Interview

Die Zeit drängt für eine Erweiterung des Schulraums in Lütisburg: «Die Platznot im Schulhaus ist akut»

Die Lütisburger Schulratspräsidentin will schnellstmöglich mehr Schulraum und der Schulleitung mehr Kompetenzen delegieren. Ausserdem sollen Schul- und Gemeinderat wieder Vertrauen ineinander fassen.

Timon Kobelt
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Marianne Burger Studer im Lehrerzimmer des Schulhauses Neudorf: Dass es im Gebäude kein Sitzungszimmer gibt, ist ihr ein Dorn im Auge. Bild: Timon Kobelt

Marianne Burger Studer im Lehrerzimmer des Schulhauses Neudorf: Dass es im Gebäude kein Sitzungszimmer gibt, ist ihr ein Dorn im Auge. Bild: Timon Kobelt

Seit knapp einem halben Jahr ist Marianne Burger Studer Schulratspräsidentin von Lütisburg. Die 57-Jährige verrät im Gespräch, wo sie bereits Akzente setzen konnte, weshalb für sie eine Kuhglocke wichtig ist und wie sie das Verhältnis zwischen Schul- und Gemeinderat verbessern will.

Ihr Vorgänger Josef Rütsche hat die Kinder jeweils mit einem Pistolenschuss in die Sommerferien verabschiedet. Haben Sie bereits ein Markenzeichen?

Marianne Burger Studer: Ja, tatsächlich. Ich habe die Ferien mit einer Kuhglocke eingeläutet.

Das hat bestimmt einen Hintergrund.

Als ich noch in Uznach Schulleiterin war, musste ich teilweise vor 240 Oberstufenschülern sprechen. Da mein Stimmorgan nicht so kräftig ist, war die Kuhglocke enorm hilfreich, mir Gehört zu verschaffen. Nun habe ich für sie eine neue Verwendung gefunden.

Haben Sie die Glocke auch schon gebraucht, um sich bei Schulratssitzungen Gehör zu verschaffen?

Zum Glück nicht. Nein im Ernst: Ich wurde im Schulrat sowie von der Schulleitung, den Lehrpersonen und allen Mitarbeitenden der Schule sehr gut aufgenommen und wir haben eine gute Zusammenarbeit gefunden.

Mussten Sie im Schulrat nach der jüngsten Ablehnung der Turnhalle Ermüdungserscheinungen feststellen?

Ermüdung nicht, eine gewisse Frustration war bestimmt vorhanden. Aber es sind nun alle wieder mit sehr viel Motivation bei der Arbeit.

Es ist auch meine Aufgabe, neuen Schub zu geben.

Hinter die Abstimmung über die Turnhalle müssen wir nun einen Strich ziehen, es ist nicht mehr zu ändern. Wichtig ist nun, mit neuem Elan an die Sache heranzugehen.

Fühlen Sie sich schon fest im Sattel als Schulratspräsidentin?

Ich würde sagen, dass ich inzwischen ganz gut angekommen bin. In den ersten zwei Monaten habe ich viel Zeit zum Einlesen investiert, damit ich über die breite Paletten an Themen, welche die Schule abdeckt, den Überblick habe. Natürlich habe ich auch viele Gespräche geführt und zugehört.

Die Menschen sind das wichtigste Puzzleteil bei der Einarbeitung.

Es ist bislang kein 20-Prozent-Pensum, aber damit habe ich auch nicht gerechnet. Ich denke, der Prozess des Einarbeitens ist weit fortgeschritten, aber es gibt auch Bereiche wie die Budgetierung, die ich hier zum ersten Mal mache. Es braucht sicher einen Jahreszyklus, bis ich überall richtig in der Materie bin.

Ihre Wahl war auch der Ausdruck des Wunsches nach einem Neuanfang.

Das sehe ich auch so. Ich denke, dass mir dieser auch gelungen ist. Ich bin ein Mensch, der nicht in der Vergangenheit lebt, sondern nach vorne blickt.

Und was zeigt der Blick nach vorne bezüglich der Zusammenarbeit von Schul- und Gemeinderat?

Es geht primär darum, die Zusammenarbeit gut und neu aufzugleisen. Ein Neuanfang ist zu spüren, aber es braucht Zeit, um das Vertrauen ineinander zu fassen. Beide Räte sind gewillt, das Vertrauen step by step aufzubauen. Wenn wir daran arbeiten, können wir gemeinsam auch viel erreichen und umsetzen.

Kam das Thema Einheitsgemeinde bereits zur Sprache?

Ja, wir tauschen uns darüber aus, wo die Räte aktuell stehen, wo sie hinwollen. Aber das ist nur einer von vielen Punkten, welcher die beiden Räte beschäftigt.

Trotzdem: Läuft es bezüglich Einheitsgemeinde auf eine gemeinsame Linie hinaus?

Dazu kann ich im Moment keine Aussage machen.

Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit Gemeindepräsidentin Imelda Stadler? Mussten Sie gewisse Dinge aufarbeiten?

Wenn es bei einem Thema klar ist, dass es einen Austausch braucht, tun wir das auch. Ich bin im Gemeindehaus sehr herzlich aufgenommen worden. Die Zusammenarbeit funktioniert gut, ich habe auch hier einen klaren Neustart bewirken können und das ist gut so. Ich hatte kein Bedürfnis, etwas aufzuarbeiten.

