Die SVP muss sich geschlagen geben: Wie die CVP wieder Herrin über ihre Hochburg Mosnang wurde

Nebst der Stadt St.Gallen ist kantonal nur in Mosnang nicht die SVP stärkste Kraft. Warum die CVP der Volkspartei wieder vor der Sonne steht.

Timon Kobelt
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Volle Säle, Bürger, welche die Stimme erheben: Ein typisches Bild für Mosnang.

Volle Säle, Bürger, welche die Stimme erheben: Ein typisches Bild für Mosnang.

Bild: PD

«Mosliger sind anders.» Diesen Satz hören irgendwann alle, die nicht einfach mal eben einen kurzen Abstecher nach Mosnang machen. Wobei das sowieso niemand macht: «Mosnang ist klar abgegrenzt, man ist hier oder nicht. Man fährt hier nicht mal eben vorbei», sagt Bernhard Graf. Er präsidierte die Gemeinde während 24 Jahren, von 1993 bis 2016.

Bernhard Graf, ehemaliger Gemeindepräsident von Mosnang.

Bernhard Graf, ehemaliger Gemeindepräsident von Mosnang.

Archivbild: Martina Signer

Zu Beginn des Gesprächs betont er, dass er sich lieber als politikinteressierter Beobachter denn als ehemaliger Gemeindepräsident äussern will. Dass er Politik nach wie vor verfolgt, beweist die Tatsache, dass er aufgrund der Bundesratswahlen leicht verspätet zum Termin erscheint. Dabei waren die Ergebnisse in Mosnang bei den nationalen Wahlen vom Oktober spannender als die Bundesratswahlen und bestätigen zumindest teilweise, dass die Gemeinde tatsächlich anders tickt.

Nur an zwei Orten im Kanton St.Gallen wurde bei den eidgenössischen Wahlen nicht die SVP stärkste Kraft: in der Stadt St.Gallen und in Mosnang. Mit 39,1 Prozent Wähleranteile verwies die CVP die Volkspartei in der Alttoggenburger Gemeinde um einen Prozentpunkt auf Rang zwei. Ausserdem verzeichnete Mosnang mit 55,7 Prozent kantonal die höchste Wahlbeteiligung. 2015 belegte die Gemeinde mit 56 Prozent Platz vier.

CVP hat den Burggraben der SVP überwunden

Die CVP hat also den Burggraben, den die SVP 2015 mit ihren eigenen Themen gefüllt hat, überwunden und ist nun wieder Herrin über ihre Hochburg. Hochburg ist in diesem Fall nicht übertrieben.

Nach Angaben der Chronikstube Mosnang wurde 1984 zum ersten Mal überhaupt ein Vertreter einer anderen Partei (FDP) als der CVP in den Gemeinderat gewählt. Bis 2008 konnten die Christdemokraten sechs von sieben Gemeinderatssitzen halten. Von da an büssten sie jede Legislatur einen Sitz ein, sodass seit 2016 noch drei CVP-Vertreter im Gremium sitzen. Im selben Jahr ging das Gemeindepräsidium an die SVP verloren.

Nun hat die CVP in Mosnang zumindest bei den nationalen Wahlen zurückgeschlagen. Trotz ihrer schon immer starken Verwurzelung in Mosnang konnte nach 2015 nicht unbedingt ein Sieg über die SVP erwartet werden, die damals um 14 Prozentpunkte die Nase vorne hatte.

Der Umschwung in Richtung CVP hat einen Namen

Wenn man sich bei verschiedenen Kennern von Mosnang umhört, hat der Grund für den Umschwung einen Namen: Andreas Widmer. Der CVP-Kantonsrat, der in Mühlrüti wohnt, kandidierte für den Nationalrat und erreichte auf der Nord-West-Liste der St.Galler CVP die erste Ersatzposition hinter dem gewählten Nicolo Paganini.

Widmer holte in Mosnang 1128 seiner insgesamt 11'874 Stimmen. Bei einem potenziellen Maximum von 2326 Stimmen in Mosnang (1163 eingereichte Stimmzettel) ging also fast jede zweite Stimme an den Geschäftsführer des St.Galler Bauernverbands. Bernhard Graf unterstreicht:

«In einer Region wie Mosnang geht es selbst bei Proporzwahlen mehr um die Person als um die Partei.»

