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Die Diagnose Demenz reisst Betroffene mitten aus dem Leben: Diese Angebote helfen

Bei Demenz leidet nicht nur Erkrankte selbst, auch die Angehörigen sind von dieser Krankheit betroffen. Verschiedene Angebote helfen, mit der Diagnose und den unvermeidlichen Folgen umzugehen.
Urs M. Hemm
An Demenz erkrankte Menschen brauchen viel Zuwendung, Geduld und Verständnis. (Bild: Urs M. Hemm)

An Demenz erkrankte Menschen brauchen viel Zuwendung, Geduld und Verständnis. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Diagnose Demenz löst bei den Betroffenen und deren Angehörigen Bestürzung, sicherlich aber auch viele Fragen aus.

«Leider wird das Thema Demenz in unserer modernen Gesellschaft aber noch immer stigmatisiert.»

Daher getrauen sich viele nicht, im Bedarfsfall Hilfe zu suchen», sagt Regula Kündig, Geschäftsleiterin von Alzheimer St.Gallen und beider Appenzell sowie Leiterin des Netzwerks Demenz Toggenburg. Um diese Hürden und Ängste abzubauen, bietet Alzheimer St.Gallen und beider Appenzell niederschwellige Angebote wie Gesprächsgruppen, Kurse und weitere Hilfen an, welche den Umgang mit der Krankheit erleichtern sollen. «Wir möchten damit das Verständnis und die gesellschaftliche Integration von Menschen mit Demenz fördern, insbesondere aber sie und ihre Angehörigen in ihrem Alltag unterstützen», erläutert Kündig.

Austausch mit Gleichbetroffenen hilft, den Alltag zu meistern

Regula Kündig, Geschäftsleiterin Alzheimer St. Gallen und beider Appenzell (Bild: PD)

Regula Kündig, Geschäftsleiterin Alzheimer St. Gallen und beider Appenzell (Bild: PD)

In der Regel erkranken meist ältere Menschen an Demenz. «Es kann aber auch Jüngere treffen, Menschen, die im Arbeitsprozess und mitten im Leben stehen», sagt Regula Kündig. Im Toggenburg selbst gibt es noch kein Angebot, das sich speziell an Jungbetroffene richtet. In St.Gallen hingegen gibt es einmal pro Monat eine Gesprächsgruppe, welche die Möglichkeit bietet, sich unter Gleichbetroffenen auszutauschen. «Nur schon zu wissen, dass man mit seinem Schicksal nicht alleine ist, kann helfen, den Alltag besser zu meistern», sagt Kündig. An diesen Treffen können Betroffene zudem von den Erfahrungen anderer profitieren und deren Strategien im Umgang mit der Krankheit kennen lernen. Parallel dazu gibt es, ebenfalls einmal pro Monat in St.Gallen, eine Gesprächsgruppe für über 65-Jährige.

Weiter organisiert Alzheimer St.Gallen und beider Appenzell mit verschiedenen anderen Organisationen das Café TrotzDem in Wil, St.Gallen, Altstätten und ab Frühling neu auch im Sarganserland. «Das ist ein Treffpunkt − sowohl für Betroffene wie auch für deren Angehörige −, wo sie sich durch Spielen, Singen, aber auch durch Kurzreferate und Diskussionen informieren, sich gleichzeitig aber in geselliger Atmosphäre entspannen können.»

Entspannung und Erholung vom Alltag versprechen auch die Ferien für Demenzerkrankte und deren Angehörige. «Diese Ferien stehen für ausruhen, auftanken, mitmachen oder einfach nur zuschauen und dabei sein. Sie sollen vor allem die Partner entlasten, indem sich je nach gewünschtem Umfang Betreuungspersonen um den kranken Partner kümmern.»

