Die Roth Bedachungen Fassaden AG besteht seit 111 Jahren – Geschäftsführer: «Der Urgrossvater hätte wohl nicht geglaubt, dass es mit seinem Geschäft so lange weitergeht»

Die Firma Roth Bedachungen Fassaden AG in Ebnat-Kappel hat die erste dreistellige Schnapszahl überdauert. Eine spezielle Schindel-Maschine machte einst den Anfang.

Timon Kobelt
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Astrid Roth (links) übergibt Rosmarie Altenburger von der Werkstatt Rosengarten einen Check über 1111 Franken.

Astrid Roth (links) übergibt Rosmarie Altenburger von der Werkstatt Rosengarten einen Check über 1111 Franken.

Bild: Timon Kobelt

«Der Urgrossvater hätte wohl nicht geglaubt, dass es mit seinem Geschäft so lange weitergeht», sagt Marcel Roth. Er ist Geschäftsführer der Roth Bedachungen Fassaden AG und führt die Firma seit 2004 in vierter Generation. Seit 111 Jahren besteht das Unternehmen. Zu diesem Zweck hat es am Tag der offenen Tür Geld gesammelt und den symbolisch gewählten Betrag von 1111 Franken an die Werkstatt Rosengarten in Ebnat-Kappel gespendet, die Menschen mit einer Behinderung eine Beschäftigung bieten. «Der regionale Zusammenhalt hat bei uns seit jeher Tradition», erklärt Marcel Roth.

Die Routiniers nehmen die Jungen an die Hand

Der 52-Jährige sitzt mit seiner Frau Astrid im Sitzungszimmer der Firma, die in Ebnat-Kappel beheimatet ist. Das Ehepaar spricht über die Vergangenheit und die Zukunft. Sie betonen mehrfach: Die Mitarbeitenden sind die Stars.

«Die Mitarbeitenden sind die Visitenkarte des Unternehmens. Sie haben den engsten Kontakt zu den Kunden und sorgen dafür, dass diese zufrieden sind.»

Er sei besonders glücklich darüber, dass sie viele langjährige Mitarbeitende hätten. Dieses Jahr feiert der dienstälteste Mitarbeiter sein 40-Jahr-Jubliäum. «Wir haben eine Art Göttisystem. Die Routiniers nehmen die Jüngeren an die Hand und bilden diese aus», sagt Roth. Letztere lernten die Materie heute fachspezifischer. Doch er lege Wert darauf, dass sie im Betrieb breit ausgebildet würden. Der Flachdachspezialist müsse auch mal aufs Steildach. Die Firma bildet Lehrlinge in den Bereichen Spenglerei, Steil- und Flachdach sowie Fassaden aus. Seit Vater Niklaus 1972 die Firma übernommen hatte, wurden rund 35 Lehrlinge im Betrieb ausgebildet. Die Mitarbeiterzahl hält sich seit einiger Zeit konstant bei 20.

Marcel Roth, Inhaber der Roth Bedachungen AG in Ebnat-Kappel.

Marcel Roth, Inhaber der Roth Bedachungen AG in Ebnat-Kappel.

Bild: Timon Kobelt

Im Laufe der Zeit hat die Firma ihre Geschäftsfelder erweitert. Vor etwa 18 Jahren kam die Spenglerei zum klassischen Dachdeckgeschäft hinzu, seit rund zehn Jahren bietet das Unternehmen auch Balkonverglasungen an. Die Photovoltaikanlagen sind «unser jüngstes Kind», wie Marcel Roth es formuliert. «Wir waren eine der ersten Firmen in der Region, die damit angefangen haben», berichtet der Geschäftsführer. In der Dachdeckerbranche sei viel über das Thema gesprochen worden. Sie seien dann direkt in den Entwicklungsprozess eines Solarsystems involviert gewesen, das in der Schweiz noch heute als sehr verbreitet gelte. Eines der ersten grossen Photovoltaik-Projekte sei der Werkhof der Firma Roth AG in Ebnat-Kappel gewesen.

Tausende von Schindeln hergestellt

Urgrossvater Roth hatte 1920 zwar noch nichts von Photovoltaik gewusst, doch förderte er auf die damalige Art und Weise Innovation. Er entwickelte eine spezielle Schindelsäge und eine Zweimesser-Schindelmaschine, welche eine lange Zeit überdauern sollte.

«Mein Grossvater hat die Spindelmaschine auch genutzt und als Kinder haben wir ihm immer geholfen.»

Die Maschine funktioniere auch heute noch, sie hätten sie aber weitergegeben, da sie selbst keine Schindeln mehr herstellen würden. Nach Angaben in einem Bericht der Firma aus dem Jahr 2007 wurden mit der urgrossväterlichen Erfindung Tausende von Unterdächer-Schindeln hergestellt.

Wenn Marcel Roth in die Zukunft blickt, sieht er die Digitalisierung als grosse Herausforderung. In der Produktion werde sie ganz bestimmt menschliche Arbeit überflüssig machen. «Ich bin aber überzeugt, dass in der Verarbeitung das Handwerk noch immer zentral ist.»

Ob das Geschäft die nächste hohe Schnapszahl überlebt, ist für das Ehepaar Roth derzeit Kaffeesatzlesen. Marcel und Astrid haben drei Kinder. Der 19-jährige Sohn hat soeben extern eine Dachdeckerlehre abgeschlossen und arbeitet nun temporär in der Firma, bis er im Winter die Rekrutenschule antritt. «Wir haben eigentlich nicht unbedingt gedacht, dass unser Sohn in Richtung Handwerk geht», sagt Astrid Roth lachend. Doch der Urgrossvater hat ja auch nicht gedacht, dass sein Geschäft so lange bestehen würde.

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