Es bringt nichts, in alten Geschichten zu wühlen. Als neue Person masse ich es mir nicht an, über Vergangenes zu urteilen.

Dann sprechen wir doch über etwas Neues. Vor Ihrer Wahl haben Sie gesagt, dass Sie der Schulleitung mehr Kompetenzen erteilen wollen.

Diesbezüglich tut sich auch etwas. Wir überarbeiten gegenwärtig die Pflichtenhefte und wollen so viele Kompetenzen wie die Schulgemeindeordnung und das Volksschulgesetz ermöglichen an die Schulleitung delegieren. Das Pflichtenheft der Schulleitung ist auf der Tagesordnung für die nächste Schulratssitzung. Man muss hierzu noch sagen: Manchmal ist es wichtig, Abläufe, die eigentlich schon stattfinden, auf Papier festzuhalten und zu klären. Dies gibt der Schulleitung Remo Walder und Jeannette Gygax zusätzliche Klarheit über ihren Arbeitsauftrag, was sie auch schätzten. Unterrichtsvisitationen und die damit verbundene Beurteilung der Unterrichtsqualität soll zum Beispiel nur Aufgabe der Schulleitung sein.

Marianne Burger Studer ist eine leidenschaftliche Puzzlerin. (Bild: Timon Kobelt)

Marianne Burger Studer ist eine leidenschaftliche Puzzlerin. (Bild: Timon Kobelt)

Sie wollten auch eine neue Art der Kommunikation einführen. Wie würden Sie Ihre Kommunikation beschreiben?

Direkt, ehrlich und offen. Es ist mir wichtig, dass wir in der Schule sehr geradlinig miteinander kommunizieren, und mit viel Wertschätzung für die Leistungen der Mitarbeitenden, denn sie leisten unglaublich viel. Es muss aber auch Platz für Kritik geben. Alle müssen kritische Themen ansprechen können, ohne Angst zu haben, jemandem auf die Füsse zu treten. Solange es um die Sache geht, ist Kritik kein Problem und erwünscht.

Und die Kommunikation mit den Bürgern?

Ich will die vorhandenen Kanäle wie das Gemeindeblatt und die Webseite gut nutzten. Das bringt schon viel. Bisher war ich noch zurückhaltend, weil ich zunächst selbst überall vertieft über ein Thema Bescheid wissen will, ehe ich über dieses berichte.

Was können Sie uns über den Erweiterungsbau des Schulhauses Neudorf berichten?

Nun, es gibt eine zeitliche Verschiebung. Wir werden den Bau definitiv nicht zeitgleich mit dem 50-Jahr-Jubiläum der vereinigten Schule Lütisburg im Sommer 2020 einweihen können. Wir haben das Projekt aufgrund von Rückmeldungen eines externen Gutachters der Gemeinde angepasst und hoffen, dass nun alle Vorgaben erfüllt sind, damit die Gemeinde die Baubewilligung sprechen kann.

Es sind auch noch Einsprachen hängig.

Richtig. Wir haben positive Gespräche geführt und sind deshalb optimistisch. Sollten die Einsprachen zurückgezogen werden, wäre ein Spatenstich im Februar oder März realistisch. Klar ist: Der Schulraumbedarf ist akut. Sie erleben es gerade selber, wir werden zwischendurch unterbrochen (während des Gesprächs gehen Lehrpersonen im Lehrerzimmer ein und aus, Anm. d. Red.). Wir haben kein Sitzungszimmer. Es ist mir schlicht nicht möglich, in diesem Gebäude ein Mitarbeitergespräch in Ruhe zu führen.

Wann nehmen Sie sich einem neuen Turnhallen-Projekt an?

Wir müssen das Turnhallenprojekt angehen. Aber erst, wenn der Erweiterungsbau des Schulhauses Neudorf ins Rollen kommt, also, wenn der Spatenstich erfolgt ist. Alles andere würde die Kapazitäten sprengen. Wir können nicht zwei Projekte gleichzeitig fahren.

Blicken Sie dem Projekt mit Sorge entgegen? Schliesslich hat es die Gemeinde immer wieder gespalten.

Die Turnhalle ist ein klares Bedürfnis. Ich freue mich darauf. Ein neues Projekt muss von Schul- und Gemeinderat gemeinsam durchgezogen werden, dies habe ich auch so kommuniziert.

Der Schulrat hat kürzlich eine Verkehrsordnung für den Schulweg erlassen. Damit ist das Thema Schulwegsicherheit aber noch lange nicht gegessen, oder?

Keineswegs. Auch hier ging es darum, gewisse Eckpunkte schriftlich festzuhalten. Etwa die Empfehlung, dass die Kinder das ganze Jahr über Leuchtwesten auf dem Schulweg tragen. Die Parkplatzsituation rund um das Schulareal muss gemeinsam mit dem Hallenneubau gelöst werden. Alles andere macht keinen Sinn. Die Situation auf der Kantonsstrasse bei der alten Thurbrücke kann nur mit baulichen Massnahmen abschliessend entschärft werden.

Viele haben Ihnen nach Ihrer Kandidatur gesagt: «Warum tust du dir das an?» Haben Sie Ihre Kandidatur schon einmal bereut, seit Sie im Amt sind?

Keinesfalls. Ich bin hoch motiviert und es ist eine Freude, sich für die Schule einzusetzen und mit diesen tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Ich bedaure einzig, dass ich aufgrund von Terminen einige Male meine Enkelkinder vernachlässigen musste.