«Die Wetterprognosen waren zu schlecht»: Nur wenige Gäste nutzten die Bergbahnen im Obertoggenburg am ersten Betriebstag nach dem Lockdown

Die Bergbahnen dürfen wieder fahren, doch nur wenige Gäste nutzten am ersten Betriebstag das Angebot. Bei der Bergbahnen Wildhaus AG ist man dennoch zufrieden. «Unser Coronakonzept funktioniert», sagt Geschäftsführer Urs Gantenbein.

Adi Lippuner
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Nach dem Aufstieg zu Fuss zum Oberdorf geniessen Tanja und Kean Vetsch die Rückfahrt auf dem Sessellift.

Nach dem Aufstieg zu Fuss zum Oberdorf geniessen Tanja und Kean Vetsch die Rückfahrt auf dem Sessellift.

Bild: Adi Lippuner

Auf den verschiedenen Wetterapps waren schon die ganze Woche für Samstag und Sonntag Regenwolken angesagt und auch die Prognosen, welche im Radio und Fernsehen verbreitet wurden, verhiessen kein Bergwetter. Also entschieden sich wohl viele Bergfreunde, den persönlichen Saisonstart bis zum ersten, sonnigen Wochenende zu verschieben.

Vereinzelt wagten sich Wanderer auf den Berg und meinten auf die Frage, weshalb wohl so wenig Leute unterwegs sind: «Die Wetterprognosen waren zu schlecht.» So zeigte sich die Situation an den drei Talstationen der Bergbahnen im Obertoggenburg einheitlich: Nur wenige parkierte Autos in Wildhaus, Unterwasser und Alt St.Johann.

Das Coronakonzept scheint zu funktionieren

Kurz vor zehn Uhr am Samstag bei der Talstation der Wildhauser Bergbahnen: Zwar zeigte sich die Sonne zaghaft, doch die Sessel schweben meist leer dem Oberdorf zu. Nur vereinzelt wagten sich ein paar Unentwegte in die Höhe. Urs Gantenbein. Geschäftsführer der Wildhauser Bergbahnen freute sich dennoch:

«Wir hatten wenig Leute am Berg, durften aber feststellen, dass unser Coronakonzept funktioniert. Mit sonnigem Wetter werden auch die Besucher kommen, da sind wir zuversichtlich und mit unserem Bahnsystem, bei dem jeder Besucher seinen eigenen Sessel haben kann, vor allem gut gerüstet.»

Auf der grosszügigen Sonnenterrasse beim Oberdorf die coronabedingten Abstände zwischen den Tischen und am Vormittag kaum Gäste. Dafür eine überwältigende Ruhe, wie sie während der Saison sonst nur am frühen Morgen und spätabends zu geniessen ist.

Zu Fuss hoch und mit der Bahn zurück

Einige der wenigen Gäste, welche den Samstagvormittag am Berg genossen, waren Tanja Vetsch und ihr Sohn Kean. Sie bewältigten den Weg von der Talstation in Wildhaus zu Fuss und genossen dann die Rückfahrt mit der Sesselbahn.

Auch zwei E-Biker machten einen kurzen Halt beim Oberdorf. «Wir sind über den Grabserberg, Gamperfin und Ölberg gefahren und werden nun noch einen Abstecher nach Wildhaus machen, um dann via Schönenboden und Gamserberg zurück ins Tal zu fahren.» Eigentlich sei es angenehm gewesen, dass die Bergbahnen nicht fuhren, so ihr Fazit.

«Wir hatten die Wege für uns allein, nun werden wir wieder vermehrt Rücksicht auf die Wanderer nehmen müssen, denn sobald die Sonne scheint, wird es mehr Leute im Gebiet haben.»

Rund zwei Drittel der sonst üblichen Förderkapazität

Saisonstart 2020 bei den Obertoggenburger Bergbahnen nach Corona: Die nostalgische Standseilbahn in Unterwasser fährt wieder in die Talstation ein.

Saisonstart 2020 bei den Obertoggenburger Bergbahnen nach Corona: Die nostalgische Standseilbahn in Unterwasser fährt wieder in die Talstation ein.

Bild: Adi Lippuner

Die rote Nostalgiebahn in Unterwasser war in Betrieb, doch das Zählsystem, welches pro Fahrt maximal 50 Personen vorsieht – dies entspricht rund zwei Drittel der sonst üblichen Förderkapazität – musste nicht in Anspruch genommen werden. Zwar freuten sich einige Gäste über die Möglichkeit, endlich die Welt wieder von oben zu betrachten, doch viel zu tun gab es für die Angestellten noch nicht.

Mit der zaghaft scheinenden Sonne um die Wette strahlte eine Besucherin, die forschen Schrittes von der Postautohaltestelle Richtung Bergbahn unterwegs war. «Endlich kann ich wieder in die Höhe und hoffentlich den geliebten Ausblick vom Chäserrugg auf den Walensee geniessen», brachte sie ihre Vorfreude auf den Punkt.

Eine Bilanz zum ersten Betriebstag war von den Toggenburger Bergbahnen trotz mehrfacher Anfrage aber nicht zu erhalten.

Wahl zwischen Gondel und Sessellift

Verhaltener Saisonstart: Die Sessel und Gondeln bei der Bahn von Alt St. Johann zur Alt Sellamatt sind am ersten Betriebstag mehrheitlich leer.

Verhaltener Saisonstart: Die Sessel und Gondeln bei der Bahn von Alt St. Johann zur Alt Sellamatt sind am ersten Betriebstag mehrheitlich leer.

Bild: Adi Lippuner

Rege Betriebsamkeit herrschte in Alt St.Johann lediglich bei einem Wasseramselpärchen in der Thur. Während die beiden hin und her flogen und immer wieder ins Wasser tauchten, hatten die Mitarbeitenden der Bahn wenig zu tun.

Selbst die Wahl zwischen Sesseln und Gondeln und die Möglichkeit, jeweils allein oder mit den zum gleichen Haushalt gehörenden Personen fahren zu können, brachte zum Saisonstart nicht die erhoffte Frequenz.