Die Toggenburger sind ein Volk von Guggern und Guugen

In den kommenden Tagen sind die Guggenmusigen wieder talauf und talab zu hören. Nicht weniger als neun Formationen gibt es im Thur- und im Neckertal.

Sabine Camedda
Drucken
Teilen
Die Städtli Schränzer sind bereit für die vielen Auftritte an der Fasnacht, vor allem dem am Städtli-Monster auf dem Goldenen Boden.

Die Städtli Schränzer sind bereit für die vielen Auftritte an der Fasnacht, vor allem dem am Städtli-Monster auf dem Goldenen Boden.

Bild: Christiana Sutter

Die Fasnacht ist bunt. Die Fasnacht ist schräg. Und vor allem: Die Fasnacht ist laut. Dafür sorgen die Guggenmusigen, die mit ihren Klängen die Umzüge, Maskenbälle und Partys untermalen. Nicht selten steht auch die Guggenmusik selber im Zentrum des Interesses: Dann wird zu einem Monsterkonzert geladen. Wobei nicht ganz klar ist, ob sich das Wort «Monster» auf die Bläser und Schläger bezieht. Oder ob damit der monströse Klang gemeint ist, wenn alle eingeladenen Guggenmusigen gemeinsam spielen.

Zwei Guggenmusigen feiern ihr Jubiläum

Es scheint aber, dass das Toggenburg ein fruchtbares Land für Guggenmusigen ist. Nicht weniger als neun einheimische Gruppen gibt es. Eine der älteren ist die Lutere Gugge aus dem Obertoggenburg. Sie feiert in diesem Jahr ihr 40-Jahr-Jubiläum und verspricht: «Ab jetzt nur noch Vollgas!». Das Ziel war und ist die Fasnacht als Brauch zu fördern, gute Guggenmusik zu machen und die Kameradschaft zu pflegen. Ebenfalls ein Jubiläum, nämlich 25 Jahre, feiert das Sprengkommando Bütschwil. Die Gruppe hat sich in dieser Zeit gut entwickelt und auch über das Toggenburg hinweg einen Namen geschaffen.

Etwa zehn Jahre zuvor sind im Neckertal die ersten Guggenmusigen entstanden. Die Wilket Gugger Mogelsberg entstanden aus der Musikgesellschaft Degersheim und trat erstmals an der Fasnacht 1985 auf. Später kamen Mitglieder der Musikgesellschaft Mogelsberg hinzu. Übrigens spielten die Wilket Gugger, benannt nach dem höchsten Punkt in Mogelsberg, einige Zeit unter dem Namen «Alko-Selzers».

Ebenfalls 1985 hörte man erstmals von den Bläächi Lömpe. Sie starteten als Schönegröndler Dorfgugger und nannten sich später nach dem Probelokal in einer ehemaligen Bleiche. Apropos, die «Lömpe» nehmen nach wie vor keine Frauen in ihre Reihen auf.

Die Tage für die Mitglieder der Guggenmusigen sind lang.

Die Tage für die Mitglieder der Guggenmusigen sind lang.

Bild: Sascha Erni

Von der Lehrerschaft zur Guggenmusig

1994 entschlossen sich Lehrer und Schulräte, verstärkt durch weitere Musikanten, den Fasnachtsumzug in Dicken zu begleiten. Daraus formierte sich die Dickler Gugge, die heute über 35 Mitglieder zählt, und die seit 2005 den Maskenball organisiert. Schon viel länger, nämlich seit 1983, sind die Guugewörger aus Bazenheid im «Geschäft». Seither verschönern sie mit ihrer Musik Maskenbälle, Umzüge und Guggertreffen. Alle drei Jahre organisieren sie eine «No Limit»-Party.

Bis zu 40 Auftritte pro Jahr, dazu das Städtli-Monster und das Sommernachtsfest: Das Programm für die Städtli-Schränzer aus Lichtensteig ist nicht ohne. Das Repertoire wählen sie so aus, dass das Publikum mitsingen kann. Auch in Mosnang ist die Guggemusig nicht nur an der Fasnacht zu hören. Seit vielen Jahren machen sich die Gugger auf zur Silvestertour und wecken die Einwohner am letzten Tag des Jahres. Je nach Tourverlauf früher oder später.

Die Guggä-Hüpfer Toggenburg sind in der Fasnacht ebenfalls an vielen Orten zu hören. Besonders für diese Formation ist, dass einer der jährlichen Höhepunkte, die Guggä Night, bereits im November stattfindet. Nicht umsonst gehen eingefleischte Fasnächtler davon aus, dass die «schönste Jahreszeit» am 11. 11. beginnt.