Die Nachricht kommt per Telefonkette: Toggenburger Schulleiter müssen nach Schulschluss Eltern und Lehrkräfte informieren

Auch im Thur- und Neckertal bleiben die Schulen zu. Die Nachricht kam am Freitagnachmittag, als vielerorts die Schule schon beendet war.

Fabio Giger, Urs M. Hemm, Martin Knoepfel, Beat Lanzendorfer und Ruben Schönenberger
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Eine von vielen Schulen im Tal, die mindestens bis 4. April geschlossen bleiben: Die Schulanlage Grüenau in Wattwil.

Eine von vielen Schulen im Tal, die mindestens bis 4. April geschlossen bleiben: Die Schulanlage Grüenau in Wattwil.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Schweiz schliesst alle Schulen – bis zum 4. April müssen Kinder zu Hause bleiben. Diese Weisung hat der Bundesrat am Freitag bekanntgegeben. So soll die Ausbreitung des Corona-Virus in der Schweiz verlangsamt werden.

Als die Meldung am späten Freitagnachmittag eingeht, treffen sich die Schulleiter auch an Toggenburger Schulen zu Krisensitzungen. Sie besprechen das weitere Vorgehen und schicken vorgefertigte Briefe und E-Mails an Eltern. Denn der Knall kam mit Vorankündigung: Bereits am Morgen informierte das Bildungsdepartement die Schulleiter in einem internen E-Mail über das Szenario Schulschliessung.

Notfallpläne werden aktiviert

Eine gute Vorbereitung macht sich jetzt bezahlt. «Wir haben vor zwei Wochen einen Notfallplan ausgearbeitet, der jetzt mit den Weisungen des Bildungsdepartements zur Anwendung gelangt», erklärt der Kirchberger Schulratspräsident Orlando Simeon. In einem ersten Schritt werden sämtliche Eltern der Schülerinnen und Schüler mit einem Brief zur aktuellen Situation informiert.

Heute Samstag findet eine Krisensitzung statt. Unter Umständen werden Betreuungen angeboten, sollte dies gemäss den Weisungen des Bildungsdepartements möglich sein. Wenn sich Schulkinder bereits auf eine schulfreie Zeit gefreut haben, könnte das Lachen schon bald vergehen: Schulaufgaben werden in den kommenden Tagen per E-Mail oder via Whatsapp in Auftrag gegeben.

Bütschwil-Ganterschwil plant ein Betreuungsangebot

In der Gemeinde Bütschwil-Ganterschwil haben die Primarschullehrer eine Telefonkette ausgelöst. «Es ist geplant, dass wir ein Betreuungsangebot anbieten. Ein entsprechender Brief ist vorbereitet, den die Eltern erhalten. Bis am Sonntagabend können sie ihre Kinder anmelden», erklärt Schulpräsidentin Le Bich Näf. «Wenn wir die genaue Anzahl der Teilnehmenden wissen, entscheiden wir, wie dieses Angebot aussieht.» Sie könne sich vorstellen, dass es im Schulzimmer oder in der Turnhalle stattfindet oder als Spaziergang draussen.

«Halt so, wie es die Vorschriften erlauben.»

Hansjörg Huser, Schulratspräsident der Schulgemeinde Nesslau, kann diese Regelung nicht verstehen: «Wenn man den Schulbetrieb einstellt, darf man auch keine Betreuung anbieten.» Das sei schlicht inkonsequent. In Nesslau kommen die Lehrpersonen am Montag zusammen, um zu besprechen, wie es weitergeht. Die Eltern werden per A-Post über die neue Lage informiert.

Eine Schulgemeinde weiter kommt die Nachricht eher unerwartet. Stefan Gubler, Schulleiter in Wildhaus, stellen sich gerade sehr viele ungeklärte Fragen, die es zu beantworten gilt: «Bieten wir Betreuungen an? Schicken wir Hausaufgaben nach Hause? Was machen die Lehrkräfte in dieser Zeit?» Man warte weitere Anweisungen ab.

Noch ist vieles unsicher, nur Hausaufgaben kommen bestimmt

Schon zu Wort gemeldet hat sich die Staatskanzlei des Kantons St.Gallen. Diese tritt die Kompetenzen sogleich an die Schulgemeinden ab: «In der Volksschule liegt es grundsätzlich im Ermessen der Gemeinden als verantwortliche Schulträger, inwieweit sie mit Hausaufgaben oder auf der Oberstufe mit IT-Möglichkeiten überbrückend ein gewisses Lernen der Schulkinder ermöglichen», heisst es in einer Medienmitteilung.

Diesen Pflichten kommt auch die Schulleitung im Neckertal nach. Schulpräsident Rudolf Mäder kommt gerade aus einer Krisensitzung. «Die jeweiligen Klassenlehrer werden noch heute die Eltern informieren, dass der Unterricht ab sofort bis nach den Frühlingsferien ausfällt.» Doch auch Neckertaler Schüler haben nicht einfach schulfrei: «Am Montag werden die Lehrpersonen Unterlagen zusammenstellen, die per Post oder E-Mail an die Schülerinnen und Schüler vergeben werden», erläutert Rudolf Mäder. Angedacht sei, dass die gelösten Aufgaben und erledigten Arbeiten jeweils bis Ende der Woche an die Lehrpersonen zur Kontrolle zurückgeschickt werden müssen.

Betreuungsdienst für Notfälle

Für Notfälle werde die Schule Neckertal pro Schuleinheit einen Betreuungsdienst anbieten. «Die Eltern müssen ihre Kinder dort anmelden und genau angeben, wann sie die Betreuung benötigen», erklärt Rudolf Mäder das Vorgehen. Er glaube aber nicht, dass dieses Angebot hier im ländlichen Raum übermässig in Anspruch genommen werde müsse, weil die Strukturen anders als in der Stadt sind. «Und wenn das Bedürfnis doch grösser als gedacht ist, müssten die Kinder auf mehrere Klassenzimmer verteilt werden, damit nicht zu viele zusammen in einem Raum sind», sagt Rudolf Mäder.

«Wir werden die Schule sicher wie angeordnet schliessen», betont Werner Raschle, Schulratspräsident der Schule Oberes Neckertal. Wie dann aber das genaue Vorgehen aussehen werde, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. «Noch steht die offizielle Mitteilung über das kantonale Vorgehen des Bildungsdepartements aus. Sobald wir dieses kennen, werden wir entscheiden, wie es weitergeht und entsprechend informieren», sagt er. Ebenfalls noch keine Entscheidung zum weiteren Vorgehen wurde vom Schulrat der Primarschule Hemberg gefällt. Dieser wird am Montag erwartet.

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