Die Tuberkulose wurde ausgemerzt

Die Publikation von Emil Lehmann über die Viehversicherung in Oberhelfenschwil geht ebenfalls auf die Probleme mit verschiedenen Tierseuchen im Kanton St. Gallen ein.

Martin Knoepfel
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Diese Bakterien verursachen Tuberkulose. (Bild: Gudrun Holland/Robert-Koch-Institut)

Diese Bakterien verursachen Tuberkulose. (Bild: Gudrun Holland/Robert-Koch-Institut)

Der Kanton St. Gallen zählte offenbar zu den am meisten von Seuchenzügen betroffenen Gebieten der Schweiz, wie der Publikation von Emil Lehmann zu entnehmen ist.

Als Gründe nennt eine Dissertation von Jost Bühlmann, die Emil Lehmann ausführlich zitiert, den regen Viehhandel mit Süddeutschland und Vorarlberg. Dieser Handel sei mit ungenügenden Grenzkontrollen verbunden gewesen. Von 1886 bis 1914 sei St. Gallen nach Graubünden am stärksten von der Maul- und Klauenseuche betroffen gewesen, heisst es weiter. Daneben suchten andere Seuchen, beispielsweise die Tuberkulose oder der Milzbrand, den Kanton heim.

Volksabstimmungen endeten mit Ablehnung

Mehrmals wurden Gesetze zur Einführung einer obligatorischen kantonalen Viehversicherung in Volksabstimmungen abgelehnt. Im Toggenburg gab es verschiedene Anläufe, eine regionale Viehversicherung zu gründen. Sämtliche Bemühungen blieben ohne konkrete Ergebnisse.

Die Tuberkulose war während Jahrhunderten eine lebensgefährliche Krankheit, wobei die Rinder-Tuberkulose auch auf Menschen übertragbar ist. (Umgekehrt gilt das nicht.) Die Übertragung geschah wahrscheinlich oft durch Lebensmittel wie ungekochte Milch oder Käse. Emil Lehmann zitiert einen früheren Landwirt aus Oberhelfenschwil. Dieser erinnerte sich, dass bei den medizinischen Untersuchungen der Rekruten um 1950 alle Bauernsöhne aus Oberhelfenschwil «Reagenten» waren. Das bedeutet, dass sie früher einmal mit Tuberkulose-Erregern Kontakt gehabt hatten. Die «Reagenten» waren aber nicht in jedem Fall tuberkulose-krank.

Ab 1948 wurde eine Tuberkulose-Ausmerzaktion mit Schlachtungen betroffener Tiere im ganzen Kanton organisiert. Oberhelfenschwil wurde in verschiedenen Jahren berücksichtigt. 1953 waren die Oberhelfenschwiler Viehbestände frei von Tuberkulose. Emil Lehmann zitiert die Schätzung eines Zeitzeugen, wonach der wirtschaftliche Schaden der Aktion vor allem von kleineren Viehbesitzern mit weniger wertvollen Tieren getragen werden musste. Die grösseren Viehhalter mit wertvolleren Tieren seien dagegen bei den Schätzungen besser weggekommen.