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Die Erste im Rat ist die Erste aus Lütisburg

Imelda Stadler (FDP, Lütisburg) wurde gestern Montag vom Kantonsrat mit einem guten Ergebnis zur Präsidentin für das Amtsjahr 2018/2019 gewählt. Sie freut sich auf die neue Herausforderung und auf spannende Begegnungen.
Martin Knoepfel
Ivan Lous (SVP, Nesslau) übergibt sein Amt als Kantonsratspräsident an Imelda Stadler (FDP, Lütisburg). Nun ist sie für ein Jahr "höchste St. Gallerin". (Bilder: Regina Kühne)

Ivan Lous (SVP, Nesslau) übergibt sein Amt als Kantonsratspräsident an Imelda Stadler (FDP, Lütisburg). Nun ist sie für ein Jahr "höchste St. Gallerin". (Bilder: Regina Kühne)

Mit Imelda Stadler (FDP, Lütisburg) avancierte die Vizepräsidentin des Jahres 2017/2018 erwartungsgemäss zur Präsidentin des Kantonsrats für das Amtsjahr 2018/2019. 99 der insgesamt 117 anwesenden Kantonsräte gaben ihr ihre Stimme. Neuer Vizepräsident wurde der Flawiler SP-Vertreter Daniel Baumgartner. Er erhielt 93 Stimmen. Auch hier blieb eine Überraschung aus.

Lütisburg ist bisher nie zum Zug gekommen

Der Liste der St. Galler Kantonsratspräsidenten seit 1803 kann man entnehmen, dass Lütisburg bisher noch nie zum Zug kam. Allerdings gibt es Lücken in der Aufzählung, nicht bei den Namen der Präsidenten, sondern bei deren Wohnorten. Diese Lücken betreffen das späte 19. Jahrhundert.

Dass zwei Togenburger auf dem Präsidentenstuhl aufeinander folgen wie Ivan Louis und Imelda Stadler, war wahrscheinlich noch nie der Fall. Bisher kamen 14 Kantonsratspräsidenten aus dem Toggenburg. Am 4. Mai 1809 leitete Peter Aloys Falk aus St. Peterzell die Sitzung des Kantonsparlaments. Mosnang stellte im 19. Jahrhundert mit Johann Joseph Müller zweimal – 1854 und 1857 – den Kantonsratspräsidenten, allerdings jeweils nur für eine Session. Krummenau kam 1886 mit August Suter zum Zug.

1917 stellte Nesslau mit Albert Kuhn den «höchsten St. Galler». 1930 war es die Gemeinde Kappel – damals noch nicht mit Ebnat fusioniert – mit Jakob Bräker. Jean Pozzi aus Wattwil wurde 1944 Kantonsratspräsident. 1959 und 1961 wurden Jean Strässle, Kirchberg, und August Schmuki, Lichtensteig, gewählt. 1976 war es Thomas Zimmermann, Ebnat-Kappel. 2004 und 2013 kamen die «höchsten St. Galler» aus der politischen Gemeinde Kirchberg. Es waren Margrit Stadler-Egli (Bazenheid) und Donat Ledergerber (Kirchberg). Es gibt also einige Toggenburger Gemeinden, die noch nie zum Zug gekommen sind, darunter auch grössere Gemeinden wie Bütschwil und Wildhaus.

Bis 1831 lösten einander Reformierte und Katholiken als Präsidenten des Regierungsrats ab, wobei der Präsident des Regierungsrats zugleich Kantonsratspräsident war. Das erklärt, weshalb Karl Müller-Friedberg (Lichtensteig) immer wieder in dieser Funktion auftaucht und sich mit Julius Hieronymus Zollikofer aus St. Gallen abwechselt. Karl Müller-Friedberg war einer der «Väter» des Kantons St. Gallen. Im frühen 19. Jahrhundert war auch der Wiler Joachim Pankraz Reuty mehrfach Kantonsratspräsident. 1980 wurde erstmals einer Frau, Johanna Nüesch-Winzeler aus Balgach, die Führung des Kantonsrats anvertraut. Bisher verzeichnet St. Gallen acht Kantonsratspräsidentinnen.

«Nicht ganz hundert» Stimmen erhalten

Die Kunstturnerinnen des Trainingszentrums Fürstenland Frauen zeigen eine Choreographie zu Klängen aus «Grease». Imelda Stadler hat selbst eine grosse Leidenschaft fürs Turnen.

Die Kunstturnerinnen des Trainingszentrums Fürstenland Frauen zeigen eine Choreographie zu Klängen aus «Grease». Imelda Stadler hat selbst eine grosse Leidenschaft fürs Turnen.

Um viertel nach drei war es gestern soweit: Ivan Louis gab das Ergebnis der Wahl der Ratspräsidentin bekannt. Bei 116 ausgeteilten Stimmzetteln erhielt Imelda Stadler (FDP, Lütisburg) 99 Stimmen. «Nicht ganz hundert», kommentierte sie launig. Acht Stimmzettel waren leer und neun ungültig. Von den Ratskollegen gab es dennoch sehr herzlichen Applaus. Auf die Wahl folgt traditionell ein Intermezzo. Die frisch gewählte Kantonsratspräsidentin bestimmte selbst, was geschieht. Für Imelda Stalder, selber Musical-Liebhaberin, zeigten Kunstturnerinnen des Trainingszentrums Fürstenland Frauen eine Choreographie zu Klängen aus «Grease». Die Mädchen brachten auf dem engen Raum eine beeindruckende Vorführung zustande und erhielten nicht nur lang anhaltenden Beifall am Schluss, sondern auch mehrfach Szenenapplaus. Und dank der Darbietung weiss man nun, dass die Regierungsbank, falls sie einmal ersetzt wird, in Zweitverwertung als Turngerät dienen kann.

Sich auf Begegnungen mit den Leuten freuen

Imelda Stadler sagte in ihrer Ansprache, dass sie sich auf viele Begegnungen mit den Menschen im Kanton St. Gallen freue. Sie freue sich ebenfalls auf die Herausforderungen der Führung des Rats. Auch im digitalen Zeitalter brauche es Menschen, die aufeinander zugingen. Die Kantonsräte fanden auf ihren Pulten Glückskäfer vor. «Sie wurden im gleichen Jahr kreiert wie ich geboren wurde», sagte Imelda Stadler. Und fügte vorsichtshalber an: «Sie wurden gestern gekauft». Die Käfer kommen gleich wie der neue Vizepräsident, Daniel Baumgartner (SP), aus Flawil.

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