Die Sektion Toggenburg des Schweizer Alpen-Clubs feiert 2020 ihr 150-Jahr-Jubiläum.

Zwei Ereignisse im Jahr 1870 sollten die Entwicklung des Toggenburgs nachhaltig beeinflussen. Zum einen war es die Eröffnung der Bahnlinie Wil–Nesslau, zum anderen wurde die SAC-Sektion Toggenburg aus der Taufe gehoben.

Beat Lanzendorfer
Drucken
Teilen
Die Macher des Umbaus und der Erweiterung der Zwinglipasshütte im Jahre 2017: Peter Büchel, Architekt, Hanspeter Kalt, Präsident SAC Toggenburg, Hans Egli, Hüttenwart, und Regula Vogel, Bauführerin (von links).

Die Macher des Umbaus und der Erweiterung der Zwinglipasshütte im Jahre 2017: Peter Büchel, Architekt, Hanspeter Kalt, Präsident SAC Toggenburg, Hans Egli, Hüttenwart, und Regula Vogel, Bauführerin (von links).

Bild; Christiana Sutter

Die SAC-Sektion Toggenburg nahm ihr 150-Jahr-Jubiläum zum Anlass, im Vorfeld eine 78 Seiten umfassende Festschrift anzufertigen, in der auf die wichtigsten Ereignisse eingegangen wird.

Ein Schwerpunktthema ist dabei die Entwicklung der Sektion von den Anfängen bis heute. Waren es im Jahre 1870 25 Männer, welche am 13. März mit der Annahme der Statuten den Club gründeten, sind heute 1686 Mitglieder unter dem Dach des SAC Toggenburg vereint.

Ein Fonds für die Zwinglipasshütte wird geäufnet

Breiten Raum in der Festschrift nimmt die Zwinglipasshütte ein. Der eigentliche Startschuss zur Erstellung einer Clubhütte fiel an der Hauptversammlung 1927, als die Mitglieder entschieden, Teile des Sektionsvermögens einem Hüttenfonds zuzuweisen.

Die Hötteträgete gibt es seit 50 Jahren. Über hundert Freiwillige tragen jeweils am letzten Samstag im Juni das benötigte Material zur Zwinglipasshütte.

Die Hötteträgete gibt es seit 50 Jahren. Über hundert Freiwillige tragen jeweils am letzten Samstag im Juni das benötigte Material zur Zwinglipasshütte.

Bild: PD

Es sollten weitere 43 Jahre ins Land ziehen, ehe 1970 – hundert Jahre nach der Gründung des Sektion Toggenburg – der Bau feierlich eingeweiht wurde. Im Verlaufe der vergangenen fünfzig Jahre kamen weitere Um- und Erweiterungsbauten hinzu. Der letzte datiert aus dem Jahr 2017. Aktuell bietet die Zwinglipasshütte 42 Schlafplätze – bewirtet wird sie von Mai bis Oktober.

Förderung des Tourismus stand im Vordergrund

Gemäss Festschrift seien die Gründer der Sektion weder begeisternde noch unternehmende Bergsteiger gewesen. Ihr Hauptinteresse bestand in der Förderung des Tourismus. Einige wenige Mitglieder schrieben sich allerdings schon in den Anfangsjahren auf die Fahne, das Tourenwesen zu organisieren. So fanden bereits um die Jahre 1888 bis 1890 Touren im Churfirstengebiet und auf den Speer statt.

Seit der Gründung der SAC-Sektion Toggenburg hat sich nicht nur die Kletter- und Eistechnik, sondern auch die Ausrüstung verändert. Das Bild stammt von 1911.

Seit der Gründung der SAC-Sektion Toggenburg hat sich nicht nur die Kletter- und Eistechnik, sondern auch die Ausrüstung verändert. Das Bild stammt von 1911.

Bild: PD

Weitere Themen in der Jubiläumsschrift sind die Hötteträgete, die 2020 zum 50. Mal durchgeführt wird; das alpine Rettungswesen im Alpstein; die Kulturpflege, die Vorträge und die Bibliothek; sowie Kalk und Karst – das Fundament von Alpstein und Churfirsten.

Die bisherigen Präsidenten

J. Hagmann, Lichtensteig (1870 bis 1887); Georges Zwickel, Wattwil (1887 bis 1991); Fritz Grob, Wattwil (1891 bis 1900); E. Farner, Wattwil (1900 bis 1905); Emil Güpfert, Wattwil (1905 bis 1911); Walter Gastpar, Wattwil (1911 bis 1920), Martin Hefti, Lichtensteig (1920 bis 1944); Walter Gastpar, Wattwil (1944 bis 1946, zweite Amtsdauer); Hans Vogt, Wattwil (1946 bis 1956); Bruno Hüberli, Lichtensteig (1956 bis 1961); Ernst Schmid, Ulisbach (1961 bis 1965); Hannes Brunner, Wattwil (1965 bis 1970); Bruno Hüberli, Lichtensteig (1970 bis 1974, zweite Amtsdauer); Willy Schweizer, Flawil (1974 bis 1980); Arnold Huwiler (1980 bis 1990); Max Seiler, Rickenbach (1990 bis 2004); Hanspeter Kalt, Bütschwil (seit 2004). (bl)

Von Anbeginn war auch der Umweltgedanke ein wichtiger Aspekt. Schon vor über hundert Jahren war es der SAC Toggenburg, der auf Hinweis des Verkehrsvereins Toggenburg und zusammen mit anderen Naturschutzorganisationen zum sorgsamen Umgang mit der Alpenflora aufrief. Das Anliegen wurde mit den stärker werdenden Touristenströmen wichtiger denn je und beschäftigt noch heute.