Ausserdem sei Widmer breit wählbar, wegen seiner guten Vernetzung unter den Bauern auch für die SVP. Tatsächlich stammen 245 von Widmers 1128 Stimmen von SVP-Listen.

Von der politischen Gegnerschaft in Mosnang schlägt den Christdemokraten kein Neid entgegen. «Die CVP hat hier eine ausgeprägte Basis und auch viele tolle Leute in ihren Reihen. Daher nehmen wir es sportlich, dass sie uns überholt hat», sagt Gemeindepräsident Renato Truniger, der bei dieser Anfrage im Namen der örtlichen SVP Stellung nimmt.

Die Kandidatur von Andreas Widmer habe mobilisiert und bestimmt auch zögerliche Wähler an die Urne gelockt. «Das Ergebnis soll für uns als SVP aber auch eine Motivation für das kommende Jahr sein», sagt Truniger. Er glaube nicht, dass die nationalen Wahlen Aufschluss auf den Ausgang der kommunalen Wahlen von kommendem Herbst geben würden.

Wähleranteil der FDP ist «kein Grund zur Freude»

Ruben Schuler, Präsident von der FDP Mosnang, ist mit dem Wähleranteil von 6,7 Prozent der Freisinnigen in Mosnang nicht zufrieden. «Klar sind wir enttäuscht, ist das kein Grund zur Freude», sagt er. Auch er hebt die Kandidatur von Andreas Widmer und ebenso die von Mathias Müller auf Seiten der CVP hervor.

Der Freisinn habe im Vergleich zu 2015 bestimmt auch gespürt, dass Kantonsrätin Imelda Stadler, die in Mosnang sehr bekannt sei, nicht kandidiert habe. Dennoch erstaunt das magere Abschneiden der FDP in Mosnang. Die Ortspartei will nach eigenem Anspruch die aktivste im Dorf sein und fällt tatsächlich mit der Organisation vieler Anlässe auf.

Ruben Schuler relativiert: «Ich glaube, dass die Bürger keinen direkten Bezug von einer aktiven Ortspartei zu den nationalen Wahlen machen. Daher sehe ich das Resultat nicht als Vertrauensverlust.» Er spüre aus Gesprächen sogar das Gegenteil.

«Unsere Arbeit wird in Mosnang sehr geschätzt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bei den kantonalen und kommunalen Wahlen zulegen werden.»

Grüne Welle überflutet Mosnang nicht

Köpfe vor Parteien – so der Tenor in Mosnang. Was sagt der Kopf, der hauptsächlich für den Sieg der CVP verantwortlich gemacht wird? «Als Kandidat mit Wohnsitz in der Gemeinde durfte ich auf eine tolle Unterstützung der Bevölkerung zählen. Das hat mich sehr gefreut. Mit meinem Wahlresultat habe ich so einen Beitrag zum guten Abschneiden der CVP beigetragen», sagt Andreas Widmer.

Doch Widmer hebt auch Gründe hervor, die nichts mit der Person zu tun haben: «Die hohe Stimmbeteiligung bei den Wahlen war wohl auch dem zuzuschreiben, dass die Bevölkerung von Mosnang eine Korrektur in der Parteienlandschaft wollte. Die Bevölkerung in Mosnang hat erkannt, dass auch die SVP nur mit Wasser kocht und hat entsprechend das Wahlverhalten angepasst. Das Ausmass war aber schon erstaunlich.»

Bernhard Graf führt nebst den Personen die Absenz der klassischen SVP Themen als Grund für den Umschwung ins Feld. «Das Klima-Thema hat völlig dominiert. Hier wählt man dann aber nicht gleich die Grünen, sondern eher eine Mittepartei», sagt Graf. 

Tatsächlich legten die Grünen in Mosnang mit einem Plus von 1,9 Prozentpunkten im Vergleich zu 2015 nur unwesentlich zu. Ihr Wähleranteil liegt bei 5,6 Prozent. Somit fuhr auch die Grüne Welle nicht mal eben bei Mosnang vorbei.

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