marianne Burger Studer. Sie habe ausführlich mit ihrem Mann diskutiert, ob sie sich bewerben solle. Schlussendlich hätten er und ihre drei Kinder sie ermutigt, den Schritt zu wagen. «Die Schule liegt mir am Herzen. Diese Tatsache und die Unterstützung meiner Familie waren ausschlaggebend für meinen Entscheid», sagt die 56-Jährige. Sie wurde auch von einigen Lütisburgerinnen und Lütisburgern, die ihren beruflichen Hintergrund kennen, zur Kandidatur ermuntert.

Breiter Rucksack im Schulbereich

Dieser Hintergrund ist gespickt mit verschiedenen Tätigkeiten im Schulbereich. Nach der obligatorischen Schulzeit in Lütisburg und Bazenheid arbeitete sie unter anderem beim Amt für Volksschulen des Kantons St. Gallen, wo sie sowohl Lehrpersonen als auch Schulleitungen und Schulbehörden als Beraterin zur Seite stand. Ausserdem hat die Lütisburgerin Erfahrung als Oberstufenlehrerin, Schulleiterin und ist diplomierte Heilpädagogin. In Uznach war sie Projektleiterin für das neue Pädagogische Oberstufenzentrum, mit dem Sekundar- und Realschule vereint wurden, und hatte Einsitz in der Baukommission für das Oberstufenschulhaus. «Obwohl das jetzt bereits zwölf Jahre her ist, fühle ich mich nach wie vor fit im Bauwesen. Auch, weil ich privat gerne selber Häuser umbaue und einrichte», sagt Marianne Burger Studer.

Gemäss der Pädagogin liegen ihre Stärken in der Gesprächsführung und in der Kommunikation. «Beides hat Lütisburg meiner Meinung nach bitter nötig», sagt sie. Gerade beim Projekt Primarschule Lütisburg 2020plus sei die Kommunikation alles andere als optimal gelaufen. Auch habe eine klare Vorgabe gefehlt, wie viel Geld ausgegeben werden dürfe. Ausserdem bedauere sie, wie schlecht die Stimmung im vergangenen Jahr zwischen Gemeinde- und Schulrat gewesen sei. «Ein gutes Klima an dem Ort, wo man lebt, muss die Grundvoraussetzung sein», stellt Marianne Burger Studer klar. Die 56-Jährige glaubt, dass sie dazu beitragen kann, dass Lütisburg aus der Sackgasse herausfindet: «Da ich total unabhängig bin und nicht in die bisherigen Prozesse involviert war, glaube ich, dass ich frischen Wind in die Sache bringen kann.»

«Lütisburg ist ein Auslaufmodell»

In den Legislaturzielen des Gemeinderates steht die Bildung einer Einheitsgemeinde per 1. Januar 2021. Dieser Prozess muss durch den Schulrat oder durch die Schulbürgerschaft via Antrag ausgelöst werden. Diesbezüglich hat die Kandidatin eine klare Meinung: «Ich befürworte eine Einheitsgemeinde. Es gibt dabei nur Gewinner und Lütisburg ist im Kanton ein Auslaufmodell.» Mit der Bildung einer Einheitsgemeinde könne man Synergien nutzen und die Kommunikation institutionalisieren. «Die Schule muss auch keine Angst vor Einmischung seitens der Gemeinde haben. Das Budget macht immer noch die Schule und Absprachen betreffend Finanzen und Investitionen finden schon heute statt», sagt Marianne Burger Studer.

Nebst einer allfälligen Einheitsgemeinde sieht die 56-Jährige weitere Herausforderungen auf die Schule Lütisburg zukommen. «Die Schule befindet sich in konstantem Wandel. Diesem darf man sich nicht wiedersetzten», sagt sie. Sie sei überzeugt, dass es künftig noch stärker in Richtung Dialog und Einbezug verschiedener Parteien gehe. Auch gewisse Kompetenzen wolle sie anpassen. «Meiner Meinung nach sollte die Schulleitung das letzte Wort sowohl bei Einstellungen als auch Entlassungen haben», sagt Marianne Burger Studer.

Puzzeln hilft ihr beim Denken

Woher will sie die Energie für all diese Herausforderungen nehmen? «Ich puzzle leidenschaftlich gerne. Momentan bin ich gerade an einem mit 32000 Stücken dran. Diese Tätigkeit entspannt mich und hilft mir beim Denken», erklärt die ehemalige Schulleiterin. Ausserdem habe sie «Nerven wie Drahtseile», sie lasse sich nie gross aus der Ruhe bringen. Auch nicht beim Jassen, was sie einmal wöchentlich mit drei Freundinnen tut. Da sie nicht mehr angestellt sei, sondern nur noch privat Beratungen im Schulbereich anbiete, habe sie bestimmt auch genügend Zeit und Energie, um das 20-Prozent-Pensum zu stemmen. «Der einzige Fixtermin in meiner Woche besteht darin, während eines Tages meine Enkelkinder zu hüten», sagt sie. An ihnen hat sie sehr viel Freude.

Das Pensum habe bei ihren Überlegungen ebenso wenig eine Rolle gespielt wie die Bezahlung: «Es geht mir um die Sache, weil die Schule ein Teil meines Lebens ist.» Im Falle ihrer Wahl gewinne Lütisburg eine Person, die nicht vorbelastet sei und mit neuem Elan an die Sache herangehen könne. Sie hoffe ausserdem, «dass ich in Lütisburg eine neue Kultur der Zusammenarbeit und Kommunikation etablieren kann».

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