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«Die Sanierung der evangelischen Kirche Hemberg ist eine Generationenarbeit»

Nachdem sie 45 Jahre dem Wetter ausgesetzt war, wird die Fassade der evangelische Kirche Hemberg grundüberholt.
Urs M. Hemm
Die evangelische Kirche Hemberg wurde letztmals im Jahr 1974 von Grund auf saniert. (Bild: Urs M. Hemm)

Die evangelische Kirche Hemberg wurde letztmals im Jahr 1974 von Grund auf saniert. (Bild: Urs M. Hemm)

Alter Verputz abtragen, den neuen aufspritzen, anmalen und fertig. So könnte man sich die Sanierung einer Fassade vorstellen. Dass dem bei weitem nicht so ist, weiss Ueli Schlegel. Er ist Bauleiter des Architekturbüros Bruno Bossart aus St.Gallen, welches unter anderem auf die Sanierung historischer Bauten spezialisiert ist. So ist sie auch für die Sanierung der evangelischen Kirche Hemberg mit Baujahr 1779 bestens geeignet ist. Ueli Schlegel ist überzeugt, dass trotz einer Mehrarbeit die Kosten unter 800000 Franken gehalten werden können.

Wissen und Erfahrung gehen verloren

Ueli Schlegel, Bauleiter. (Bild: Urs M. Hemm)

Ueli Schlegel, Bauleiter. (Bild: Urs M. Hemm)

«Bevor mit den eigentlichen Arbeiten überhaupt begonnen werden kann, müssen alle Schäden dokumentiert und Proben von den verwendeten Materialien genommen werden», erklärt Ueli Schlegel. Dabei stelle sich meistens heraus, dass bei früheren Arbeiten falsche Materialien benutzt wurden. So wurde bei der letzten grossen Sanierung der Kirche Hemberg im Jahr 1974 beispielsweise Dispersionsfarbe verwendet, die damals neu auf den Markt gekommen war und als überall einsetzbar galt. «Die Dispersionsfarbe und die Verwendung anderer falscher Materialien im Verputz bewirkten, dass Feuchtigkeit in das Gemäuer eintreten, nicht aber in genügendem Masse wieder abgegeben werden konnte. So wurden Teile der Mauersteine morsch, auch, weil im Winter das Wasser gefror und die Steine sprengte», sagt Ueli Schlegel.

Vor dem Beginn der Arbeiten wurden Steine, Verputzmaterialien und Farbe von Spezialisten genau analysiert. (Bild: PD)

Vor dem Beginn der Arbeiten wurden Steine, Verputzmaterialien und Farbe von Spezialisten genau analysiert. (Bild: PD)

Nach einer genauen Analyse der Situation hätten sich daher Gipser, Maler und Materialtechnologen absprechen müssen, um die ideale Zusammensetzung von Verputz und Farbe zu finden. «Diese Abstimmung der verwendeten Materialien ist wichtig, weil Gestein und Grundputz, dieser wiederum mit dem Verputz und der Verputz mit der Farbe eine Verbindung eingehen müssen. Somit ist einerseits die Festigkeit garantiert, andererseits wird so der gewünschte Feuchtigkeitsaustausch erreicht.»

Dachgebälk

Während der Bauarbeiten wurde in der Nordecke des Turms verfaultes Dachgebälk entdeckt. (Bild: PD)

Leider gehe das Wissen um das Zusammenwirken der Materialien immer mehr verloren», sagt Ueli Schlegel. Es brauche Materialkenntnis und vor allem Erfahrung, um die jeweilig richtige Mischung zu finden. «Viele Entscheidungen konnten wir erst vor Ort treffen, als wir die tatsächliche Situation kannten. Denn die idealen Mischverhältnisse stehen in keinem Lehrbuch. Daher würden sie alle Schritte und die auf der Baustelle verwendeten Materialien genau dokumentieren, damit bei nachfolgenden Sanierungsarbeiten auf dieses Wissen zurückgegriffen werden kann. «Denn wir verrichten hier eine Generationenarbeit, wenn wir mit einer Lebensdauer dieser Arbeiten von rund 40 Jahren rechnen.»

Die Fassade wies wie hier neben der Turmuhr massive Beschädigungen auf, welche nun beseitigt wurden. (Bild: PD)

Die Fassade wies wie hier neben der Turmuhr massive Beschädigungen auf, welche nun beseitigt wurden. (Bild: PD)

In der Regel würden Verputz und Farbe vor Ort angemischt, aber in Hemberg sei dies aus Platzgründen nicht möglich. Immerhin würden bis zum Abschluss der Sanierung rund 45 Tonnen Grundputz, 15 Tonnen Deckputz und etwa eine Tonne Farbe verarbeitet.

Kirchturmuhr wird grundüberholt

Neben den Arbeiten an der Fassade werden unter anderem auch Ausbesserungen an den Fenstern vorgenommen. Ausserdem wurde an den Turmecken faules Dachgebälk gefunden, welches ersetzt und neu mit Kupfer eingefasst wurde. Zudem wird zurzeit die Turmuhr grundüberholt und neue Verankerungen am Kirchturm werden angebracht. «Wenn wir nicht wetterbedingt ausgebremst werden, sollten die Arbeiten bis Ende Oktober abgeschlossen sein», sagt Ueli Schlegel, der auf der Baustelle seit Arbeitsbeginn im April schon alles von Schnee über Regen, Hagel und Sturm alles erlebt hat.

Die Turmuhr befindet sich zurzeit in der Revision. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Turmuhr befindet sich zurzeit in der Revision. (Bild: Urs M. Hemm)

Vielleicht hilft den Arbeitern bei allen Wetterkapriolen Psalm 127.1, der an der eingerüsteten Kirche prangt. Darin heisst es: «Wenn nicht Gott das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen; wenn nicht Gott die Stadt behütet, wacht der Hüter umsonst.»

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