Die Gebrüder Egloff aus Alt St.Johann leben für ihre Motorräder: «Um zu solchen Raritäten zu kommen, muss man sich in der Szene auskennen»

Sie fahren auf schnellen Oldtimern historische Motorrad-Rundstreckenrennen und Showfahrten. Am Dienstag nahmen die Brüder Egloff zum vierten Mal am Indianapolis in Oerlikon teil.

Fränzi Göggel
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Inmitten von Schaulustigen warten die Brüder Peter (links) und Bruno Egloff auf ihren Einsatz (Bild: Fränzi Göggel)

Inmitten von Schaulustigen warten die Brüder Peter (links) und Bruno Egloff auf ihren Einsatz (Bild: Fränzi Göggel)

Da wo sonst schnelle Velofahrer geräuschlos ihre Runden drehen, dröhnten am 23. Juli die Motoren der historischen Rennmotorräder und Rennwagen. Einmal im Jahr wird die unter Denkmalschutz stehende offene Rennbahn mit Baujahr 1912 zum Indianapolis, benannt nach einer berühmten Rennstrecke in den USA. 5114 Zuschauerinnen und Zuschauer genossen das 17.Motorspektakel. Als Akteure mittendrin waren die zwei Brüder Peter und Bruno Egloff aus Alt St.Johann. Sie fuhren beide mit historischen Motorräder aus einer Schweizer Produktion.

An die 60 rare Oldtimer in den Kategorien Motorräder Vor-und Nachkrieg, Gespanne und Three Wheeler, Renn- und Sportwagen, Indy-Cars und Monoposto-Rennwagen nahmen an den Showfahrten teil. Nirgendwo ist man so nah am Renngeschehen. Die Besucher flanierten neugierig um die Rennfahrzeuge, strichen verstohlen ehrfürchtig über glänzende Schutzbleche und gigantische Kotflügel.

Fahren im Sommer, schrauben im Winter

Der historische Rennsport ist für die Egloffs Passion und nimmt sie das ganze Jahr über in Anspruch. Beide fahren im Sommer an diversen Classic-Rennveranstaltungen. Im Winter verbringen sie mit ihren motorisierten Lieblingen viel Zeit in der Werkstatt. Der 60-jährige Peter Egloff macht zwischen den Showläufen für einen Schwatz Pause:

«Seit 40 Jahren kümmere ich mich um alte Condor Werksrennmaschinen. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und restauriere die Oldtimer in meiner Werkstatt. Meine Werksrennmaschine kaufte ich 2004. Um zu solchen Raritäten zu kommen, muss man sich in der Szene auskennen, und sich sehr schnell entscheiden, wenn was angeboten wird.»

Sein Bruder Bruno Egloff war in jungen Jahren Motocross Seitenwagenbeifahrer, ehe auch er mit der Restauration von Oldtimern begann. «Manchmal tausche ich und komme so zu raren Sachen. In der offenen Rennbahn mit den bis zu 45 Grad überhöhten Steilwandkurven zu fahren, ist sehr speziell. Wird man zu schnell, treibt es einem hoch», erzählt der Rennfahrer und wird von seinem Bruder unterbrochen; «Hesch mi überholt, gell». Beide lachen wie zwei Spitzbuben.

Motorräder aus dem Jura und aus Genf

Beide historische Rennmotorräder der Gebrüder Egloff wurden in der Schweiz gebaut und verfügen über bauähnliche MAG-Motoren. Die Condor Werke wurden 1893 in Courfaivre bei Delsberg gegründet. Trotz Rohstoffknappheit baute man bereits während des Ersten Weltkrieges Velos und Töff. Peter Egloffs Condor A 50 von 1930 hat 500 Kubikzentimeter Hubraum, leistet 35 PS, hat ohne Hinterradfederung eine lebhafte Strassenlage und läuft zirka 170 km/h. «Von dieser Königswellen-Condor gibt es vielleicht noch zwei Stück», verrät er stolz und streicht seiner Kostbarkeit zärtlich über das Schutzblech.

Die Firma Motosacoche wurde 1899 in Genf gegründet, erlosch 1957 und war der grösste Schweizer Motorradhersteller. Bereits 1900 erschien ein Velohilfsmotor, der in einem Hilfsrahmen mit wenigen Handgriffen in ein herkömmliches Fahrrad montiert werden konnte. So entstand der Firmenname, Motosacoche. Denn das heisst zu Deutsch Fahrradtasche. Die Motosacoche D50 des 67-jährigen Bruno Egloff wurde 1930 gebaut, hat 500 Kubikzentimeter Hubraum, 36 PS und keine Hinterradfederung. «Je nach Übersetzung läuft der Töff bis 170 km/h. «Dänn tuet er wie än Bockesel», umschreibt Bruno Egloff das Fahrverhalten seiner Rarität.