Die beiden Gähwiler Käsermeister Martin und Fredi Kurmann trotzen der Coronakrise und betreiben seit August 2019 einen Versand- und Onlinehandel

Die Käserei Kurmann vertreibt ihren Käse über ein Webportal. Das Coronavirus hat zwischenzeitlich für einen Einbruch gesorgt, doch die Bestellungen ziehen schon wieder an.

Beat Lanzendorfer
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Luzia Strässle, Doris Löhrer und Sandra Kurmann (von links) sind für das Abpacken und den Versand des Käses zuständig. Täglich werden rund 500 bis 600 Kilogramm Käse verschickt.

Luzia Strässle, Doris Löhrer und Sandra Kurmann (von links) sind für das Abpacken und den Versand des Käses zuständig. Täglich werden rund 500 bis 600 Kilogramm Käse verschickt.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die beiden Käser Martin und Fredi Kurmann fragten sich vor ein paar Jahren: Wie weiter? Die Brüder hatten die Käserei Kurmann, die im Weiler Tannen in der Gemeinde Kirchberg beheimatet ist, im Jahre 2000 von ihrem Vater Alfred übernommen. Er seinerseits hielt seit 1969 das Zepter der 1862 gegründeten Käserei in Händen.

Obwohl die beiden Käser in den vergangenen zwei Jahrzehnten den Absatz vervierfachten, sahen sie weiteres Verbesserungspotenzial.

Weg ohne Zwischenhandel ist planbarer

«Wir hegten seit geraumer Zeit den Wunsch, einen direkten Absatzkanal vom Produzenten zum Konsumenten aufzubauen», sagt Martin Kurmann. «Der Weg ohne Zwischenhandel ist planbarer und sicherer», erklärt er weiter.

Die Chance, ihre Idee durch einen Versand- und Onlinehandel in die Tat umzusetzen, bot sich ihnen im letzten Jahr. Der Inhaber der Sennerei Grund, die im urnerischen Altdorf zu Hause ist, bot Kurmanns seinen Versand- und Onlinehandel inklusive den Kundenstamm mit 3500 Adressen zum Kauf an.

«Zum einen wollte er sich beruflich umorientieren, zum anderen zeigten seine Kinder kein Interesse, die Nachfolge anzutreten», sagt Martin Kurmann. Die beiden Toggenburger packten die Chance beim Schopf und erwarben die Sennerei Grund.

Lieferungen von Montag bis Donnerstag

Nun werden seit August 2019 Alters- und Pflegeheime, Kantinen, Restaurants und Hotels sowie Privatpersonen mit Käse aus Gähwil beliefert. Das Sortiment umfasst rund 40 verschiedene Käse. «Wer eine Bestellung aufgibt, erhält seine Lieferung innert zweier Arbeitstage.» Die Bestellungen werden aber nur zwischen Montag und Donnerstag verarbeitet, weil am Wochenende die Gefahr besteht, dass der Käse liegen bleibt und verdirbt.

Martin Kurmann im Käsekeller in Müselbach, der Platz für rund 60'000 bis 70'000 Laib Käse bietet.

Martin Kurmann im Käsekeller in Müselbach, der Platz für rund 60'000 bis 70'000 Laib Käse bietet.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Bestellungen werden von zwei Mitarbeiterinnen im Homeoffice bearbeitet. «Wir kannten das Homeoffice bereits, bevor es durch die Coronapandemie aktuell geworden ist», sagt Martin Kurmann mit einem Schmunzeln. Für das Verpacken der Bestellungen sowie den Versand sind Luzia Strässle, Doris Löhrer sowie Sandra Kurmann, die Ehefrau von Martin, verantwortlich.

Die Milch, mit der jährlich rund 500 Tonnen Käse hergestellt werden, stammt zu einem Grossteil von 26 Landwirtschaftsbetrieben aus der Region. «Eine kleine Menge kaufen wir von einem Lieferanten zu, der seit Jahren unser Vertrauen geniesst.»

Die Coronakrise schlägt auf den Umsatz durch

Die drei Frauen verpacken täglich zwischen 500 und 600 Kilogramm Käse für den Versand- und Onlinehandel. Gemäss Martin Kurmann seien die Bestellungen in den vergangenen zwei Monaten allerdings um rund 30 Prozent zurückgegangen. Sie seien auch vom vorzeitigen Saisonende der Skigebiete betroffen gewesen, weil viele Bergrestaurants Käse aus Gähwil bestellen.

«Es war auch spürbar, dass viele unserer Kunden ihr Geschäft vorübergehend schliessen mussten, mittlerweile haben die Bestellungen aber wieder deutlich angezogen.» Mit der Öffnung der Bergbahnen erwartet der Käser nun eine weitere Steigerung beim Bestellungseingang.

Angezogen hätten auch die Käsebestellungen der Detaillisten der Region, was sich Martin Kurmann damit erklärt, «dass die Menschen wieder vermehrt die Läden im Dorf und in der Nähe bei ihren Einkäufen berücksichtigen.»

Käsekellerverkauf

Die Käserei Kurmann führt immer am letzten Freitag und Samstag des Monats in Müselbach einen Käsekellerverkauf durch.

Dort wo sich das Käselager der Käserei befindet, kann jeweils am Freitag von 8.30 bis 11.30 Uhr, sowie am Samstag zwischen 8 und 12 Uhr Käse und andere Produkte eingekauft werden. Diesen Freitag und Samstag ist der Verkaufsladen geöffnet. (bl)

Mehr Informationen zum Versand- und Onlinehandel gibt es hier.