Die Wahl des Schulmodells im Neckertal könnte eine veritable Knacknuss sein

Die Gemeinden Neckertal, Oberhelfenschwil und Hemberg könnten bald fusionieren. Wie die Schulen dann organisiert sein sollen, ist eines der komplexen und emotionalen Teilprojekte.

Urs M. Hemm
Drucken
Teilen
Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass wegen der Fusion Schulstandorte nicht gefährdet sind. Im Bild das Oberstufenschulhaus Baumgarten in St. Peterzell. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass wegen der Fusion Schulstandorte nicht gefährdet sind. Im Bild das Oberstufenschulhaus Baumgarten in St. Peterzell. (Bild: Urs M. Hemm)

Bereits in der Vorbereitung zur Grundsatzabstimmung hatte es sich an verschiedenen Informationsveranstaltungen gezeigt: Der Bereich Bildung, sprich die Inkorporation der drei Schulgemeinden Schule Neckertal, Schule Oberes Neckertal sowie der Schule Hemberg, löst am meisten Emotionen aus und wird bei der Beurteilung der Fusionsabsichten der Gemeinden Hemberg, Oberhelfenschwil und Neckertal eine entscheidende Rolle spielen. «Natürlich sind auch die künftige Struktur der Behörden oder die Infrastruktur wichtige Themen», sagt Toni Hässig, Sprecher des Kernteams (siehe Infobox). «Die Schule jedoch ist ein Thema, mit welchem sich viele identifizieren können und durch ihre Kinder einen direkten Bezug dazu haben.»

Mit den Fragen rund um den Komplex Schule, Bildung und Inkorporation werden sich in den kommenden Monaten unter der Leitung von Christian Gertsch, Gemeindepräsident von Hemberg, die drei Schulpräsidien Elsbeth Roth (Schule Hemberg), Rudolf Mäder (Schule Neckertal) sowie Werner Raschle (Schule Oberes Neckertal) befassen. «Wegen der Komplexität der Thematik wollen wir eine externe Fachperson beiziehen, die dem Projektteam beratend zur Seite steht», sagt Toni Hässig.

Drei Führungsmodelle zur Auswahl

Toni Hässig, Gemeindepräsident Oberhelfenschwil, Sprecher des Kernteams. (Bild: Urs M. Hemm)

Toni Hässig, Gemeindepräsident Oberhelfenschwil, Sprecher des Kernteams. (Bild: Urs M. Hemm)

Eine neutrale Fachperson könnte bei zwei entscheidenden Fragestellungen eine wertvolle Hilfe sein. Zum einen muss die Projektgruppe zuhanden der Kerngruppe die Auswirkung verschiedener Behördenorganisationen aufzeigen. Zum anderen muss sich die Gruppe mit dem Schulmodell befassen. Bezüglich der Organisation der Behörden stehen drei Modelle zur Auswahl: Das erste ist das derzeit in allen drei Schulgemeinden praktizierte Modell, in welchem ein von der Bevölkerung gewählter Schulratspräsident einem, ebenfalls von der Bevölkerung gewählten, Schulrat vorsteht. Dabei treffen der Schulratspräsident, der in diesem Modell automatisch Mitglied des Gemeinderats ist, und der Schulrat in der Regel Entscheidungen strategischer Art. Die operative Führung obliegt den Schulleitungen.

In der zweite Variante wählt das Volk einen Schulpräsidenten, der automatisch Mitglied des Gemeinderats wird. Der Gemeinderat ernennt eine Kommission, die nach ihren fachlichen Kompetenzen besetzt wird. «Ein Vorteil dieser Variante ist», sagt Toni Hässig, «dass so der Gemeinderat sicherstellen kann, dass aus allen Dörfern ein Mitglied in der Kommission vertreten ist.» Auch hier würden die Schulleitungen die operative Führung innehaben, während sich die Kommission um die strategische Führung kümmert.

Schliesslich wäre die Einsetzung eines Schulrektorats denkbar, welches direkt dem Gemeinderat unterstellt wäre. «Grundsätzlich muss die Projektgruppe die Variante vorschlagen, die am besten zu uns und unserer Arbeitsweise passt», sagt Toni Hässig.

Organisation der Oberstufe im Mittelpunkt

Eine veritable Knacknuss hingegen könnte die Wahl des Schulmodells sein. Während alle drei Schulgemeinde auf der Stufe Primar – bedingt durch die Klassengrössen – mit Altersdurchmischten Klassen arbeiten, verfolgen die Schule Neckertal und die Schule Oberes Neckertal auf der Oberstufe zwei unterschiedliche Modelle.

In Necker werden die Sekundar- und die Realstufe getrennt beschult. In St.Peterzell hingegen werden Real- und Sekklassen gemeinsam unterrichtet. Was beide Oberstufen kennen, ist die Einteilung der Schüler in Niveaugruppen in den Fächern Mathematik und Englisch. Die Oberstufe Necker arbeitet mit drei Abstufungen, die Oberstufe in St.Peterzell nur mit deren zwei. «Hier gilt es die Frage zu beantworten, ob zwei unterschiedliche Modelle grundsätzlich möglich sind oder ob sich die zwei Oberstufen auf ein Modell einigen müssten», sagt Toni Hässig. Insbesondere in dieser Diskussion erhoffe er sich konstruktive Vorschläge und Inputs der externen Fachperson.

Standorterhalt hängt von der Schülerzahl ab

Des Weiteren gilt es in dieser Projektgruppe, die Chancen und Risiken für die Schulstandorte zu klären. Obwohl: «Über die Schliessung eines Schulstandortes entscheidet am Ende die Schülerzahl. Wir gehen nicht davon aus, dass aufgrund einer Fusion Schulstandorte gefährdet sind. Verfügt aber eine Gemeinde über gute Rahmenbedingungen und eine gute Infrastruktur kommen vielleicht eher junge Familien und lassen sich hier nieder, was die Schulstandorte noch stärken würde», sagt Hässig. Unter anderem die Schaffung solch attraktiver Rahmenbedingungen sei das Ziel des Fusionsprojekts.

Die vier Teilprojektgruppen haben bis Ende April 2020 Zeit, Lösungen zu erarbeiten, die dann zuerst in die Vernehmlassung gehen, um dann der Bevölkerung insgesamt vorgestellt zu werden. Diese dienen als Grundlage für die Abstimmung über den Vereinigungsbeschluss vom 13. Juni 2021.

Vorbereitung in vier Teilprojekten

Das Organigramm bis zur Fusionsabstimmung sieht vor, dass die Themenbereiche in vier Teilprojekten bearbeitet werden, in denen nach Bedarf Arbeitsgruppen gebildet werden.

Im Teilprojekt 1 werden die Themen Politik, Behörden, Verwaltung und Raumplanung bearbeitet. Die Leitung obliegt den drei Gemeindepräsidien gemeinsam.

Das Teilprojekt 2 umfasst die Themen Finanzen, Recht, Freizeit, Kultur, Soziales und Tourismus und wird von Gemeindepräsidentin Vreni Wild geführt.

Im Teilprojekt 3 werden unter der Leitung von Gemeindepräsident Christian Gertsch die Themen Schule, Bildung und Inkorporation vorbereitet.

Das Teilprojekt 4 beinhaltet die Bereiche Infrastruktur, Bau, Werkhof und Sicherheit. Die Leitung obliegt Gemeindepräsident Toni Hässig. (pd)