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Damals: Die heilige Coelestina reiste vor 20 Jahren von Neu St.Johann nach Paris

Das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Die Reliqiue der Heiligen Coelestina ist mit kostbarer Brokatstickerei verziert.

Die Reliqiue der Heiligen Coelestina ist mit kostbarer Brokatstickerei verziert.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

31. Januar: Alttoggenburg. Der Wahlrekurs gegen die Bezirksammannwahl mit der Begründung, dass die Zeitungen des Bezirksammanns den offiziellen konservativen Wahlvorschlägen keine Aufnahme gewährten, wurde vom Regierungsrat abgewiesen, das eine gesetzliche und rechtliche Pflicht nach dieser Richtung nicht besteht. Es wird jedoch von ihm aus Billigkeitsgründen in Zukunft grösseres Entgegenkommen empfohlen.

4. Februar: Wattwil. Der Finanzplan für das neue Bürgerheim kann infolge Verzögerung der Bewilligung der Bundessubvention, welches Gesuch unserer Behörde schon seit geraumer Zeit in Bern vorliegt, noch nicht vorgelegt werden und musste deshalb die in Aussicht genommene Vorbesprechung der Angelegenheit verschoben werden. Die Allgemeine Ortsverwaltung hat beschlossen, den Bürgern eine Beitragsleistung von 50'000 Franken an den Bürgerheim-Neubau zu beantragen.

4. Februar: Libingen. Auf initiatives Vorgehen einiger Bürger versammelten sich im «Schäfle» dahier ca. 50 Mann aus unserer Talschaft um zwei sehr wichtige Fragen zu besprechen. Zweck der Versammlung war nämlich die Besprechung über Gründung eines landw. Vereins und einer Konsumgenossenschaft. Die Versammlung wünscht die Gründung eines landw. Vereins, der auch die Lösung der Konsumfrage als die seinige betrachtet.

Vor 50 Jahren

30. Januar: Lichtensteig. Nachdem einerseits in der heutigen Zeit die Idee der Zentralisation immer breiter Fuss fasst und andererseits für die Berufsschulen einige Schulhäuser und Lehrkräfte gefordert werden, muss um den künftigen Fortbestand der toggenburgischen kaufmännischen Berufsschule gebangt werden.

30. Januar: Oberes Toggenburg. Seit einigen Jahren werden jeden Winter im Auftrag der evangelischen Landeskirche des Kantons St.Gallen verschiedene Skigottesdienste durchgeführt. Viele Skifahrer, die morgens früh im Unterland wegfahren, haben diese kurzen Andachten schätzen gelernt.

Schüler, die zu Hause die Kinderlehre versäumen, können sich bestätigen lassen, dass sie einen Skigottesdienst besucht haben. Skigottesdienste werden bei günstiger Witterung jeden Sonntag um 12.30 Uhr in Wildhaus, Oberdorf und Iltios, Unterwasser durchgeführt.

Vor 20 Jahren

31. Januar: Wattwil. Das bekannte Toggenburger Tanztheater Rigolo hat sich in den letzten zehn Jahren vorwiegend mit seinen Sommeraufführungen im Palais Lumière einen Namen gemacht. Mit «Balance» leitet Rigolo jetzt eine weitere Phase künstlerischen Schaffens ein.

Bis Ende 1999 entstand unter der Leitung von Mädir Eugster und in Zusammenarbeit mit der bekannten Choreographin Anzu Furukawa die Tanzperformance «Balance». Produziert wurde das neue Stück im Mulino della Barca bei Turin, einer ehemaligen Mehlfabrik.

In der dreimonatigen Wintertournee 2000 spielt Rigolo «Balance» vorwiegend auf zehn Schweizer Bühnen, zum Teil in Städten, die schon lange auf einen Auftritt des Tanztheaters warten mussten. Einmal nun auch in Wattwil.

5. Februar: Neu St.Johann. Die Reliquien der Heiligen Coelestina aus Neu St.Johann und die des Heiligen Pankratius aus der Wiler Pfarrkirche gingen auf Reisen. Sie werden im Nationalmuseum in Paris ausgestellt.

«Coelestina» war ein Geschenk des St.Galler Fürstabtes Coelestin Gugger ans Kloster Neu St.Johann. Er machte dieses Geschenk am 26. Juli des Jahres 1755. In einer Urkunde bezeugen ein Pater Iso Walser und Beda Angehrn, der spätere St.Galler Fürstabt, die Authentizität der Reliquie.

Belegt ist auch die Tatsache, dass sie den Schädel in einer viereckigen Schachtel ins Klosterdorf Neu St.Johann überbrachten. Wenn man vor einem prachtvoll beschmückten Totenschädel steht, fragt man sich, was wohl der Grund war, dass die Menschen früher bestimmte Schädel oder ganze Skelette so prunkvoll ausstatteten.

Im 16./17. Jahrhundert wurde versucht, Realität und Verheissung zu einer Einheit zu verknüpfen. Der «Reliquienhandel» nahm in Rom überwältigende Formen an. Den Weg ins Kloster Neu St.Johann fanden unzählige Gebeine. So seien im Verzeichnis nicht weniger als 59 Reliquien-Urkunden vermerkt.

Vor 10 Jahren

30. Januar: Dicken. Dicke Luft in Dicken. Alle Dickler Schulkinder ab der dritten Klasse sollen in St.Peterzell beschult werden. Die Bevölkerung in Dicken ist dagegen. Sie traf sich zu einer ausserordentlichen Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle.

Die Gemeinde wurde von den schulrätlichen Parteien um eine Empfehlung gebeten. Diese Empfehlung wurde von den Schulräten beider Schulgemeinden formell beschlossen. In ihrer Empfehlung sprach sich die Gemeinde zum Schulstandort St.Peterzell aus. Vreni Wild musste die Empfehlung vor dem Publikum rechtfertigen.

Hans-Jürg Bleiker von der Interessengemeinschaft «Pro Schule Dicken» empfahl, dass im Schulrat ein Rückkommensantrag gegen den Beschluss gestellt wird. Es soll sich eine Kommission bilden, die beim Bildungsdepartement den Antrag stellt, in Dicken vier Klassen in einer Klasse beschulen zu können.