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«Die Währung ist Zeit, nicht Geld»

Seit eineinhalb Jahren gibt es die Genossenschaft Kiss Toggenburg, die sich für die Nachbarschaftshilfe mittels Zeitgutschrift einsetzt. Deren Koordinatorin erklärt, welche Vorteile das Projekt hat.
Anina Rütsche
Unterstützung beim Einkaufen ist eine der vielen möglichen Formen von Nachbarschaftshilfe im Kiss-Modell. (Bild: Getty / Fred Froese)

Unterstützung beim Einkaufen ist eine der vielen möglichen Formen von Nachbarschaftshilfe im Kiss-Modell. (Bild: Getty / Fred Froese)

Anderen helfen und dafür selbst Unterstützung bekommen – so funktioniert Kiss, «keep it small and simple», ein schweizweit praktiziertes Vorsorgemodell, das auf Freiwilligenarbeit basiert. Seit eineinhalb Jahren gibt es in Lichtensteig eine Kiss-Genossenschaft. Kurz vor der ersten Generalversammlung, welche diesen Donnerstag stattfindet, gibt die lokale Kiss-Koordinatorin Silvia Frick Auskunft über die Hintergründe und ihre ersten Erfahrungen mit der Zeitvorsorge.

Silvia Frick, wie blicken Sie auf das erste Kiss-Jahr zurück?

Silvia Frick aus Lichtensteig ist als Koordinatorin für Kiss Toggenburg tätig. (Bild: Anina Rütsche)

Silvia Frick aus Lichtensteig ist als Koordinatorin für Kiss Toggenburg tätig. (Bild: Anina Rütsche)

Der Start der Genossenschaft Kiss Toggenburg ist aus meiner Sicht sehr gut verlaufen. Nach wie vor sind wir zufrieden, denn seit Anfang 2018 hat sich die Anzahl unserer Einzelmitglieder fast verdoppelt. Derzeit sind es rund 80. Besonders schön finde ich, dass auch Leute ausserhalb des Gründungsorts Lichtensteig den Zugang zu dieser solidarischen Art der Vorsorge gefunden haben. Beispielsweise haben wir auch Mitglieder aus Wattwil, aus Bütschwil und aus dem Neckertal. Nun arbeiten wir daran, weiter zu wachsen. Das Ziel besteht darin, die gesamte Region einzubeziehen.

Seit März 2017 sind Sie als Koordinatorin der Toggenburger Gruppe tätig. Welche Aufgaben umfasst dieses Amt?

Ich sorge während rund zwölf Stunden pro Woche dafür, dass möglichst viele Toggenburgerinnen und Toggenburger das schweizweit angewandte Kiss-Konzept kennen lernen. Mit allen, die Mitglied werden möchten, treffe ich mich zu einem Einführungsgespräch. Mich interessiert, welche Tätigkeiten die jeweiligen Personen anbieten und beziehen möchten. Zudem stelle ich Kiss gemeinsam mit unserem Präsidenten Roland Walther im Rahmen von Referaten bei Gemeinden und Institutionen vor.

So funktioniert die Zeitvorsorge mit Kiss

Die Genossenschaft Kiss Toggenburg wurde am 12. Dezember 2016 gegründet. Bereits damals zeichneten 27 Lichtensteigerinnen und Lichtensteiger einen Anteilschein. Kiss bedeutet «keep it small and simple», also: schlank und einfach. Es handelt sich um einen Zusammenschluss, der die Nachbarschaftshilfe mittels Zeitgutschrift fördert.

Kiss ist Geben und Nehmen zugleich. Wer einer anderen Person hilft, kann sich die dafür aufgewendete Zeit gutschreiben lassen und dafür selbst Unterstützung in einem anderen Bereich beziehen. Geld ist dabei nicht im Spiel. Das Hauptziel von Kiss besteht darin, dass vor allem ältere Leute möglichst lange und gut betreut in ihrem Daheim bleiben können. Auch Jüngere können bei Kiss mitmachen, Hilfe beanspruchen und sich ein Zeitkonto als Altersvorsorge aufbauen.

Kiss-Genossenschaften gibt es in verschiedenen Regionen der Schweiz. Der Verein Kiss ist die Dachorganisation der lokalen Vertretungen, der dafür sorgt, dass überall die gleichen Grundlagen gelten. Zudem unterstützt er Interessierte, die an ihrem Wohnort eine lokale Kiss-Freiwilligengruppe gründen möchten. Es findet ein regelmässiger Austausch statt. (pd/aru)

Was muss man mitbringen, um bei Kiss mitmachen zu können?

Wichtig ist, dass die Person motiviert und zuverlässig ist. Damit die Zeitvorsorge funktioniert, müssen sämtliche Abmachungen eingehalten werden. Ausserdem wird bei einem Neueintritt ein einmaliger Beitrag von 100 Franken für den Anteilschein fällig. Abgesehen davon ist bei Kiss kein Geld im Spiel. Unsere Währung besteht aus Hilfestunden, nicht aus Rappen und Franken, was von den Mitgliedern als äusserst erfüllend erlebt wird. Die Zeitgutschriften können eingelöst oder für später aufgespart werden.

Bei Kiss gibt es nicht bloss Einzelmitglieder, sondern auch Kollektivmitglieder. Was hat es damit auf sich?

Kollektivmitglieder sind beispielsweise Gemeinden und Pflegeheime aus der Region. Für uns sind sie sehr wichtig, denn sie tragen dazu bei, Kiss bekannter zu machen und das Netzwerk zu vergrössern.

Welche Dienstleistungen sind bei Kiss Toggenburg besonders beliebt?

Unsere Favoriten sind Hilfe beim Einkaufen, Büroarbeiten und Konversationen im Pflegeheim. Diese drei Tätigkeiten werden am häufigsten angeboten und nachgefragt. Sie haben den Vorteil, dass sie alleine aufgrund von Lebenserfahrung ausgeübt werden können.

Wofür sind bei Kiss denn besondere Kenntnisse nötig?

Dies ist bei den Sterbebegleitungen der Fall, die ebenfalls zu unseren Angeboten gehört. Hierfür bieten wir allerdings nur Fachpersonen auf, die eine entsprechende Ausbildung absolviert haben. Es sind Pensionierte, die ihr Wissen aus dem Beruf im Rahmen von Freiwilligenarbeit weiter anwenden möchten.

Was gehört ausdrücklich nicht zum Angebot von Kiss?

Die Leistungen von Kiss umfassen Alltagsunterstützung im Sinne von Nachbarschaftshilfe, aber ausdrücklich keine medizinisch verordnete Pflege. Auch achten wir darauf, gewerbliche Angebote wie diejenigen von Handwerkern sowie von Spitex und Tixi nicht zu konkurrenzieren.

Infos zur Vereinsmitgliedschaft

Die erste Generalversammlung der Genossenschaft Kiss Toggenburg für Mitglieder, Verwaltungsrat und Sponsoren findet diesen Donnerstag, 21. Juni, 19 Uhr, im Café Huber in Lichtensteig statt. Wer Kiss-Mitglied werden möchte, kann sich bei Silvia Frick unter Telefon 071 988 39 43 melden. Ab Herbst gibt es an wechselnden Orten im Toggenburg ein Kiss-Café, wo sich die Mitglieder untereinander austauschen können.

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