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22-jähriger Toggenburger vor Gericht: Er hatte die eigene Mutter geschlagen

Ein 22-jähriger Toggenburger musste sich vor dem Kreisgericht wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten. Da der Mann psychisch angeschlagen ist, gewährte das Gericht mildernde Umstände.
Timon Kobelt
Der Angeklagte ging auf die eigene Mutter los und verletzte sie am Kopf.Symbolbild: Susann Basler

Der Angeklagte ging auf die eigene Mutter los und verletzte sie am Kopf.Symbolbild: Susann Basler

So einig sieht man die Staatsanwaltschaft und die amtliche Verteidigung nicht alle Tage. Der Verteidiger des Beschuldigten gab in seinem Plädoyer zu Protokoll:

«Ich stimme den Ausführungen der Staatsanwaltschaft vollumfänglich zu.»

Grund für die Einigkeit war ein sogenanntes abgekürztes Verfahren. Bei diesem wird auf ein eigentliches Beweisverfahren verzichtet. Möglich wurde diese Form des Prozesses, weil der Angeklagte seine Schuld in allen Punkten gestanden hatte. Zudem stimmte er wie auch die anderen Parteien dem abgekürzten Verfahren zu.

Beim Beschuldigten handelt es sich um einen 22-jährigen Toggenburger, der gemäss Anklageschrift seit seiner Kindheit psychisch auffällig ist. Nach der obligatorischen Schulzeit verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Eine Berufslehre schloss er nie ab, vielmehr lebte er isoliert. Seine Tage verbrachte er damit, lange zu schlafen, auf Kopfhörern Musik zu hören und Playstation zu spielen, heisst es in der Anklageschrift weiter. Vor dem Kreisgericht Toggenburg in Lichtensteig musste er sich wegen Sachbeschädigung einerseits, und wegen einfacher Körperverletzung andererseits verantworten.

Die eigene Mutter tätlich angegriffen

Im Zeitraum vom November 2017 bis Mai 2018 hat der Beschuldigte in seinem Elternhaus willentlich Sachbeschädigungen verursacht. Unter anderem zerstörte er diverses Mobiliar wie Computer, Fernseher oder den Kühlschrank. Einmal übergoss er Teile der Hausfassade mit Benzin und zündete sie an. Auch die Schuhe seiner Mutter setzte er in Brand.

Die Mutter musste noch mehr leiden: Am 2. Mai 2018 traktierte ihr Sohn sie mit mindestens zwei Schlägen gegen den Kopf. Als ihr Ehemann aufgrund ihrer Rufe herbeieilte, floh der Sohn. Allerdings verhaftete ihn die Polizei nur kurze Zeit später am selben Tag. Die Mutter musste im Spital Wattwil behandelt werden, trug aber keine gravierende Verletzung davon.

Therapie tut dem Beschuldigten gut

Die Psychiatrie St.Gallen Nord in Wil, wo sich der Mann seit der Tat befindet, diagnostizierte für den Angeklagten zum Tatzeitpunkt eine schwere Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis sowie den schädlichen Gebrauch von Cannabis. Der 22-Jährige gab vor Gericht zudem an, er habe damals unter einer Depression gelitten, die durch seine Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt verursacht worden sei. Seit Ende Oktober 2018 gilt sein Aufenthalt in der Klinik im Wil im Rahmen des vorgezogenen Massnahmevollzugs, den sein Anwalt beantragt hat.

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger betonten, dass sich der Zustand des Beschuldigten seither stabilisiert und verbessert habe. Dies sagte er vor Gericht auch selber: «Es geht mir viel besser als vor einigen Monaten. Die Therapie in Wil tut mir gut.» Diese besteht einerseits aus medikamentöser Behandlung. Andererseits kann der 22-Jährige kleineren Arbeiten nachgehen, was seinem Tagesablauf Struktur gibt. «Ich sehe einen Sinn in dem, was ich tue. Das hat mir vorher gefehlt», so der Angeklagte.

Verhältnis zu den Eltern wieder besser

Er bestätigte seine Tat vor dem Gericht noch einmal. Es habe sich alles so zugetragen, wie es in der Anklageschrift stehe. Auf die Frage des Richters, was ihn zu seinem Handeln verleitete, antwortete er:

«Das war damals nicht wirklich ich. Ich musste meinen Frust und meine Wut abbauen. Ich bin heute schockiert, über das, was passiert ist und habe erkannt, dass es ein völlig falscher Weg war.»

Er sei sehr froh darüber, dass das Verhältnis zu seinen Eltern wieder besser sei und dass er inzwischen jedes Wochenende zu ihnen nach Hause dürfe. Die Eltern sitzen auch im Gerichtsaal. So herzlich, wie sie ihren Sohn vor der Verhandlung begrüsst haben, scheint es glaubhaft, dass sich das Verhältnis tatsächlich gebessert hat.

Starke Verminderung der Schuldfähigkeit

Das Urteil entsprach schliesslich dem Vorschlag in der Anklageschrift. Der Angeklagte wurde der einfachen Körperverletzung und der Sachbeschädigung schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von 180 Tagen verurteilt. Richter Bruno Räbsamen meinte, dass dies am unteren Rahmen sei. Die gesundheitliche Situation des Schuldigen habe zu einer starken Verminderung der Schuldfähigkeit geführt. Für den 22-Jährigen wird eine stationäre Massnahme angeordnet, die er schon vorzeitig angetreten hat. Die Freiheitsstrafe wird zugunsten der Massnahme aufgeschoben. Geldstrafen, die aus zwei früheren Verfehlungen resultierten und bedingt ausgesprochen wurden, muss der Schuldige nun bezahlen. Auch die Kosten des Verfahrens hat er zu tragen.

Der Verteidiger lobte die Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden und Instanzen. Womöglich habe es in diesem Fall letztlich die Justiz gebraucht, um einem jungen Mann wieder etwas Perspektive zu geben. Er sehe das Urteil als ein sinnvolles, das Chancen ermögliche. Auch Richter Räbsamen betonte, dass der Schuldige eine neue Chance bekomme und er diese unbedingt nutzen solle.

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