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Die rege Bautätigkeit im Toggenburg führt zu höheren Leerständen – allerdings nicht bei den Neubauten

Die Leerwohnungsziffer in der Region steigt weiter. Mehr als jede 40. Wohnung steht zum Stichtag 1. Juni 2019 leer. Ein Grund sind Neubauten, unbewohnt bleiben aber ältere Wohnungen.
Ruben Schönenberger

Erneut stehen im Toggenburg mehr Wohnungen leer als noch im Vorjahr. Per Stichtag 1. Juni wurden in den zwölf Toggenburger Gemeinden insgesamt 660 leere Wohnungen gezählt, wie die Fachstelle für Statistik des Kantons St.Gallen mit Bezug auf Zahlen des Bundes gestern Montag ausführte.

Das entspricht 2,6 Prozent aller Wohnungen im Thur- und Neckertal. In absoluten Zahlen standen letztmals 2002 mehr Wohnungen leer (668), in relativen Zahlen im Jahr 2003 (2,7 Prozent).

So entwickelte sich die Leerwohnungsziffer im Toggenburg:

19971998199920002001200220032004200520062007200820092010201120122013201420152016201720182019012342,32,32,62,63,33,31,51,5

Nicht die Neubauten stehen leer

«Aufgrund der hohen Bautätigkeit in den letzten Jahren war eine Erhöhung zu erwarten», sagt Robert Weinert von der Immobilienberatungsfirma Wüest Partner. Der Immobilienmarkt sei vor allem für Neubauten im Mietsegment weiterhin sehr attraktiv. Dadurch entstünden viele neue Wohnungen. Die Bevölkerungsentwicklung beziehungsweise die Bildung von Haushalten halte damit nicht schritt.

Auch im Toggenburg lasse sich diese hohe Bautätigkeit feststellen, sagt Weinert. Er ergänzt:

«Bei den Neubauten geht der Leerstand aber teilweise sogar zurück.»

Das heisst, dass es für Besitzerinnen und Besitzer älterer Immobilien schwieriger wird, ihre Liegenschaften auch tatsächlich vermieten zu können. «Zumal neue Wohnungen im Toggenburg gerade gegenüber Städten oft zu attraktiven Preisen vermietet werden», sagt Weinert.

Im Toggenburg wird rege gebaut – wie hier am Bahnhof Süd in Wattwil. Die Leerwohnungsziffer steigt auch deswegen. (Bild: Ruben Schönenberger)

Im Toggenburg wird rege gebaut – wie hier am Bahnhof Süd in Wattwil. Die Leerwohnungsziffer steigt auch deswegen. (Bild: Ruben Schönenberger)

Auffallend an den aktuellen Zahlen ist der Anstieg in der Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil. Die Leerwohnungsziffer stieg hier innert Jahresfrist von 1,6 auf 2,5. Lag die Gemeinde im Vorjahr noch auf der Höhe des Schnitts der gesamten Schweiz, so liegt sie nun deutlich darüber. Schweizweit stehen per 1. Juni 1,7 Prozent aller Wohnungen leer.

So entwickelte sich die Leerwohnungsziffer in der Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil:

199719981999200020012002200320042005200620072008200920102011201220132014201520162017201820190,00,51,01,52,02,51,11,12,52,50,90,9

Umfahrung könnte eine Ursache sein

Eine Erklärung für den Anstieg könnte die baldige Eröffnung der Umfahrung Bütschwil sein. «Eine Umfahrung steigert die Lebensqualität im Dorf», sagt Robert Weinert von Wüest Partner. «Vor allem, weil dadurch der Verkehrslärm reduziert wird.» Das könne zu einer erhöhten Bautätigkeit führen. Man müsse allerdings auch anführen, dass der in relativen Zahlen stark anmutende Anstieg in absoluten Zahlen nicht mehr so eindrücklich sei. Es gehe hier um rund 20 zusätzliche Leerwohnungen. Insgesamt stehen in Bütschwil-Ganterschwil per Stichtag 58 Wohnungen leer.

Gemeindepräsident Karl Brändle ist entsprechend nicht beunruhigt. Er sagt aber auch:

«Die Bautätigkeit hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Ebenso hatten wir aber auch in den vergangenen fünf Jahren ein Bevölkerungswachstum von rund 7,5 Prozent.»

Dass mehr gebaut werde, habe auch mit dem Bau und der Eröffnung der Umfahrungsstrasse zu tun. «Wir verfügen zudem über eine gute Infrastruktur, sind gut erschlossen und trotzdem noch im ländlichen Raum.»

Am meisten leere Wohnungen in Kirchberg

Neben Bütschwil-Ganterschwil sticht erneut auch Kirchberg unter den Toggenburger Gemeinden heraus. Mit 5,8 Prozent hat die Alttoggenburger Gemeinde mit Abstand die grösste Leerwohnungsziffer im Toggenburg. In absoluten Zahlen handelt es sich um 236 leer stehende Wohnungen.

Diese Zahl könnte indes auch auf eine Schwäche der Statistik hinweisen. Schon bei der Publikation der letztjährigen Zahlen sagte Magnus Brändle, damals noch Ratsschreiber und heute zuständig für Grossprojekte der Gemeinde Kirchberg, gegenüber dieser Zeitung, dass das in der Gemeinde verwendete System sehr genaue Zahlen liefere.

In anderen Gemeinden werden die Zahlen teilweise per Aufruf im Gemeindeblatt erhoben beziehungsweise eben nur um deren Erhebung gebeten. Wie akkurat diese Rückmeldungen sind, ist schwierig einzuschätzen.

Wildhaus-Alt St.Johann senkt die Ziffer deutlich

Fakt ist aber, dass der Leerwohnungsstand in Kirchberg nochmals gestiegen ist. Letztes Jahr lag er noch bei 5,3 Prozent. Neben den beiden erwähnten Gemeinden stieg der Anteil leerer Wohnungen auch in Mosnang, Lütisburg, Wattwil, Oberhelfenschwil und Hemberg. Die letzten beiden Gemeinden schafften es sogar aus der Zone unter einem Prozent heraus, in der zumindest statistisch Wohnungsnot herrscht.

In Ebnat-Kappel, Wildhaus-Alt St.Johann, Nesslau, Lichtensteig und Neckertal gingen die Leerwohnungsziffern zurück. Dabei sticht vor allem Wildhaus-Alt St.Johann raus, wo nur noch 1,7 Prozent der Wohnungen leer stehen. Im Vorjahr waren es noch 2,8 Prozent.

Die Leerwohnungsziffern der Toggenburger Gemeinden im Überblick:

2018 2019
Wildhaus-Alt St. Johann 2.8 1,7
Nesslau 1.7 1,6
Ebnat-Kappel 2.8 2,6
Hemberg 0. 1,1
Wattwil 1.6 1,9
Lichtensteig 4.3 3,5
Neckertal 1.8 1,5
Oberhelfenschwil 0.3 1,2
Bütschwil-Ganterschwil 1.6 2,5
Mosnang 1. 1,5
Lütisburg 2. 3,4
Kirchberg 5.3 5,8
Wahlkreis Toggenburg 2.5 2,6

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