Die Erschliessungsstrasse soll gebaut werden, aber nicht jetzt

Die Projektierung der Erschliessungsstrasse Untersteig/Berstel in Nesslau ist in vollem Gange. Man solle mit der Realisierung aber noch warten, findet der Grundeigentümer, denn das Interesse für die Bauparzellen fehle. Es gebe mehrere Interessenten, kontert der Gemeindepräsident.

Sabine Camedda
Drucken
Teilen
Die neue Strasse soll durch die Wiese führen, derzeit wird das Gebiet Berstel über die Schneitstrasse erschlossen.

Die neue Strasse soll durch die Wiese führen, derzeit wird das Gebiet Berstel über die Schneitstrasse erschlossen.

Bild: Sabine Camedda

Auf der grünen Wiese blüht Löwenzahn und auch die Obstbäume stehen im Blust. Doch auf der Wiese von Köbi Scherrer in Nesslau stecken ebenfalls knallbunte Markierungen. Sie zeichnen den Verlauf einer Strasse an, die von der Hauptstrasse in den Berstel führen soll.

Für diese Erschliessungsstrasse hat die Nesslauer Stimmbevölkerung an der Gemeindeversammlung im Frühjahr 2019 Ja zu einem Kredit über 706'000 Franken gesagt. Die Planung wurde danach an die Hand genommen, noch bis zum 1. Mai liegt das Projekt auf.

Muss man bauen, wenn es nicht notwendig ist?

Grundeigentümer Köbi Scherrer zweifelt nun, ob der Zeitpunkt für die Realisierung der Strasse der richtige ist. Denn: Gemäss seines Wissens sei derzeit keine Rede davon, die Parzellen in der Gewerbe- und Industriezone zu überbauen. Und nur um eine Erschliessungsstrasse zu bauen für einen Betrieb, der bereits anderweitig erschlossen ist, ist ihm sein Land zu schade. «Muss man 2000 Quadratmeter Boden dafür überbauen?», fragt er und hätte gerne die Meinung anderer Nesslauer dazu.

Köbi Scherrer stellt jedoch nicht grundsätzlich das Projekt in Frage und wehrt sich nicht juristisch mit einer Einsprache dagegen. Wenn die besagten Parzellen bebaut werden, dann müssten diese mit einer neuen Strasse erschlossen werden, sagt er. Das sei so mit ihm abgemacht und daran halte er sich. Zudem sei jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Planung an die Hand zu nehmen.

Der Kanton saniert das Trottoir unter anderem in dem Bereich, wo die Erschliessungsstrasse in die Hauptstrasse einmünden würde. Das müsse auf jeden Fall vorbereitet werden, damit bei der Realisierung der Strasse nicht wieder das Trottoir umgebaut werden müsse, findet Köbi Scherrer.

Nein, muss man nicht, sagt der Gemeindepräsident

«Wenn es nur um die Zufahrt zum heute ansässigen Gewerbebetrieb geht, braucht es diese neue Erschliessungsstrasse nicht», sagt Gemeindepräsident Kilian Looser. In diesem Punkt gibt er Köbi Scherrer recht. Doch sie solle eine Investition für die Zukunft sein.

Gemäss Kilian Looser gibt es mehrere Interessenten, die in dieser Industrie- und Gewerbezone bauen möchten. Da derzeit aber Verhandlungen laufen, kann er nicht in die Details gehen.

Eines gibt der Gemeindepräsident aber noch zu bedenken: «Auch für uns ist klar, dass es konkrete Bedürfnisse für die Strasse geben muss. Denn die Finanzierung sieht vor, dass die Strasse von den zukünftigen Bauherren mitfinanziert wird.»