Die Bazenheider Schprötz-Tante haben ihre Lieblingsopfer

Seit 30 Jahren bereichern die Schprötz-Tante mit ihren Sprüchen die Fasnacht in der Gemeinde Kirchberg. Mit einem Jubiläums-Ball wird auf die bewegte Vergangenheit und auf die Zukunft angestossen.

Beat Lanzendorfer
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Für die Schprötz-Tante beginnt in zwei Wochen die strengste Zeit des Jahres. (Bild: PD)

Für die Schprötz-Tante beginnt in zwei Wochen die strengste Zeit des Jahres. (Bild: PD)

Wer zum 30. Mal auf Fasnachtstour geht, hat viel erlebt. Manuela Winteler, «Tätschmeisterin» der Bazenheider Schprötz-Tante, weiss darum aus den vergangenen drei Jahrzehnten so einiges zu berichten.

«Die meisten Anekdoten werden uns zugetragen. Es kommt auch vor, dass ein Anrufer auf die Combox spricht, dabei aber unerkannt bleiben möchte. Weil die Nummer des Anrufers aber ersichtlich ist, hätte man trotzdem die Möglichkeit, herauszufinden, wer hinter der Stimme steckt», sagt Manuela Winteler lachend.

Manuela Winteler. (Bild: PD)

Manuela Winteler. (Bild: PD)

Früher hätten sie auch noch ohne Voranmeldung die Restaurants betreten. «Seit fünf jugendliche Gäste bei unserem Erscheinen in einem Gasthaus fluchtartig das Weite suchten, haben wir uns entschieden, einen Fahrplan zu erstellen. So stellen wir sicher, dass wir auf Menschen treffen, die uns zuhören wollen und vermeiden dadurch auch Überschneidungen mit Guggenmusiken.»

Lieblingsopfer, die fast jedes Jahr berücksichtigt werden

Gerne erinnert sich Manuela Winteler auch an den Ende 2003 verstorbenen Fritz Egger: «Fritz ist uns während Jahre nachgereist und hat uns in jedes Restaurant begleitet. Irgendwann fanden alle, wenn er doch eh immer dabei ist, solle er doch gleich Mitglied der Schprötz-Tante werden. Fritz hat begeistert zugesagt und war während Jahre unser Helgen-Träger.»

Nicht zum Lachen, aber nicht allzu tragisch, war jener Anruf, als die Stimme am anderen Ende der Leitung mit dem Anwalt drohte, falls seine Geschichte in Versform vorgetragen werde. Hinter all den Sprüchen stehen in erster Linie Menschen, die mit ihren meist harmlosen Ausrutschern dafür sorgen, dass den Schprötz-Tante das Schprötz-Material nicht ausgeht. Gab es in den 30 Jahren auch Lieblingsopfer, die regelmässig Aufnahme auf einem der produzierten Helgen-Plakate fanden?

Schnitzelbank zur Rose

Jede kennt sie und isch au sicher scho fein go esse
Jo i de Rose Müeselbach do isch mer gern drin gsesse
Fertig isch mit Restaurant und feinem, guetem Wii
Defür ghörsch als Bewohner det zur High Society

«Da muss ich nicht lange studieren, die gibt es tatsächlich. Fritz Rutz, langjähriger Unternehmer und ehemaliger Kantonsrat nimmt in dieser Rangliste ganz bestimmt einen Spitzenplatz ein. Weit vorne landen dürfte auch Heinz Schrepfer. Der einstige Präsident der Dorfkorporation war über viele Jahre hinweg Sprüche-Garant. Immer für eine Geschichte gut war und ist Felix Schlumpf. Inzwischen pensioniert war er während Jahrzehnte Lehrer in Bazenheid.»

Die Schprötz-Tante lösen sich am Ende der Fasnacht immer wieder auf. Die Neugründung erfolgt dann jeweils im November, wenn sich die Mitglieder zur ersten Sitzung treffen. In dieser werden erste mögliche Themen aufgelistet und drei bis vier Gruppen gebildet, die für das Reimen der Sprüche zuständig sind. Im Januar werden an einer Spruch-Sitzung maximal 23 Sprüche ausgewählt, die vor Publikum vorgetragen werden. Ein interner Schamauchenhöck kurz vor Fasnachtsbeginn dient als Hauptprobe, dann müssen die Sprüche definitiv sitzen.

Es gibt immer weniger Restaurants

Der Zahn der Zeit nagt nicht etwa an den Schprötz-Tante, sondern vielmehr an den Aufführungsorten. «Früher traten wir in 12 bis 18 Restaurants auf. Heute sind es noch etwa zehn. Ein Umstand, der leider auch mit dem Beizensterben zu tun hat, was wir sehr bedauern», meint Manuela Winteler abschliessend. Trotzdem sind die Schprötz-Tante zuversichtlich, dass noch weitere Jubiläen auf sie zukommen.

Geklopfter Spruch zur Rampe

De Lift im Gmeindshus isch kaputt und git de Geischt grad uf
Zom is OG cho do bruchts etz Speuz und au chli Schnuuf
Wills kä Serviceabo hend und Teili nöd chasch bache
Mues de Helg e breiti Rampe a die Hötte mache

1989 von Albert und Margrit Meile ins Leben gerufen, erfreuen sich die Schprötz-Tante nämlich nach wie vor bester Gesundheit. Vom zwölfköpfigen Ensemble sind seit der Gründung Manuela Winteler, Margrit Meile und Hans «Hasä» Stadler immer noch dabei. Dazu gehört auch weiterhin Albert Meile, der als Helfer im Hintergrund wertvolle Dienste leistet.

Sie und die anderen Schprötz-Tante-Mitglieder möchten mit einem Jubiläums-Schprötz-Tante-Ball allen Zuhörenden für die 30-jährige Treue danke sagen. Zum Ball wird am Fasnachtssamstag, 2. März, ab 19.30 Uhr in den «Bären» eingeladen.

Der Schprötz-Tante Fahrplan:

Donnerstag, 28. Februar:
«Rössli», Gähwil (19.36 Uhr); «Key Bar», Bazenheid (20.26 Uhr); «Landhaus», Bazenheid (21.21 Uhr).

Freitag, 1. März:
«Edelweiss» Bazenheid (19.13 Uhr); «Toggenburg», Tüfrüti (20.16 Uhr); Café Central, Kirchberg (21.13 Uhr); Käserei Müselbach (22.18 Uhr).

Samstag, 2. März:
Jubiläums Schprötz-Tante-Ball im «Bären», Bazenheid (ab 19.30 Uhr).

Montag, 4. März:
«Toggenburgerhof», Kirchberg (9.11 Uhr); «Sonnegrund» Kirchberg (10.23 Uhr); Schützenhaus, Dietschwil (20.43 Uhr).