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Advents-Serie Folge 19: «Die Spitze des Vesuvs ist immer schneebedeckt»

Verschiedene Traditionen prägen die Advents- und Weihnachtszeit. Doch nicht in jedem Land und in jeder Familie wird auf die gleiche Weise gefeiert. Im Rahmen dieser Serie erzählen Menschen aus aller Welt ihre persönliche Weihnachtsgeschichte.

Corinne Bischof
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Stefano Cutolo wanderte bereits mit 17 Jahren in die Schweiz aus. (Bild: PD)

Stefano Cutolo wanderte bereits mit 17 Jahren in die Schweiz aus. (Bild: PD)

Die Weihnachten haben in Italien immer schon am 8. Dezember angefangen. Maria Empfängnis soll da stattgefunden haben. Das wichtigste an diesem Tag war, dass man einen Tannenbaum besorgt und im Wohnzimmer aufgestellt hat. Der 8. Dezember war sozusagen der Startschuss: Dann ist die Weihnachtsstimmung in ganz Italien angekommen. Die Häuser wurden dekoriert, Krippenspiele aufgestellt und das grosse Fest war überall das Thema Nummer eins.

Wenn Weihnachten dann endlich vor der Türe stand, kam die ganze Familie zusammen. Und die kann in Italien ganz schön gross sein. Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins – alle waren da. An Heiligabend, also am 24. Dezember, begann das erste Festmahl. Wir haben immer Fisch gegessen, frittierter Aal oder Tintenfisch und Salat. Und das wichtigste am Abend: Man ging in die Kirche. Und damit meine ich, dass wirklich jeder in die Kirche ging. Es gab keine Ausnahmen. Die Messe gehört einfach dazu – genau wie das Essen.

Pasta oder Lasange – typisch Italien halt

Am 25. Dezember war das eigentliche Weihnachtsfest. Bereits am Nachmittag haben wir mit dem Essen angefangen: Verschiedene Vorspeisen und natürlich Pasta oder Lasagne – typisch Italien halt. Das Essen spielte bei uns sowieso eine zentrale Rolle an Weihnachten. Am späten Abend des 25. Dezember gingen wir wieder in die Kirche. Dort traf man alle aus dem Dorf – Bekannte, Verwandte und auch Kollegen aus der Schule. Die Kirche gehört einfach dazu.

Zur Person

Stefano Cutolo ist in Ottaviano in Napoli aufgewachsen. In Italien absolvierte er eine Hotelfachschule und entschied sich mit 17 Jahren, in die Schweiz auszuwandern. Heute wohnt der dreifache Vater mit seiner Frau Vreni in Nesslau und wirtet im Restaurant Freihof. (cob)

Wenn wir dann von der Messe nach Hause gekommen sind, haben wir Lotto, oder eben «Tombola» gespielt. Das war ein Fest. Es gab tolle Preise und wir haben bis spät in die Nacht gelacht und gespielt. Ich habe Weihnachten in Italien in sehr, sehr guter Erinnerung.

Zum letzten Mal 1970 richtig geschneit

Ich bin direkt neben dem Vesuv in Napoli aufgewachsen. Immer in der Weihnachtszeit war die Kuppel des Vulkanes schneebedeckt. Richtig geschneit hat es bei uns das letzte Mal im Jahr 1970. Dann gingen wir schlitteln, haben Schneemänner gebaut und einfach Freude gehabt.

Seitdem ich in der Schweiz bin, feiere ich Weihnachten wie alle anderen auch. Am Anfang war die Umstellung schwierig – ich war mir gewohnt, mit der ganzen Familie Weihnachten zu feiern. Mittlerweile habe ich aber meine eigene Familie hier, und bin glücklich, mit ihnen am Weihnachtsfest auch mal ein Fondue zu essen.

Alle Folgen der Advents-Serie finden Sie hier