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«Die Führung des Rats werde ich vermissen»

Ivan Louis machte im Verlauf seines bald zu Ende gehenden Jahrs als Kantonsratspräsident viele bereichernde Begegnungen. Es gab auch lustige Vorkommnisse, beispielsweise dann, wenn man ihn nicht erkannte.
Martin Knoepfel
Noch-Kantonsratspräsident Ivan Louis könnte sich je nach Konstellationen später eine Kandidatur als Nationalrat vorstellen. (Bild: Martin Knoepfel)

Noch-Kantonsratspräsident Ivan Louis könnte sich je nach Konstellationen später eine Kandidatur als Nationalrat vorstellen. (Bild: Martin Knoepfel)

Im April leitete der Nesslauer SVP-Vertreter Ivan Louis zum letzten Mal eine Sitzung des Kantonsparlaments. Er blickt zurück auf ein Präsidialjahr, das wichtige Geschäfte und einige lustige Situationen umfasste und im Mai mit Terminen vollgepackt war. Dass Ivan Louis sehr jung Präsident des kantonalen Parlaments wurde, stellte nach seiner Einschätzung keinen Nachteil dar.

Ivan Louis, was hat Ihnen an Ihrem Amt als Kantonsratspräsident bisher am meisten Freude bereitet?

Die Führung des Rats. Diese werde ich ein bisschen vermissen. Und verschiedene Begegnungen bereiteten mir ebenfalls grosse Freude.

Wie gross war der Zeitaufwand fürs Präsidium, wenn man es mit einer Arbeitsstelle vergleicht?

In den meisten Monaten war das Kantonsratspräsidium ein 20- bis 30-Prozent-Job. Die Arbeitsbelastung schwankte stark. Dass die Schwankungen so stark sind, hätte ich nicht gedacht. Es gab Wochen fast ohne Termin. Im Mai bin ich beinahe Vollzeit-Präsident, so viele Termine habe ich.

Sie waren der jüngste Kantonsratspräsident seit Jahrzehnten, vielleicht sogar der jüngste in der Geschichte des Kantons St. Gallen. Hat Ihnen das geholfen oder im Gegenteil die Aufgabe erschwert?

Meines Wissens war ich der jüngste Kantonsratspräsident überhaupt. Bei der Führung des Rats hatte das keinen Einfluss. Bei Anlässen gab es lustige Situationen, etwa, dass man mich für einen Praktikanten hielt. Einmal wurde ich gefragt: ‹Wer hat dich eingeladen?› Einige Personen schämten sich, weil sie den Kantonsratspräsidenten nicht kannten. Ich finde das nicht so schlimm, denn Präsident ist man nur ein Jahr.

Was muss man mitbringen, um ein guter Kantonsratspräsident zu sein?

Für die Führung des Rats muss man ein Interesse an den Prozessen im Rat mitbringen. Dazu kommt der Wille, sich selber in die Abläufe einzuarbeiten, weil man sonst nicht so vertraut ist mit den Geschäften. Und Ordnungsanträge darf man nicht als Angriff auf die Ratsführung auffassen. Das ist wichtig.

Welche war die schönste und welche die negativste Erfahrung im bisherigen Verlauf des Präsidialjahres?

Die Arbeitseinsätze waren die schönste Erfahrung. Verschiedene solcher Einsätze bleiben in Erinnerung. Schlimme Erfahrungen habe ich keine gemacht. Es gab natürlich Anlässe, an denen ich die Zeit totschlagen musste, da es nicht so spannend war. Und mit einigen Grussworten war ich im Nachhinein nicht zufrieden.

Sie haben unter dem Motto «Anpacken» tageweise in verschiedenen Berufen gejobbt. Welches war der interessanteste und welches der strengste?

Am strengsten war der erste Arbeitseinsatz auf einer Baustelle. Am Abend war ich fix und fertig. Sehr streng war auch der Einsatz in einer Autogarage, da damals die Zeit für Pneuwechsel war. Eindrücklich war der Einsatz im Zoo. Politisch am spannendsten war es, als ich einen Lastwagenfahrer begleitete. Wir haben viel über die praktischen Probleme im Strassentransport gesprochen. Spannend war es auf der Redaktion des «Toggenburger Tagblatts», da in den Printmedien viel im Umbruch ist. Interessant war ebenfalls der Einsatz in einem Schulheim, wobei ich später merkte, dass ich weder für diese Tätigkeit noch für die Arbeit auf einer Redaktion Talent habe.

Welche Tätigkeit mochten Sie überhaupt nicht?

Es gab eigentlich keine Tätigkeit, die ich überhaupt nicht mochte.

Konnten Sie als Kantonsratspräsident das Toggenburg im Kanton bekannter machen?

Es ist nicht das Ziel des Kantonsratspräsidiums, als Promotor der Heimatregion aufzutreten. Bei den Geschenken bei offiziellen Anlässen habe ich aber geschaut, dass Produkte aus dem Toggenburg dabei sind. Dem Bischof überreichte ich eine Kiste Zwingli-Bier, als er das Kantonsratspräsidium besuchte, damit er weiss, was die Konkurrenz tut. Er nahm es mit Humor.

Gab es dank Ihnen Anlässe im Toggenburg?

Es gibt jedes Jahr eine Einladung für die früheren Kantonsratspräsidenten. Wir besichtigten dieses Jahr die Brauerei in Neu St. Johann und danach das «Haus der Freiheit». Ein früherer Kantonsratspräsident aus der SP war froh, dass er endlich einmal das «Haus der Freiheit» besuchen konnte.

Was raten Sie Ihrer voraussichtlichen Nachfolgerin Imelda Stadler?

Ich nehme an, dass sie keine Probleme haben wird. Es braucht einfach eine gewisse Gelassenheit in diesem Amt.

Braucht man auch Glück als Kantonsratspräsident?

Ich hatte, zugegeben, auch Glück. Der erste, dem ich das Wort entzog, weil er zu lange sprach, war Michael Götte, Fraktionschef der SVP. Nach drei Minuten und zehn Sekunden ermahnte ich ihn, aufzuhören, nach dreieinhalb Minuten klemmte ich ab. Damit war allen klar, dass ich unparteiisch bin und das Reglement ernst nehme.

Werden Sie im Herbst 2019 für den Nationalrat kandidieren, wenn die SVP St. Gallen Sie aufstellt?

Es kann Konstellationen geben, in denen ich mir eine Kandidatur vorstellen könnte, aber ich plane das nicht. In der SVP sind die Plätze auf der Nationalratsliste sehr umkämpft. Zudem gibt es junge Kantonsräte, die besser geeignet sind als ich, wie etwa Mike Egger, der 2015 ein gutes Resultat machte, oder Sascha Schmid. Heute ist das Kantonsratspräsidium kein Plus mehr bei einer Kandidatur als Nationalrat.

Sie wollen doktorieren? Worüber schreiben Sie Ihre Dissertation?

Über das Öffentlichkeitsprinzip in allen Kantonen der Schweiz. Die Dissertation ist eine Ausweitung der Masterarbeit.

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