Damals: Die Wijer-Wand wird fallen

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Hinter den Felstürmen bildete sich im Laufe der Jahrzehnte ein Tälchen. (Bild: PD)

Hinter den Felstürmen bildete sich im Laufe der Jahrzehnte ein Tälchen. (Bild: PD)

Vor 100 Jahren

11. Juni: Wattwil. Vor uns liegt der 28. Bericht vom Krankenhaus Wattwil, das Jahr 1918 umfassend. Die heimtückische Grippe machte auch vor der Person des Spitalarztes und seinem Assistenten keinen Halt. Beide erkrankten kurz nacheinander und mit ihnen sechs Schwestern. Während dieser Zeit sank die Zahl der Patienten von 92 auf 30 herunter.

In sehr freundlicher und zuvorkommender Weise vertrat der Vater des Chefarztes, Herr Prof. Dr. Baumann, seinen Sohn, und in ebenso anerkennungswerter Weise stellten sich auch die Gemeindeärzte trotz grosser Inanspruchnahme in ihrer eigenen Praxis, zeitweise zur Verfügung. Aber trotz der bösen Zeitumstände mit dem Ausfall an Patienten während der Grippeepidemie ist die Gesamtpatientenzahl doch nicht zurückgegangen.

Bei 726 Neueintritten betrug sie 775 mit 22,803 Krankentage, wovon 275 Personen mit 9803 Krankentagen auf die medizinische und 500 Personen mit 13,000 Krankentagen auf die chirurgische Abteilung entfallen. Die durchschnittliche Verpflegungsdauer betrug 29,42 Tage auf der medizinischen Abteilung 34,64 und auf der chirurgischen 26 Tage. Der Jahresdurchschnitt der Patientenzahl betrug 67,8 gegenüber 63,3 im Vorjahr. Die Zahl der Operationen betrug im Jahr 1918 im ganzen 486. Das ist die höchste Zahl seit Bestehen des Krankenhauses und das beste Zeugnis für den Operateur, Herrn Dr. Baumann.

Wie der Bericht sagt, handelte es sich meistenteils um grössere Operationen. Ueberraschend ist die grosse Zahl der Bauchoperationen, beinahe 43 %. Von den 26 Todesfällen entfallen 12 zu Lasten der Grippe. Wir können am Schluss dieses Berichtes mit Genugtuung konstatieren, dass unser Krankenhaus gut geführt und geleitet wird. Möge ihm eine glückliche Zukunft beschieden sein!

Vor 50 Jahren

9. Juni: Krummenau. Auf dem Friedhof Ennetbühl wurde Hotelier Werner Bosshard-Jaggi, der im Alter von 49 Jahren unerwartet gestorben ist, zu Grabe getragen. Der Verstorbene war der 30. in der Reihe der seit 1500 bekannten Besitzer des Kurhauses Rietbad an der Strasse Nesslau-Schwägalp. Als Nachfolger seines Vaters, alt Kantonsrat Gottlieb Bosshard sel. übernahm er 1955 das Rietbad.

Unter seiner initiativen Leitung haben die Bäder im folgenden Jahr eine Modernisierung erfahren. Das modernst eingerichtete Badehaus erhielt neben sehr schönen Badezimmern alle heute üblichen Kurmittel in neuester Ausführung wie Sprudelbad, Kohlensäurebad, Unterwasserstrahlmassage, Eviandusche, Extension, Inhalation, Sauerstoffbehandlung usw.

Vor 20 Jahren

9. Juni: Stein. Der Goggeien, der Wappenberg der Steiner, soll bei der Sprengung der instabilen Wijer-Wand keinen Schaden nehmen. Dafür garantieren die erfahrenen Sprengmeister, die mit 2,2 Tonnen Sprengstoff ihr Werk verrichten werden. Im Frühjahr 1988 brach ein mächtiges Felsstück aus der seit Menschengedenken abbröckelnden Wijer-Wand heraus.

Der Tragweite dieses unberechenbaren Naturereignisses bewusst, kontaktierte der Gemeinderat von Stein das Wattwiler Vermessungsbüro Keller und Partner. Alpinisten der SAC-Rettungskolonne halfen, Markierungspunkte an den Felstürmen anzubringen. Mit periodischen Messungen konnten nun die Bewegungen des Fels beobachtet werden. «Seit 1988 rutschte der auf einer Mergelschicht wandernde Fels einen knappen Meter talwärts. Zudem führte er eine Kippbewegung Richtung Dürrenbach aus. Die Gefahr eines unkontrollierten Absturzes nahm stetig zu», sagte der Wattwiler Ingenieur Hans Keller.

In Bewegung ist nicht nur die Felspartie, sondern ein rund 1,8 Hektaren grosses Waldstück, das in etwa die Form eines gleichschenkligen Dreiecks aufweist. Mit Respekt nennen die Geologen den Wappenberg der Steiner, der als äusserster Berg der Kalkalpen bezeichnet wird, einen chaotischen Berg.

Vor 10 Jahren

8. Juni: Lichtensteig. Leute in historischen Kostümen und ein Zauberer liessen das Berlin der vorletzten Jahrhundertwende aufleben. Mit dabei die Drehorgel, die in den Zwanzigerjahren die Elefanten des Berliner Zoos mit ihrem Rüssel antrieben.

9. Juni: Mosnang. Am Final der 1.-Liga-Schweizer-Meisterschaft der Radballer triumphierten die beiden Mosnanger Teams: Gold und Silber. Joel Schnellmann und Ralf Breitenmoser siegten am Ende vor den Clubkollegen Rafael Wohlgensinger und Andreas Ammann. Beide Teams steigen in die Nat. B auf.

11. Juni: Dicken. Im Jahr 1459 – vor 550 Jahren also – wurde Dicken erstmals urkundlich erwähnt. Das ganze Dorf hat sich für die Gestaltung und Vorbereitungen der Feier aktiv eingebracht. Mit den Einnahmen vom Fest werden als erstes die entstandenen Kosten gedeckt, mit dem Rest der Dorfbrunnen restauriert.