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Die Chancenlosen – Auch 2020 tritt die EDU im Toggenburg bei den Kantonsratswahlen an

Seit Jahren kämpft die EDU ohne Chancen um einen Kantonsratssitz. Jetzt spricht auch noch der Trend gegen sie.

Ruben Schönenberger
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Sie ist klein und trotzdem immer wieder präsent. Die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) hat im Wahlkreis Toggenburg nur 24 Mitglieder, aber wenn politische Ämter zu besetzen sind, bewerben sich oft auch EDU-Kandidierende. Chancen auf Erfolg hat die EDU dabei höchstens unter ganz speziellen Umständen.

Meist muss man die Wahlresultate bis ganz zum Ende durchforsten, um sie zu finden. So auch im Wahlkreis Toggenburg. 2016 erzielte die gemeinsame Liste von EDU und EVP den drittletzten Platz. Nur die Liste der Jungfreisinnigen und die gemeinsame Liste von BDP und der Jungen CVP schnitten schlechter ab. Gerade mal 1,19 Prozent betrug die Wählerstärke der EDU, wenn man die Stimmen für die EVP ausklammert.

Lisa Leisi, Präsidentin EDU Toggenburg

Lisa Leisi, Präsidentin EDU Toggenburg

Bild: PD

Vier Jahre zuvor waren es immerhin noch 2,2 Prozent gewesen. Damals trat die EDU noch auf einer eigenen Liste an. Das tut sie auch in diesem Jahr wieder. Lisa Leisi, die Präsidentin der EDU Toggenburg sagt: «Wir haben gar nicht mehr gross nachgefragt, die EVP ist hier sowieso fast inexistent.» Mit der SVP hätte man sich eine gemeinsame Liste vorstellen können, aber das habe nicht geklappt.

Handeln basiert auf christlichen Werten

«Es ist schon länger so, dass wir der SVP nahestehen. Wie sich das entwickelt, wird sich aber zeigen», sagt Leisi. Die EDU befürworte zwar zum Beispiel die Begrenzungsinitiative und sage dezidiert Nein zum Rahmenabkommen mit der EU, weil sie sich auch für den Erhalt der Demokratie einsetze, wie sie die Schweiz heute kenne. Bei Familienthemen im Allgemeinen oder der «Ehe für alle» im Speziellen habe sie aber das Empfinden, dass sich die SVP in eine andere Richtung bewege, sagt Leisi. Für die EDU aber ist das ein rotes Tuch. Die Ehe ist für die konservative Partei noch immer eine auf Dauer angelegte Verbindung zwischen Mann und Frau. «Das ist die erfüllendste Art, zu leben», sagt Leisi. «Man ist gesegnet, wenn man diesen Weg geht.» Leisi vermutet, dass es bei der Ermöglichung der Eheschliessung für gleichgeschlechtliche Paare eigentlich um andere Themen geht. Zum Beispiel um Adoption bis hin zu Leihmutterschaft. Leisi sagt:

«Es gibt aber kein Recht auf Kinder. Es gibt nur das Recht des Kindes auf leibliche Eltern.»

Diese Werte und ganz grundsätzlich das Handeln der Vertreterinnen und Vertreter der Partei basiere auf christlichen Werten, erklärt Leisi. «Wir sind alles wiedergeborene Christen, die politisieren.» Ob evangelisch oder katholisch sei dabei egal, auch wenn viele Parteimitglieder in Freikirchen seien.

«Wir sind offen für alle, die sagen können, dass Jesus für sie gestorben und auferstanden ist.»

Man wolle der Entchristlichung der Gesellschaft entgegenwirken. Und stellt sich damit als Partei gegen den Trend. Möchte damit aber jenen die Möglichkeit geben, passende Politikerinnen und Politiker zu wählen, die an diesen Werten festhalten möchten.

Um sich bekannt zu machen, setzt man dabei erstmals auf Flyer in alle Haushalte. Auf Plakate und Veranstaltungen hingegen verzichtet man völlig. Weniger aus Finanzknappheit denn aus Belastungsgründen und der erwarteten Wirkung. Die Personaldecke bei der EDU ist dünn. Das sieht man auch daran, dass nur zwei Personen auf der Liste der Partei stehen.

Wenns konkret wird, wirds weltlich

Die konkreten Themen, die der EDU Toggenburg auf kantonaler Ebene wichtig sind, sind dann doch ganz weltlich. «Es ist eine Frechheit, dass das Volk der Erneuerung und Erweiterung des Spitals Wattwil zustimmt, dann zur Eröffnung des neuen Bettentrakts praktisch der Schliessungsbescheid ergeht und mit der Nichtinbetriebnahme der Operationssäle Tatsachen geschaffen werden», sagt Leisi. Die EDU setze sich für den Erhalt des Spitals ein.

«Im Gesundheitswesen gab es viele Weichenstellungen, die falsch waren», sagt die Präsidentin der Wahlkreispartei. Zum Beispiel könnten die Fallpauschalen dazu führen, dass eine bedarfsgerechte Behandlung der Menschen in Konflikt mit finanziellen Interessen gerate. Sie stellt sich dabei auch die Frage, ob Spitäler denn überhaupt schwarze Zahlen schreiben müssten. «Warum machen wir das nicht wie bei Pflegeheimen, die über die Gemeinden finanziert werden?»

Kritische Haltung gegenüber 5G

Ein besonderes Augenmerk will die EDU auch auf Schulthemen legen. Immer mehr Individualisierung sei nicht die Lösung, wenn dabei die Kinder im Stich gelassen werden. «Die Selbstständigkeit der Kinder ist das Ziel, nicht der Weg», sagt Leisi. Und Computer sollte man nicht zu früh in den Schulalltag integrieren. Weil Kinder mit allen Sinnen lernen müssten und weil die Strahlenbelastung noch ungenügend erforscht sei. Hier schwingt auch eine kritische Haltung gegenüber der neuen Mobilfunktechnologie 5G mit.

Würde die EDU Toggenburg einen Sitz gewinnen, würde sie sich nicht in erster Linie für ein neues grosses Projekt im Tal aussprechen. Nach Campus, Klanghaus und den beiden Umfahrungen müsse man jetzt ein Auge auf die Finanzen haben.