Die Auswahl an Kandidierenden für die Kirchberger Erneuerungswahlen ist erfreulich gross

Zehn wollen in den Gemeinderat, sieben schaffen es – am Donnerstag wurde den neuen Kandidierenden während eines Podiums in Gähwil auf den Zahn gefühlt.

Beat Lanzendorfer
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Sie streben einen Sitz im Kirchberger Gemeinderat an (von links): Jacques Breitenmoser (SVP), Yvonne Tinner-Mannhart (parteilos), Silvan Holenstein (FDP), Reto Hollenstein (CVP), Sepp Meier (CVP), Stefan Diener (SP) und Nadja Bösiger-Wäckerlin (SP).

Sie streben einen Sitz im Kirchberger Gemeinderat an (von links): Jacques Breitenmoser (SVP), Yvonne Tinner-Mannhart (parteilos), Silvan Holenstein (FDP), Reto Hollenstein (CVP), Sepp Meier (CVP), Stefan Diener (SP) und Nadja Bösiger-Wäckerlin (SP).

Bild: Beat Lanzendorfer (Gähwil, 3. September 2020)

Das Kirchberger Stimmvolk hat bei den Erneuerungswahlen am 27. September eine echte Auswahl. Im Gemeinderat wollen zehn Personen einen der neben des Gemeinde- und des Schulratspräsidiums noch zu besetzenden sieben Sitze einnehmen.

Alle vier Ortsparteien beanspruchen Sitze

Nebst den Bisherigen Linus Calzaferri (FDP), Kirchberg, Denise Huber (CVP), Müselbach, und Michael Sutter (FDP), Bazenheid, sind es neu Nadja Bösiger-Wäckerlin (SP), Kirchberg, Jacques Breitenmoser (SVP), Kirchberg, Stefan Diener (SP), Bazenheid, Silvan Holenstein (FDP), Bazenheid, Reto Hollenstein (CVP), Kirchberg, Sepp Meier (CVP), Bazenheid, und Yvonne Tinner-Mannhart (parteilos), Kirchberg.

Die Neuen beantworteten am Donnerstag im Rahmen eines Podiums in der Gähwiler Silberwis die Fragen von Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter «Toggenburger Tagblatt» und «Wiler Zeitung», und des in grosser Zahl erschienenen Publikums.

Wegen der grossen Anzahl an Neu-Kandierenden wurde das Podium zweigeteilt. Nachdem sich die Teilnehmenden der ersten Gruppe vorgestellt hatten, startete Schönenberger den Abend mit der Frage, wo die Gemeinde in 15 Jahren stehe.

Weitere Schwerpunktthemen waren die Familie, die Schule, die Finanzen, die Energie und die unterschiedlichen Kulturen in der Fünf-Dörfer-Gemeinde. Abschliessend mussten sich die Kandidierenden zu einer der fünf nationalen Vorlagen, über die am 27. September ebenfalls abgestimmt wird, äussern.

Die Positionen der Kandidierenden

Nadja Bösiger-Wäckerlin

Die 35-Jährige ist nach einigen Jahren in der Fremde mit ihrer Familie in die Heimatgemeinde zurückgekehrt. Kirchberg sei ein guter Standort, weshalb sie nun mithelfen möchte, junge Familien vermehrt zu unterstützen und die Integration der Migranten noch intensiver zu fördern.

Als Jungunternehmerin mit eigenem Handelsbetrieb liege ihr das örtliche Gewerbe am Herzen. Genauso die Schule, von der sie überzeugt sei, dass die zurzeit etwas verworrene Situation mit Gesprächen zu lösen sei.

Jacques Breitenmoser

Für den 41-jährigen Malermeister steht die Förderung des örtlichen Gewerbes im Vordergrund. Trotz Bevölkerungswachstum müsse es möglich sein, nebst dem Bau von Wohnraum auch dem Gewerbe Land zur Verfügung zu stellen.

Der OK-Präsident der Gewerbeausstellung Kirchberg plädiert dafür, das Gebiet im Stelz und bei der Syma für das Gewerbe zu optimieren. Ihm ist es wichtig, den Dorfcharakter beizubehalten und darauf zu achten, dass das Wachstum in einem vernünftigen Rahmen vonstattengeht. Bei der Vaterschaftsinitiative legt er ein Ja in die Urne.