Sich informieren − sich Hilfe suchen

Je nach Fortschritt der Krankheit ist die Pflege von dementen Menschen eine Aufgabe, die rund um die Uhr, sieben Tage die Woche in Anspruch nimmt. «Wie die betroffene Person selbst werden auch die Angehörigen aus ihrem bisherigen Leben von der einen auf die andere Sekunde herausgerissen», sagt Kündig. Gerade in dieser ersten Zeit kann die Infostelle Demenz, die von der Pro Senectute Wil und Toggenburg betreut wird, eine hilfreiche Anlaufstelle sein. «Die Infostelle berät bei Fragen über den Umgang mit Demenzkranken Menschen, hilft bei rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten und gibt praktische Hinweise dazu, wie die Wohnsituation den veränderten Umständen angepasst werden könnte.»

Dort gibt es auch Informationen zu Schulungsangeboten für Angehörige, beispielsweise das mehrteilige Angehörigenseminar oder der Impulsabend für Töchter und Söhne, welche beide an der Geriatrischen Klinik in St.Gallen stattfinden. In Wattwil findet für den Erfahrungsaustausch von Angehörigen untereinander, einmal pro Monat in den Räumen der Pro Senectute eine Gesprächsgruppe statt.

Um die Betreuung zu Hause zu erleichtern und Gefahrenherde zu eliminieren oder zumindest einzuschränken, gibt es verschiedene Hilfsmittel. Da werden beispielsweise Geräte zur Lokalisierung von Gegenständen, für die automatische Herdabschaltung oder Meldesysteme für Notfallsituationen angeboten. Dies seien alles hilfreiche Unterstützer im Alltag. «Wichtig ist aber, dass die Hilfsmittel genau auf den Bedarf der betroffenen Person zugeschnitten sind», sagt Regula Kündig. Dazu brauche es oft eine gezielte Beratung, welche unter anderem die Spitex oder die Pro Senectute der Region anbieten.

Sich auch einmal eine Auszeit gönnen

Trotz aller Beratungsdienste und Hilfsmittel − irgendwann stossen Angehörige, die ihre erkrankten Partner in den eigenen vier Wänden pflegen, entweder an ihre körperlichen oder an ihre psychischen Grenzen. Leider werde es noch oft als Schwäche ausgelegt, wenn jemand um Hilfe nachsucht.

«Darum ist immer wieder zu beobachten, wie sich Menschen um ihre eigene Gesundheit bringen, indem sie jemanden anderen pflegen»

Dies sagt Roman Strübi, Leiter des Seniorenheims Neckertal und Vorstandsmitglied von Alzheimer St.Gallen. Angebote wie der Entlastungsdienst Toggenburg seien da sehr wichtig, damit Pflegende auch einmal eine Auszeit für sich nehmen können, ohne sich um den Partner kümmern zu müssen und ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. «Ein Entlastungsdienst kann aber nur für punktuelle Situationen die Lösung sein. Längerfristig sollten andere Lösungen ins Auge gefasst werden», sagt Roman Strübi.

Roman Strübi Leiter Seniorenheim Neckertal (Bild: Urs M. Hemm)

Roman Strübi
Leiter Seniorenheim Neckertal
(Bild: Urs M. Hemm)

Einen guten Ansatz sieht er in der Möglichkeit, betroffene Personen, deren Krankheit noch nicht so weit fortgeschritten ist, für Tagesaufenthalte oder Ferien in die Obhut eines Seniorenzentrums zu geben. «Das gibt einerseits den betreuenden Angehörigen zu Hause die Zeit, Kraft zu tanken. Andererseits kann ein solcher Aufenthalt den allfälligen Übertritt in ein Heim erleichtern − für beide Seiten», erläutert Strübi. Dieser Schritt sollte jedoch nach Möglichkeit mit dem Einverständnis der betroffenen Person und in Absprache mit dem Hausarzt erfolgen. «Ein Eintritt in ein Heim sollte spätestens dann ernsthaft überprüft werden, wenn die Erkrankung weit fortgeschritten ist und die betroffene Person beispielsweise mit Weglaufen oder Aggressionen auf den sie je länger je mehr überfordernden Alltag reagiert», sagt Strübi.

Die Toggenburger Seniorenheime bieten zurzeit gut 50 Plätze für Demenzerkrankte an. «Meines Erachtens ist diese Zahl aktuell für die Region ausreichend, auch wenn wir immer mehr ältere Menschen haben werden», erläutert Roman Strübi.

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