Interview

Borkenkäfer: «Die Situation ist kritischer als im Vorjahr»

Der Toggenburger Regionalförster Christof Gantner schätzt den derzeitigen Borkenkäferbefall in den Wälder als kritisch ein. Auch für die kommenden Wochen sieht er keine nennenswerte Besserung der Situation.

Urs M. Hemm
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Deutlich sind die Spuren des Borkenkäfers erkennbar.

Deutlich sind die Spuren des Borkenkäfers erkennbar.

Bild: Benjamin Manser (2019)

Borkenkäfer gibt es sehr viel verschiedene Arten. Wenn jedoch landläufig vom Borkenkäfer gesprochen wird, handelt es sich immer um den Buchdrucker (Ips typographus). Dieser führt insbesondere bei den Fichten zu den grossen Schäden. Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5 Toggenburg, schätzt, dass sich die bereits kritische Situation in den kommenden Wochen noch verschärfen könnte, was den Borkenkäferbefall betrifft. Dies mit negativen Folgen für den Wald und die Waldwirtschaft.

Wie hoch ist der Borkenkäferbefall zurzeit in den Wäldern der Region?

Christof Gantner, Regionalförster Waldregion 5 Toggenburg.

Christof Gantner, Regionalförster Waldregion 5 Toggenburg.

Bild: Urs Bucher

Christof Gantner: Der warme Winter und besonders der trockene April waren ideale Bedingungen und haben die Entwicklung des Buchdruckers beschleunigt. Wie gross der Befall effektiv ist, kann jedoch noch nicht gesagt werden.

Wie stark ist der Befall zu diesem Zeitpunkt im Vergleich zum Vorjahr?

Ich schätze die momentane Situation gegenüber dem Vorjahr als kritischer ein.

Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Die überwinterten Käfer sind aufgrund des milden und trockenen Wetters bereits früh im ganzen Toggenburg und darüber hinaus geflogen.

Wie, glauben Sie, wird sich die Lage in den kommenden Wochen voraussichtlich entwickeln?

Die Buchdrucker werden ihre Eier legen und daraus wird sich bei diesen warmen Temperaturen die neue Käfergeneration rasch entwickeln.

«Die Situation in unseren Wäldern könnte sich bei gleichbleibendem Wetter in den kommenden Wochen also durchaus noch verschärfen.»

Was bräuchte es, um die Situation zu entschärfen?

Niederschlage und kühlere Temperaturen würden die Entwicklung des Buchdruckers bremsen und bei den Bäumen den Trockenstress reduzieren.

Welche Baumarten sind am meisten betroffen?

Der Buchdrucker befällt nur die Fichte. Bei den Weisstannen ist punktuell auch ein Befall mit anderen Borkenkäferarten festzustellen.

Inwiefern betrifft die Coronakrise die Bewirtschaftung des Waldes?

Da auch die Bauwirtschaft stockt, können die Sägereien kaum noch Holz aufnehmen, was natürlich die Waldbewirtschaftung weiter hemmt. Gleichzeitig ist die Holzschlagsaison im Frühling saisonbedingt abgeschlossen. Jedoch hat es viel geschlagenes Holz, darunter auch Sturmholz, das noch nicht abgeführt ist.

Wenn geschlagenes Holz liegen gelassen wird, wie stark befördert das die Ausbreitung des Borkenkäfers?

«Geschlagenes Holz muss durch Schälen oder mittels Pflanzenschutzmittel vor dem Käferbefall geschützt werden.»

Ansonsten bietet sich dieses Holz als Brutstätte für Käfer geradezu an.

Welche Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf den Holzpreis?

Der Holzpreis ist bereits jetzt schon tief. Das aktuelle Überangebot sowie der tiefe Eurokurs wirken sich zusätzlich negativ auf den Holzpreis auf.

Was empfehlen Sie in der derzeitigen Situation den Waldbesitzern?

Bei einem festgestellten Borkenkäferbefall ist der Revierförster umgehend zu kontaktieren, damit er zusammen mit dem Waldeigentümer das weitere Vorgehen festlegen kann. Der Förster bietet für eine situative und forstfachliche Beratung Gewähr.