Die Frauen des EC Wil Ladies sind im Playoff-Fieber

Das Nationalliga-B-Team bestreitet am Sonntag in Huttwil das erste Spiel gegen Qualifikationssieger Langenthal. Zum Kader der Ostschweizerinnen gehört die Kirchbergerin Vanessa Zweifel.

Beat Lanzendorfer
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Seit vier Jahren trägt die 20-jährige Vanessa Zweifel (Mitte) das Trikot der EC Wil Ladies. Ihre Vorfreude auf die Playoffspiele gegen Langenthal ist gross.

Seit vier Jahren trägt die 20-jährige Vanessa Zweifel (Mitte) das Trikot der EC Wil Ladies. Ihre Vorfreude auf die Playoffspiele gegen Langenthal ist gross.

Bild: PD

Am Wochenende beginnt für die Eishockeyspielerinnen der EC Wil Ladies jene Zeit, in der gemäss der Beteiligten das meiste Adrenalin ausgeschüttet wird: das Playoff. Dabei treten die Ostschweizer Ladies gegen jene aus dem Kanton Bern als krasse Aussenseiterinnen an.

Die Rollen sind klar verteilt

«Wir schätzen die Situation realistisch ein», sagt die 20-jährige Vanessa Zweifel. «Langenthal hat die reguläre Meisterschaft dominiert und 17 von 18 Spielen siegreich gestaltet. Wir als Tabellenachte konnten uns mit zwei Punkten Vorsprung auf Zunzgen hingegen knapp den letzten Playoffplatz sichern.»

Aus ihrer Sicht sei das bisher Erreichte als Erfolg zu werten. Dabei spricht sie jene Zeit vor der Saison an, als Unsicherheit darüber herrschte, ob in Wil überhaupt noch Fraueneishockey gespielt werden kann. «Als klar war, dass es eine Zukunft gibt, blieb wenig Zeit, um die Mannschaft zusammenzustellen, deshalb können wir mit unserem begrenzten Kader keine grossen Sprünge machen.»

Vanessa Zweifel.

Vanessa Zweifel.

Bild: Beat Lanzendorfer

Trotzdem zeigt sich die Kirchbergerin optimistisch: «Wir haben in der Meisterschaft gegen Langenthal mit 1:4 und 2:3 verloren. Ganz ohne Chancen sind wir nicht und wenn bei uns alle über sich hinauswachsen, liegt gegen den Favoriten vielleicht eine Überraschung drin.» Das Wort Aufstieg nimmt sie bewusst nicht in den Mund. «Das wäre hier in Wil mit den begrenzten Möglichkeiten nicht realistisch.» Langenthal und Brandis, der Zweite der regulären Meisterschaft, hätten ihre Aufstiegsambitionen hingegen klar kund getan.

Vanessa Zweifel gehört dem Kader der Wiler Ladies seit vier Jahren an. Ein Leben ohne Eishockey kann sich die angehende Sekundarlehrerin nicht vorstellen. Die Vorfreude auf die Spiele des Jahres ist entsprechend gross.

Die 20-Jährige ist eine sportliche Allrounderin

Sie bezeichnet sich selber als Quereinsteigerin, trat sie doch den EC Wil Ladies erst vor vier Jahren bei. «Meine Anfänge auf dem Eis waren im Turpenriet, wenn der Weiher zwischen Kirchberg und Gähwil jeweils gefroren war.» In den Ferien sei sie zudem bei jeder Gelegenheit auf den Eisfeldern in Wil und Uzwil gestanden.

«Ich bin vielseitig sportinteressiert, habe zuvor jahrelang geritten und Fussball beim FC Kirchberg gespielt.» Mit dem Eishockey scheint sie nun aber ihre endgültige Berufung gefunden zu haben. So gehört sie dem Kader des Nationalliga-B-Teams an, übernimmt im Verein aber noch weitere Funktionen. Da wäre zum Beispiel ihr Engagement als Nachwuchsschiedsrichterin, das sie aus Mangel an Zeit aber etwas zurückfahren musste. «Ich stelle mich im Sommer aber weiterhin als Inline-Unparteiische zur Verfügung.» Geblieben ist sie hingegen Trainerin der Bambinis. Die Arbeit mit dem Wiler Nachwuchs bereitet ihr viel Spass.

Darüber hinaus bleibt Zeit, das Reporting bei den 1.-Liga-Männern zu übernehmen. Dazu zählen Funktionen wie die Matchuhr zu betätigen oder den Live-Ticker zu bedienen. Das Eishockey-Fieber hat sich längst auf ihre Eltern Manuela und Peter abgefärbt, welche bei den Spielen der Wiler Ladies zusammen mit weiteren Personen die erwähnten Funktionen ausüben. Zur Familie gehört noch Bruder Mika. Der 18-Jährige spielt – wen wunderts – selbstverständlich auch Eishockey. Zum einen in der 3. Liga beim SC Herisau, zum anderen verstärkt er die Junioren U20-A Herisau/Wil.

Ihr Herz ist zweigeteilt

Im Gespräch kommt wenig überraschend zutage, dass die Liebe bei Vanessa Zweifel auf dem Eis eingeschlagen hat. Freund Dominic ist ebenfalls Eishockeyspieler. Allerdings einer, der Anhänger des falschen Zürcher Clubs ist. «Ich bin von Kindesbeinen an Fan von Kloten, Dominic hingegen schwört auf die ZSC Lions. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich ihn sogar ins Hallenstadion begleite», sagt sie lachend. So richtig anfreunden könne sie sich mit der Situation aber immer noch nicht.

Wie sieht die angehende Sekundarlehrerin, die an der pädagogischen Hochschule in StGallen und Gossau im sechsten von neun Semestern ist, ihre Rolle bei den Wiler Ladies? «Stocktechnisch bin ich sicher kein Genie, dafür habe ich zu spät mit dem Eishockey begonnen. Ich denke aber, dass ich ein gutes Spielverständnis habe, die offenen Räume sehe und meinen Körper, falls nötig, auch mal einsetzen kann.»

Und welche Ziele hat sie für die Zukunft? «Ich möchte weitere Fortschritte erzielen und irgendwann von mir sagen können, dass ich eine Teamstütze in der Nationalliga B bin.» Am Ende des Gesprächs erwähnt sie noch einen anderen Wunsch: «Es wäre super, wenn uns ganz viele Menschen bei unseren Playoffspielen unterstützen würden.»

Spiele finden in Huttwil und Herisau statt

Das erste Playoffspiel zwischen Langenthal, dem Sieger der Qualifikation, und den EC Wil Ladies, den Achtplatzierten, findet morgen Sonntag, um 17 Uhr, in der Eishalle in Huttwil statt.

Wegen Platzmangels müssen die Wiler Frauen im Rückspiel am 8. Februar, um 19 Uhr, in die Eishalle des Herisauer Sportzentrums ausweichen.

Sollte eine dritte Partie nötig werden, findet diese wieder in Huttwil statt. Sie käme am Sonntag, 9. Februar, zur Austragung. (bl)