CVP vor SVP: Die Dorfmentalität zeigt, wie die Mosliger ticken

Was steckt hinter dem speziellen «Mosliger-Geist», mit dem viele Einheimische das grosse politische Interesse in der Gemeinde erklären? Das «Toggenburger Tagblatt» hat sich auf Spurensuche begeben.

Timon Kobelt
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Vier Dörfer, eine Gemeinde: In Mosnang herrscht ein besonderer Dorfgeist.

Vier Dörfer, eine Gemeinde: In Mosnang herrscht ein besonderer Dorfgeist.

Bild: PD

«Hier lebt ein sehr aktives Völklein», sagt Gemeindepräsident Renato Truniger. Auch wenn Abstimmen und Wählen offiziell keine Bürgerpflichten seien, würden viele der Menschen in Mosnang dies so empfinden. Ruben Schuler pflichtet bei: «Das politische Gewissen ist hier vorhanden.» Auch Gemeindewahlen seien in Mosnang seit jeher umkämpft.

«In einem ‹Seitentäli› ist man wohl immer ein wenig anders. Gerade auch bei uns führt das dazu, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger politisch einbringen, weil sie etwas bewegen wollen.»

Da mit Andreas Widmer, Mathias Müller, Karl Brändle und Mirco Gerig aktuell vier von elf Toggenburger Kantonsräten ihre Wurzeln in Mosnang hätten, verstärke das Interesse in der Gemeinde sogar noch.

Starker Zusammenhalt in der Gemeinde ist spürbar

Ernst Schellenberg war während 42 Jahren Gemeinderatsschreiber in Mosnang und kennt die Gemeinde wie seine Westentasche. Zunächst zeigt er sich nicht übermässig beeindruckt von den 55,7 Prozent Wahlbeteiligung, die Mosnang kantonal auf Rang eins befördert haben. «Als Walter Hagmann 1963 in den Nationalrat gewählt wurde, war die Wahlbeteiligung deutlich höher», sagt er.

Er anerkennt aber dennoch den starken Zusammenhalt in der Gemeinde: «Aus der Sicht von Bütschwil waren wir immer eine abgelegene Gemeinde, schon vom ÖV-Anschluss her. Deshalb sind die Menschen hier recht zusammengeschweisst.» Obschon das Wir-Gefühl nicht mehr ganz so ausgeprägt wie früher sei, halte es sich doch recht konstant, auch dank der vielen Vereine.

«Von aussen hält man uns vielleicht eher für Rassisten. Doch wir sind das Gegenteil von misstrauisch, in unserer Gemeinde ist viel Menschlichkeit vorhanden. Das bestätigen uns auch Lehrpersonen, die nicht von hier stammen», sagt Schulratspräsident Max Gmür. Er ist der Geburtsvater des weltgrössten Adventskranzes, der vor ziemlich genau zwei Jahren in Mosnang aufgebaut wurde. «Die Teilnahme am öffentlichen Leben ist hier sehr gross. Solidarität wird hochgehalten», sagt Gmür.

«Viele Menschen in Mosnang haben einen weiten Horizont»

Bernhard Graf gibt einen differenzierten Einblick in den «Mosliger-Geist»: «Ich habe schon in anderen Dörfern gelebt. Sie finden alle, dass sie etwas Besonderes sind. Das ist kein alleiniges ‹Mosliger-Phänomen›.» Speziell seien hingegen andere Umstände. Die Gemeinde sei trotz ihrer Aussendörfer kompakt.

«Es sind kompakte Dörfer, keine verzettelten Ansammlungen von Siedlungen.»

Des Weiteren sei Mosnang kein Siedlungsbrei, es habe sich sehr kontinuierlich entwickelt. «Schon vor 100 Jahren hatte Mosnang etwa gleich viele Einwohner wie heute. Hier entsteht also kein klassischer Zuwanderungswandel, sondern ein innerer Wandel in der Gesellschaft», sagt Graf.

Die Menschen in Mosnang würden nicht gerade jedem Hype nachlaufen und liessen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. «Was von aussen als etwas gar bedächtig wirkt, ist im Inneren oft hochinnovativ. Man täuscht sich in vielen Menschen, weil man glaubt, dass Mosliger sonst noch nirgendwo waren», sagt Graf. Doch viele der hiesigen Leute hätten durchaus einen weiten Horizont.

Auch Bernhard Graf hebt die hohe Vereinsdichte hervor. «Fast alle Mosliger sind in eine Gemeinschaft eingebunden, in der diskutiert wird. Ausserdem besetzten junge Menschen dank den Vereinen schon früh anspruchsvolle Aufgaben. Dies fördert nicht zuletzt das Interesse an Entscheidungsprozessen.»