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In diesem Pfadilager hat der Tag nur 22 Stunden

Für die Pfadfinderinnen und Pfadfinder der Abteilungen Wildmannli und Yberg aus dem Toggenburg wird das Frühstücken um elf Uhr abends zur Selbstverständlichkeit. Ihre Lagertage dauern zwei Stunden weniger lang als gewöhnliche Tage.
Corinne Bischof
Um drei Uhr morgens planen zwei Pfadfinder die anstehende Zweitageswanderung im Schein der Taschenlampe. (Bild: Corinne Bischof)

Um drei Uhr morgens planen zwei Pfadfinder die anstehende Zweitageswanderung im Schein der Taschenlampe. (Bild: Corinne Bischof)

Es ist zehn Uhr abends im kleinen Dorf Ramosch im Graubünden. Die Lichter in den Fenstern der Engadiner Häuser erlöschen langsam aber sicher, es ist schon fast stockdunkel. Nur wenige hundert Meter entfernt, auf einer grossen Lichtung in einem kleinen Wäldchen am Inn, strecken die ersten Pfadfinderinnen und Pfadfinder ihre Köpfe aus den Zelten. «Guten Morgen, alle aufstehen, in einer halben Stunde gibt es Frühstück!», ruft Lagerleiter Roman Vonwiller aus Wattwil über den Platz.

Nach 22 Stunden ist der Tag vorbei

Dreissig Minuten später hat die Nacht eigentlich definitiv eingesetzt. Die 26 Kinder der Pfadiabteilungen Wildmannli (Nesslau), Yberg (Wattwil) und der zwei Abteilungen aus Sargans sitzen auf ihren Campingstühlen um ein grosses Feuer herum und essen Frühstück. Es gibt Porridge und warmen Tee.

«Die Tage im diesjährigen Sommerlager haben nur 22 Stunden», erklärt Roman Vonwiller. «Somit verschiebt sich unser Rhythmus jeden Tag um zwei Stunden nach vorne», sagt er und schaut auf die Uhr. «Heute sind wir um zwei Uhr nachmittags schlafen gegangen. Jetzt bleiben wir bis morgen um zwölf Uhr wach.» Das Lager hat am Dienstag vor einer Woche begonnen. Seitdem verschiebt sich der Tagesrhythmus immer weiter, bis er am Samstag, wenn die Heimreise ansteht, wieder den normalen Ablauf erreicht hat.

«Dieses Lager ist um einiges anstrengender als normale Sommerlager», meint Roman Vonwiller. Obwohl acht Stunden Schlaf pro Nacht immer eingehalten werden, sehen die Leiterinnen und Leiter erschöpft aus. «Es ist Nacht, es ist dunkel und wir machen Programm wie am hellichten Tag», erklärt die Leiterin Elena Cutolo aus Nesslau. «Die Dunkelheit macht einfach müde.»

Schliesslich steht ein Tag mehr zur Verfügung

Wie kommt man überhaupt auf die Idee, die Tage um zwei Stunde zu kürzen? Lagerleiter Roman Vonwiller erklärt: «Das gab es schon einmal vor vielen Jahren. Die Idee trugen wir schon lange mit uns herum und dieses Jahr hat es endlich geklappt.» Die Vor- und Nachteile dieser Umstellung der Tage sind schnell aufgezählt. «Die Nachteile sind, dass man ständig müde ist, dass man am helllichten Tag ins Bett gehen muss und wie heute mitten in der Nacht frühstückt. Aber das ist ja auch spannend», erklärt Elena Cutolo. «Vorteilhaft ist, dass wir durch die Kürzung jedes Tages schlussendlich einen Tag mehr zur Verfügung haben als normalerweise, obwohl wir genau gleich lang unterwegs sind.»

Was normalerweise im Hellen geschieht, muss nun auch im Dunkeln funktionieren. (Bild: Corinne Bischof)

Was normalerweise im Hellen geschieht, muss nun auch im Dunkeln funktionieren. (Bild: Corinne Bischof)

Genau dieser Zusatztag unterstreicht auch das Motto, das die Kinder über die zehn Tage begleitet: The Wolf of Wall Street. In verschiedenen Spielen, die sich über das ganze Lager erstrecken, können die Kinder Spielgeld verdienen und damit dann symbolisch Aktien von Néstle, Novartis oder auch des Tagblatts kaufen. Der Aktienkurs ändert sich jeden Tag, die Kinder müssen selber entscheiden, was sie kaufen und wann sie verkaufen. «Wir leben hier im puren Kapitalismus», sagt Roman Vonwiller mit einem Schmunzeln auf den Lippen. «Wenn die Tage nur 22 Stunden dauern, haben wir einen Tag mehr, um auf dem Aktienmarkt zu handeln. Das bringt deutlich mehr Profit.» Die umstehenden Leiterinnen und Leiter lachen. Zudem müssen die Pfadfinder sich mit dem Spielgeld auch ihr tägliches Essen und ihre Zelte und andere Materialien erkaufen. Wer kein Geld für das Zelt hat, muss draussen schlafen.

Um zwölf Uhr am nächsten Tag ist Schlafenszeit. Damit die Lagerteilnehmer am helllichten Tag im Zelt schlafen können, wurden 40 Augenmasken organisiert. In acht Stunden, also um acht Uhr abends, heisst es wieder aufstehen. Dann steht die traditionelle Tageswanderung an, dieses Jahr mit Taschenlampe und warmen Kleidern.

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