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Die unverkennbare Stimme des Migros Restaurants Wattwil zieht weiter

Während knapp drei Jahren hat Moritz Jans im Migros-Restaurant in Wattwil gekocht und Essen geschöpft, nun geht er nach Appenzell. Er wird vielen in Erinnerung bleiben, denn mit seinem urchigen Appenzellerdialekt war er genauso Entertainer wie Koch.
Timon Kobelt
Moritz Jans ist auch am letzten Arbeitstag in Wattwil in seinem Element. Am meisten schätzt er an seinem Beruf den Kundenkontakt. Selbst wenn viele Leute anstürmen, bleibt er cool und hat stets einen verschmitzten Gesichtsausdruck aufgesetzt. (Bild: Timon Kobelt)

Moritz Jans ist auch am letzten Arbeitstag in Wattwil in seinem Element. Am meisten schätzt er an seinem Beruf den Kundenkontakt. Selbst wenn viele Leute anstürmen, bleibt er cool und hat stets einen verschmitzten Gesichtsausdruck aufgesetzt. (Bild: Timon Kobelt)

«I wünsche rüdig en Guete!» Diesen Satz haben wohl alle schon einmal gehört, die regelmässig im Migros Restaurant in Wattwil ihr Mittagessen geniessen. Es ist der Schlüsselsatz des Teamleiters Küche und stellvertretenden Restaurantleiters Moritz Jans. Der 35-Jährige hatte am Dienstag seinen letzten Arbeitstag in Wattwil. Nun wechselt er in eine Migros-Filiale in Appenzell, seine Heimat.

Die Frage nach dem Dialekt

Wobei Appenzell nicht seit eh und je die Heimat von Moritz Jans ist. Ursprünglich kommt er aus dem Kanton Luzern, in dem er unweit des «schönen Baldeggersees» aufgewachsen ist. Damit ist auch die Frage nach dem Ausdruck rüdig geklärt: Dieser ist nämlich typisch innerschweizerisch und passt eigentlich nicht zum breiten Appenzellerdeutsch, mit dem Moritz Jans zuweilen die Kunden im Migros Restaurant in Wattwil unterhält. «Ich kann zwischen den beiden Dialekten switchen», verrät Moritz Jans. Nach einer Woche in der Region Luzern spreche er wieder mit Innerschweizerdialekt, als sei er nie weg gewesen. Seine Dialektvielfalt demonstriert er auch im Gespräch. Schade, dass dies im Print nicht eins zu eins wiedergegeben werden kann. Inzwischen habe er sich aber sowohl von der Landschaft als auch vom Dialekt her ans Appenzellerland gewöhnt und angepasst. «Das Bier und der Schnaps im Appenzell schmecken gut und haben dabei geholfen», sagt Moritz Jans schmunzelnd.

Seine unverkennbaren Ausdrücke sind das Eine, weshalb ihn wohl viele Kunden aus Wattwil in Erinnerung behalten dürften. Das Andere ist sein starkes Gedächtnis. Er kennt von den meisten Kunden den Namen und auch, was sie jeweils bei ihm bestellen. «Es gibt einen persönlichen Touch, wenn man die Namen der Menschen kennt. Deshalb achte ich beispielsweise bei Cumuluskarten immer auf die Namen, wenn ich mal an der Kasse arbeite. Schliesslich bediene ich Menschen und keine Nummern» betont Moritz Jans. Es sei ihm ein grosses Anliegen, persönlich mit den Kunden in Kontakt zu stehen. «Wenn der Kunde mit einem Strahlen kommt, soll er auch mit einem Strahlen wieder gehen», sagt der 35-Jährige. Er habe schon viel gewonnen, wenn der Gast mit einem Lächeln vom Grillstand weitergehe.

Der Entertainer geht zurück nach Appenzell

Wer im Migros Restaurant Wattwil zu Mittag isst, dem wird mehr geboten, als kulinarische Zufriedenheit. Die Wartezeit beim Essenstand wird zum eigentlichen Highlight der Mittagspause. Moritz Jans schafft es, die Leute auch zu hektischen Uhrzeiten zu unterhalten. Da er von den meisten Kunden in der Schlange bereits weiss, was sie bestellen möchten, bleibt ihm Zeit, mit den Kunden zu sprechen. «Chef, höt widä Nodle mit Rahmsauce ond als Gmües nur Broccoli?» Solche Details merkt er sich. Keine schlechte Leistung, bei rund 250 Menüs, die in Wattwil am Mittag durschnittlich über die Theke gehen. «Früher war ich eher nervös und flippig. Doch heute kann ich Ruhe bewahren und auf die Menschen eingehen», sagt Moritz Jans.

Es sei ihm wichtig, dass er mit seiner aufgestellten und humorvollen Art die Wartezeit bei der Essensausgabe gefühlt verkürzen könne. Dabei nehme er nicht gezielt die Rolle des Entertainers ein. «Ich bin authentisch. Kernige Sprüche gehören zu meiner Persönlichkeit dazu», sagt der Appenzeller. «Passid uf, dass eu z’Natel nid id Böllesauce inikheit», sagte er einst zu einer Gruppe von Schülern, die allesamt mit gezücktem Smartphone beim Essensstand warteten. Dies brachte Jung und Alt zum Lachen. Er wolle die Leute, seien es Mitarbeiter oder Kollegen, mit seiner Art begeistern. Dies sei seine Motivation und auch sein Talent. «Ich merke mir aber auch, welche Menschen eher ihre Ruhe wollen. Mit diesen spreche ich nicht so viel, um nicht aufdringlich zu sein», sagt Moritz Jans.

Moritz Jans unterhält seine Kunden gerne. Die Frau links hat denn auch einiges zu lachen. (Bild: Timon Kobelt)

Moritz Jans unterhält seine Kunden gerne. Die Frau links hat denn auch einiges zu lachen. (Bild: Timon Kobelt)

Nun zieht es den gross gewachsenen Mann mit dem schwarzen Haarschopf, auf dem sich die Kochmütze gut macht, zurück nach Appenzell. Dort wohnt er mit seiner Frau Sandra und seinen drei Töchtern Julia, Flurina und Elena. «Meine Familie gibt mir viel Energie und Freude», sagt Moritz Jans. Der gelernte Koch traf bei einer von diversen saisonalen Stellen im Gastronomiebereich auf seine zukünftige Frau. Sie ist eine waschechte Appenzellerin und gemäss Moritz Jans auch der Grund, warum es ihn überhaupt von Luzern ins Appenzellerland verschlagen hat. An Luzern fehlt ihm vor allem sein Leibgericht Riz Casimir, zubereitet von der Mama. «Zwar ist es ein klassisches Lageressen, aber ich liebe es», sagt Moritz Jans. Am besten schmecke es ihm mit «ein wenig Pfupf», sprich, mit etwas Sweet-Chli-Sauce kombiniert. Das habe seine Mutter jeweils an seinem Geburtstag so zubereitet. Und was wurde wohl bei Familie Jans speziell vor dieser Mahlzeit gewünscht?: «Rüdig en Guete!»

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