Die «Hölzigen» brechen eine Lanze fürs einheimische Holz – «Richtig eingesetzt ist jedes Holz schön»

Bei der IG Toggenburger Holz stehen einheimisches Holz und die damit verbundenen Qualitätsansprüche im Zentrum.

Adi Lippuner
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Die Referenten Sepp Fust, Beat Wermelinger, Pirmin Fischbacher, Pirmin Jung und This und Andreas Raaber (von links).

Die Referenten Sepp Fust, Beat Wermelinger, Pirmin Fischbacher, Pirmin Jung und This und Andreas Raaber (von links).

Bild: Adi Lippuner

Für den Feierabendanlass zum Thema «Unsere Holzqualität – richtig eingesetzt» konnten namhafte Fachreferenten gewonnen werden. Belohnt wurden die Organisatoren am Donnerstagabend durch einen Grossaufmarsch in der Toggenburger Markthalle.

Moderator Sepp Fust von der Lignum Holzkette St.Gallen konnte die Referenten Beat Wermelinger, Forschungsanstalt WSL (Wald Schnee und Landschaft), Pirmin Fischbacher, Innoholz AG, Gähwil, Pirmin Jung, Holzbauingenieur, Rain LU, und die Gebrüder This und Andreas Raaber, von der gleichnamigen Schreinerei in Dietschwil, ankündigen.

Für alle Referenten standen die Verwendung von einheimischem Holz und die damit verbundenen Qualitätsansprüche im Mittelpunkt. Andreas Raaber brachte dieses Spannungsfeld mit der Aussage «jedes Holz ist schön, muss aber richtig eingesetzt werden» auf den Punkt. Für ihn hat jeder Baum seine Eigenheiten und das soll gegenüber der Kundschaft auch kommuniziert werden.

«Wenn wir Bäume aus der näheren Umgebung verarbeiten, gibt dies den daraus entstehenden Möbelstücken auch einen eigenen Charakter.»

«Herr der Rinde» macht den Baum nicht wertlos

Geht es um den Borkenkäfer oder ganz korrekt um den Buchdrucker, das ist eine der insgesamt 111 Borkenkäferarten, fällt den meisten sofort der Begriff Schädling ein. Beat Wermelinger zeigte auf, dass ein Baum wegen des Befalls nicht wertlos ist, weil die Buchdrucker nur die Rinde befallen. Zudem sei der Buchdrucker auch ein Ökosystem-Ingenieur. Er schaffe Lebensräume für unzählige Organismen und trage damit auch zur Biodiversität bei.

Pirmin Fischbacher kennt als Inhaber einer Sägerei die Qualität der einheimischen Nadelholzstämme. Über die Hälfte eines Stamms falle in der mittleren Qualität an, dann gebe es knapp einen Drittel gute bis sehr gute Qualität und der Rest sei sogenannte schlechte Qualität.

Der Löwenanteil des Toggenburger Holzes eigne sich für Innen- und Fassadenverkleidungen aber auch Unterkonstruktionen aus Holz. Auch sogenanntes «Käferholz» könne problemlos verbaut werden, befalle doch der Buchdrucker nur die Rinde und nicht das Holz.

Die Krux mit den Filetstücken

Für Sepp Fust ist klar: «Sowohl beim Fleisch als auch beim Holz gibt es nicht nur Filetstücke.» Und wie beim Fleisch müsse deshalb auch beim Holz Topqualität aus dem Ausland zugekauft werden.

«Dabei wäre es möglich, auch aus einfacheren Fleischstücken schmackhafte Mahlzeiten zu machen, und das Gleiche gilt beim Holz. Unsere Aufgabe ist es, die Einmaligkeit unseres Toggenburger Holzes hervorzuheben und die Vielseitigkeit des nachwachsenden Rohstoffes und die damit verbundenen Eigenschaften in den Mittelpunkt zu stellen.»

Der Inhaber eines Holzbau-Ingenieurbüros mit mehreren Standorten in der Schweiz und dem angrenzenden Ausland, Pirmin Jung, zeigte auf, welche Möglichkeiten Holzbauten bieten. Selbst Hochhäuser können – aktuell meist noch mit einem Betonkern – problemlos realisiert werden. Inskünftig werde es auch möglich sein, Hochhäuser ganz aus Holz zu erstellen, so seine Überzeugung. Auch die immer wieder ins Feld geführten Mehrkosten, bei der Verwendung von einheimischen Holz, seien mit wenigen Prozenten wesentlich tiefer, als oft behauptet.

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