Stefan Diener

Er vermisst in der Gemeinde ein Integrationskonzept, denn es muss möglich sein, Flüchtlinge innerhalb von sieben Jahren, in denen der Bund die Kosten trägt, zu integrieren. Je früher eine Integration beginne, umso besser. Diese fange bei den Kindern an, dabei seien die Eltern zwingend einzubinden.

Diener befürwortet die Vaterschaftsinitiative, «weil wir uns dadurch den andern Ländern angleichen». Ihm sei auch wichtig, dass die Gemeinde entsprechend ihres Slogans «Gemeinde Kirchberg zum Läbe» geführt werde. «Wir müssen wieder mehr Leben zurück ins Dorf bringen.»

Silvan Holenstein

Er sei ein Urgestein, der schon immer hier gelebt habe, sagte der mit seiner Familie in Bazenheid Wohnhafte. Wohl fühle er sich in der Gemeinde überall – von der Iddaburg bis zur Mühlau. Der Landwirt möchte den Wohn- und Arbeitsort weiter fördern, sieht aber gleichzeitig Verbesserungspotenzial bei der erneuerbaren Energie.

Die Kehrichtverbrennung und das Flusskraftwerk seien gute Beispiele, nun würde er am liebsten alle Haushalte an die Fernwärme anschliessen. Beim Jagdgesetz plädiert er für ein Ja, weil sich die Jäger ihrer Verantwortung durchaus bewusst seien.

Reto Hollenstein

Der 51-jährige Bankfachmann lebt mit seiner Familie seit acht Jahren in Wolfikon. Er attestiert der Gemeinde einen guten Mix zwischen Arbeits- und Wohnort und hebt die gute Infrastruktur hervor. Er plädiert für die Schaffung eines Begegnungsortes.

Durch verschiedene Tätigkeiten in seiner früheren Wohngemeinde Jonschwil hätte er bereits Erfahrung in öffentlichen Ämtern sammeln können. Bei der Begrenzungsinitiative legt er ein klares Nein ein, weil «wir mitten in Europa leben und ohne Vertrag einer ungewissen Zukunft entgegensteuern».

Josef Meier

Der 56-jährige Meisterlandwirt wohnt seit zehn Jahren in Bazenheid und sieht sich bei einer allfälligen Wahl als Vertreter der Landwirtschaft. Zudem sei er ein ausgeprägter Vereinsmensch. Im Weiteren würde er es begrüssen, wenn die Gemeinde bis 2035 energieautark und CO2-neutral wäre.

Bei den nationalen Wahlen sagt er Ja zum Kinderabzug. Als Vater von vier Kindern, von denen die eine Tochter eine Kaderposition einnehme, müsse es möglich sein, die Familie weiter zu stärken – auch für Kaderfrauen.

Yvonne Tinner-Mannhart

Die 49-Jährige kenne die Gemeinde bestens, weil sie in Bazenheid aufgewachsen sei und mittlerweile seit über zwanzig Jahren in Kirchberg lebe. Sie erwartet eine grössere Wertschätzung gegenüber den Flüchtlingen und mehr integrative Massnahmen.

Die medizinische Praxisassistentin und Naturheilpraktikerin wünscht sich ganz allgemein wieder ein vermehrtes mit- statt ein gegeneinander. Als fragwürdig sieht sie das von der Gemeinde diese Woche vorgestellte Betriebs- und Gestaltungskonzept an. Genauso lehnt sie die Begrenzungsinitiative ab: «Ein Nein können wir uns nicht leisten.»

Andere Dörfer nicht vergessen

Sorgen bereitet allen Kandidierenden die Gefahr, dass das Dorf Kirchberg zu einem Schlafdorf verkommen könnte. Bei den Fragen aus dem Publikum wurde unter anderem der Wunsch geäussert, nicht nur Bazenheid und Kirchberg in den Fokus zu rücken. Dietschwil, Gähwil und Müselbach sollten nicht vergessen gehen.