Die Bezwingerin der Olympiasiegerin: Für Mountainbikeprofi Ramona Forchini wird es trotzdem schwierig, sich für die Olympischen Spiele 2020 zu qualifizieren

Drei Schweizer Mountainbikerinnen dürfen an die Olympischen Spiele. Für Ramona Forchini wird es sehr eng – trotz Leistungsausweis.

Daniel Good
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Immer näher an der Weltspitze, bis eine Krankheit sie stoppte: Ramona Forchini am Weltcup in Snowshoe in den USA.

Immer näher an der Weltspitze, bis eine Krankheit sie stoppte: Ramona Forchini am Weltcup in Snowshoe in den USA.

Bild: Niklas Hartmann
  • Es ist schon eine Weile her, seit Ramona Forchini im Weltmeistertrikot mit dem Mountainbike unterwegs war.
  • 2015 wurde die Toggenburgerin in Andorra Weltmeisterin in der U23-Kategorie.
  • Ein Jahr später nahm der Wert des WM-Titels sogar noch zu.

Denn die Schwedin Jenny Rissveds, die in Andorra hinter Forchini den zweiten WM-Platz belegt hatte, gewann 2016 in Rio de Janeiro das olympische Rennen der Frauen.

Rio sah sie vom Fernseher aus

Neben dem Spitzensport versah Forchini damals noch eine Teilzeitstelle im Büro. Die Olympischen Spiele von Rio sah sie im Fernsehen. Auch jene in diesem Sommer in Tokio sind noch weit entfernt für die 25-jährige Wattwilerin.

In der neusten Weltrangliste ist sie zwar als drittbeste Schweizerin aufgeführt, aber die verbandsinterne Konkurrenz ist gross. Drei Schweizerinnen dürfen nach Japan. Jolanda Neff und Sina Frei sind gesetzt. So bleibt noch ein Startplatz frei für Forchini und Co.

Ein Virus bremst ihre olympischen Ambitionen

Forchini ist vorab deshalb im Nachteil, weil sie im vergangenen Sommer das Opfer eines Virus wurde. Nach einem starken Saisonstart wurde sie immer schwächer. Als die besten Schweizerinnen im Herbst nach Japan reisten, um sich mit der Olympiastrecke vertraut zu machen, musste sie sich zu Hause erholen.

Das Nationalmannschaftsmitglied Forchini war bereits für die olympischen Testfahrten aufgeboten, schweren Herzens musste sie absagen. Sie sagt:

«Jene Athletinnen, die in Japan waren, haben sicher die besseren Chancen»

Es waren deren vier. Den olympischen Testwettkampf dominierten die Schweizerinnen im vergangenen Oktober mit den Plätzen eins, zwei, vier und sechs. Im Kampf um die Olympiaqualifikation ist Forchini folglich bloss die Nummer fünf.

Den Ambitionen Forchinis abträglich ist überdies der Selektionsmodus. Bloss noch ein Rennen zählt offiziell zum verbandsinternen Qualifikationsprozedere der Schweizerinnen: der Weltcup am 23.Mai in Nove Mesto in Tschechien. «Da muss ich sicher unter die ersten zehn fahren», sagt Forchini. Ihr bestes Resultat im Cross-Country-Weltcup ist ein 14. Rang. «Es wird enorm schwierig.» Weiter sagt sie:

«Ich muss im ersten Weltcup brutal gut sein, um nur schon wieder ins Gespräch zu kommen, wenn es um die Olympischen Spiele in diesem Sommer geht.»

Für Forchini spricht der Saisonstart. In Spanien gewann sie im Februar ein Etappenrennen. Sie liess die Olympiavierte Emily Batty und Julie Bresset, die Olympiasiegerin von 2012, hinter sich. «Der Wettkampf war sehr gut besetzt. Ich rechnete höchstens mit einer Platzierung unter den ersten zehn. Es waren einige Fahrerinnen am Start, die im Weltcup regelmässig in die Top Ten kommen.»

Forchini trainiert zweimal täglich, um das grosse Ziel zu erreichen. Seit 2018 ist auch die gelernte Kauffrau Vollprofi. In der vergangenen Saison zahlte sich der Schritt zum Profitum zum ersten Mal aus.

So gewann Forchini die Gesamtwertung im Swiss Cup, der zweitwichtigsten Rennserie nach dem Weltcup. Auf höchster Stufe etablierte sie sich in den Rängen 10 bis 20. Bis das Virus sie stoppte.

Auf kurzen Distanzen blieb sie Weltklasse

«Ich fühlte mich nicht mehr gut. Weder in den Rennen noch in den Trainings. Aber man fand lange nicht heraus, was es war. Deshalb bin ich einfach weitergefahren. Die Resultate wurden aber immer unbefriedigender», sagt sie.

Auf kurzen Distanzen blieb sie trotz des Virus wettbewerbsfähig. «Für kurze Intensitäten reichte die Energie.» Mit der Staffel holte Forchini EM-Gold mit der besten Zeit aller Frauen der Elite. In den kurzen Weltcup-Rennen kam sie viermal unter die ersten zehn.

Die Qualität ist vorhanden. Nun ist Forchini wieder gesund und kann das Ticket nach Tokio doch noch ins Visier nehmen.