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Die preisgekrönten Puppen der Lichtensteigerin Cosette Gall-Claude erzählen Geschichten

Cosette Gall-Claude fertigt Puppen. Eine Auswahl der Werke der preisgekrönten Künstlerin ist bis zum 26. Oktober im Rathaus für Kultur in Lichtensteig ausgestellt.
Sascha Erni
Cosette Gall-Claudes Puppen erzählen märchenhafte Geschichten. (Bild: Sascha Erni)

Cosette Gall-Claudes Puppen erzählen märchenhafte Geschichten. (Bild: Sascha Erni)

Eine Elfe spricht zu einem Fuchs, zwei Kinder reiten einen Delfin. Andere Kinder tummeln sich im Schnee, daneben sitzen weitere Elfen nachdenklich auf Baumstämmen oder unterhalten sich mit Tieren. All diesen Figuren gemein ist: Sie sind klein, vielleicht 10 bis 30 Zentimeter gross. Und sie sind aus Holz, Wolle, Garn, Pelz und Porzellan gefertigt.

Noch bis zum 26. Oktober zeigt das «Rathaus für Kultur» in Lichtensteig die handgefertigten Puppen von Cosette Gall-Claude, und damit auch märchenhafte Szenen statt isolierte Einzelfiguren. «Meine Spezialität sind kleine Puppen, Miniaturpuppen, das machen nicht viele», sagt die Künstlerin im Gespräch. Das eröffnet ihr die Möglichkeit, auf vergleichsweise wenig Raum ganze Geschichten zu erzählen.

In aufwendiger Handarbeit geschaffen

Cosette Gall-Claude, Puppenkünstlerin. (Bild: Sascha Erni)

Cosette Gall-Claude, Puppenkünstlerin. (Bild: Sascha Erni)

Cosette Gall-Claude ist 1937 geboren und in St.Gallen aufgewachsen. Ihre künstlerische Ader hat sich schon früh gezeigt, bereits als Zehnjährige malte sie. Klassisch, wie sie betont; Blumen, Gräser, Tiere. Bald fand sie zur Porzellanmalerei. «Porzellan ist mein Lieblingsmaterial», sagt sie. Die Malerei ist immer ihr Hobby geblieben, auch als sie Primarlehrerin wurde, auch als sie nach Lichtensteig zog. Dass sie mit 50 Jahren dann zur Puppenkunst wechselte, ist einem Zufall geschuldet. «Einmal brachte ich Vasen in den Zollibolli (St.Galler Spielwarengeschäft, d.Red.) zum Brennen und sah Puppen-Rohlinge», erzählt sie.

Ihre Mutter war grosse Puppenliebhaberin, ihre umfangreiche Sammlung ist noch heute in der «Erlebniswelt Toggenburg» in Lichtensteig ausgestellt. Also habe sie sich gedacht: «Das wäre doch etwas für Mamma, wenn ich ihr eine selbst bemale.»

Im Selbststudium weitergebildet

Der erste Versuch schlug fehl, Cosette Gall-Claude hatte die Augen nicht richtig getroffen. Aber ihre Neugierde war geweckt, sie studierte die Puppenkunst. Ein Jahr später konnte sie ihrer Mutter eine schöne Puppe schenken. Das Selbststudium ging weiter, sie beschäftigte sich mit Puppen aus allen Epochen:

«Die Geschichte der Puppe ist so alt wie die Menschheit.»

Sie fertigte Reproduktionen an, um das Handwerk zu lernen, seit 1984 verzichtet sie auf Rohlinge und erschafft ausschliesslich Eigenkreationen. Die Arbeit ist aufwendig, pro Puppe benötigt die Lichtensteigerin einige Monate. Zuerst modelliert sie den Kopf aus Plastilin und erstellt einen Gipsabdruck für den Porzellanguss. Den Kopf brennt sie dann bei 1270 Grad Celsius in einem ihrer beiden Öfen. Anschliessend folgt die Malerarbeit, Schicht um Schicht. Immer wieder brennt sie das werdende Kunstwerk, nun bei 780 Grad. «Ich baue die Malerei auf, bis die Stärke passt», erklärt sie. «Das reift dann so langsam.»

Preisgekrönt und noch lange nicht müde

Über die Jahre haben die Puppen von Cosette Gall-Claude unzählige Preise gewonnen, etwa dieses Jahr zum fünften Mal den Max-Oscar-Arnold-Kunstpreis, der von Neustadt bei Coburg verliehen wird. Aber die Möglichkeiten, Puppen zu zeigen, hätten abgenommen. «Die 80er waren die Hoch-Zeit für die Puppenkunst.» In ihrer bevorzugten Kategorie, die Miniaturpuppen, fällt die 82jährige Künstlerin auf – in der Puppenkunst überwiegen heute moderne, abstrakte Modelle. Cosette Gall-Claudes märchenhafte Werke wirken aber nicht anachronistisch, sondern viel mehr zeitlos.

Auch diese Porzellanpuppe ist derzeit in Lichtensteig ausgestellt. (Bild: Sascha Erni)

Auch diese Porzellanpuppe ist derzeit in Lichtensteig ausgestellt. (Bild: Sascha Erni)

Und stellen so selbst im vorwiegend von jungen Kunstschaffenden bevölkerten «Rathaus für Kultur» keinen Widerspruch dar. Mehr als 40 Menschen besuchten die Vernissage der aktuellen Ausstellung. «Die Leute hatten viel Freude», schmunzelt die Künstlerin. Und ist noch lange nicht müde. Sie sinnt bereits über die nächste Puppe nach. Dieses Mal soll eine Elfe auf ein Murmeltier treffen.

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