Eine Festschrift zum Jubiläum

Die Festschrift wird den Mitgliedern am Festanlass am 15. Februar im Toggenburgerhof in Kirchberg überreicht. Davor findet die Hauptversammlung der Sektion statt.

Auf Bergtouren waren schon sehr früh auch Frauen willkommen. Eine Aufnahme vom Hüttenbühl aus dem Jahre 1910.

Auf Bergtouren waren schon sehr früh auch Frauen willkommen. Eine Aufnahme vom Hüttenbühl aus dem Jahre 1910.

Bild: PD

Eine Sonderwoche für Mittelstufenschüler aus dem Toggenburg (15. bis 20. Juni); die Jubiläums-Hötteträgete (27.Juni); Höhenfeuer auf allen Churfirsten am 1. August; die Toggenburgrundtour – mit Start am 9. August wird das Toggenburg in elf Etappen von und zur Zwinglipasshütte umrundet – sowie Kurzgeschichten von Emil Zopfi auf der Zwinglipasshütte (19./20. August) runden das Programm im Jubiläumsjahr des SAC Toggenburg ab.

150 Jahre SAC-Sektion Toggenburg

  • 1870 Am 16. März wird im Restaurant Schäfle in Neu St. Johann die Sektion Toggenburg des Schweizer Alpen-Clubs SAC gegründet. Erster Präsident wird Bezirksförster J. Hagmann.
  • 1873 In den ersten Jahren wurden die Mitglieder via Presse zu Versammlungen und Veranstaltungen eingeladen. Ab 1873 kamen die Einladungen dann mit der Post.
  • 1888 Es finden die ersten Touren im Churfirstengebiet statt.
  • 1920 Mit Martin Hefti wird am 12. Dezember jener Präsident gewählt, der mit 24 Jahren Amtszeit der Dienstälteste ist.
  • 1927 Mit dem Beschluss an der Hauptversammlung, einen Teil des Sektionsvermögens einem Hüttenfonds zuzuweisen, wird der Startschuss zur Zwinglipasshütte gegeben.
  • 1932 Das erste, mit Schreibmaschine abgefasste Sektionsprotokoll, stammt aus diesem Jahr.
  • 1957 Gründung der Jugendorganisation der Sektion Toggenburg.
  • 1964 Initiative Frauen gründen eine eigene Gruppe in der Sektion Toggenburg.
  • 1969 Nach langwierigen Verhandlungen kann die Zwinglipasshütte endlich gebaut werden. Der Kostenvoranschlag wird mit 180 000 Franken beziffert. Offiziell eingeweiht wird sie am 23. August 1970.
  • 1970 Mit der Einweihung der Zwinglipasshütte am 23. August wird zeitgleich das Jubiläum 100 Jahre SAC-Sektion Toggenburg gefeiert.
  • 1971 Erstmals findet die Hötteträgete statt. Im Jahre 2020 zum fünfzigsten Mal.
  • 1978 115 Jahre nach der Gründung (1863) öffnete der SAC auch die Türen für die Frauen. In der Sektion Toggenburg waren die Frauen schon 14 Jahre vorher willkommen.
  • 1991 Wegen des immer enger werdenden Platzes wird die Zwinglipasshütte erweitert. Schwerpunkt bilden der Keller sowie die Terrasse. Der Umbau sollte rund 355 000 Franken kosten. Er wird im Oktober desselben Jahres eingeweiht.
  • 2007 37 Jahre nach der Inbetriebnahme drängen sich weitere Erneuerungsmassnahmen an der Zwinglipasshütte auf. Eine Fassaden- und Fensterrenovation lassen den «Durchzug» verschwinden.
  • 2010 Die Hauptversammlung genehmigt den Umbau beider Küchen.
  • 2017 Das bisher letzte grössere Bauprojekt an der Zwinglipasshütte wird realisiert. Für 1,3 Millionen Franken wird sie erweitert und umgebaut. Anfang September bricht an der neu gebauten Fassade ein Brand aus. Gelöscht wurde mit Helikoptern.
  • 2020 Festanlass am 15. Februar zum 150-Jahr-Jubiläum des SAC Toggenburg im Kirchberger «Toggenburgerhof».

Zwinglipasshütte für die Zukunft gerüstet

Am Samstag wurde die Zwinglipasshütte eingeweiht. Alphornklänge, Schelleglüt und Bergsteigermusik sorgten für Stimmung. Pfarrerin Esther Schiess aus Ebnat-Kappel und Pastoralassistentin Katrin Blome aus Gähwil segneten die umgebaute Berghütte.
Christiana Sutter

WILDHAUS: Zwinglipasshütte ist wieder offen

Der Anbau und die damit verbundenen baulichen Anpassungen sind abgeschlossen. Ab dem ersten Mai-Wochenende werden Berggänger bei der SAC-Hütte bewirtet. Die offizielle Einweihung erfolgt Ende Juni.
Sabine Schmid