Die Anwesenheit des Wolfes in der Schweiz wird kontrovers diskutiert – auf der Leinwand ist er schon zurück

Thomas Horat beleuchtete mit seinem Dokumentarfilm «Die Rückkehr der Wölfe» am Dienstagabend im Kino Passerelle in Wattwil das Zusammenleben von Mensch und Wolf.

Jan Zikeli
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Die Kinobesucher in Wattwil wurden mit einer vom Forstverein St.Gallen offerierten Suppe empfangen.

Die Kinobesucher in Wattwil wurden mit einer vom Forstverein St.Gallen offerierten Suppe empfangen.

Bild: Jan Zikeli

150 Jahre nach ihrer Ausrottung in der Schweiz steigt die Population der Wölfe wieder kontinuierlich an und ist Gegenstand kontroverser und hitzig geführter Debatten. Der Dokumentarfilm von Thomas Horat reiht sich in den allgemeinen Diskurs über die Beziehung des Menschen zum Wolf ein und soll vor allem eines: aufklären.

Nach Aufführungen in Chur, Basel und Bern ist «Die Rückkehr der Wölfe» zusammen mit dem Regisseur am Dienstagabend auch ins Kino Passerelle nach Wattwil gekommen, um dies zu tun.

Zu Wort kommen Forscher, Hirten und Schafhalter

Während in den Wolfdebatten oft polarisiert wird und auch die Darstellung der Wölfe in den Medien einseitig durch Negativmeldungen geprägt ist, versucht Horat aus dem Schwarz-Weiss-Denken auszubrechen. Dazu der Schweizer Filmemacher:

«Ich wollte einen Film über
den Wolf machen und nicht
für oder gegen den Wolf»

Er verzichtet weitgehend auf emotionalisierende Bilder, Polemik oder Romantik. Stattdessen schafft er eine differenzierte Sicht auf die Wolfsthematik, indem er sowohl Wildtierbiologen und -forscher als auch Hirten und Schafhalter zu Wort kommen lässt.

Dafür begab sich der Macher von «Wätterschmöcker» und «Alpsummer» nicht nur auf Spurensuche in der Schweiz, sondern auch in Österreich, Deutschland, Polen, Bulgarien sowie im US-amerikanischen Bundesstaat Minnesota. Neben Schafhaltern, welche die Wölfe nicht in ihrer Gegend haben wollen, überwiegt im Film jedoch die Ansicht, dass der Wolf ganz klar eine Daseinsberechtigung hat.

Schafhirte, Jäger und Aktivist

Stellvertretend dafür steht die Aussage der österreichischen Wildtierbiologin, Gudrun Pflüger: «Wir stehen nicht über Gott und haben kein Recht, darüber zu bestimmen, welches Tier wo leben darf.» Nicht nur eine Existenzberechtigung, sondern auch eine wichtige Funktion in der Natur hat der Wolf David Gerke zufolge. Gerke ist Schafhirte, Jäger und Aktivist der Gruppe «Wolf Schweiz» und erklärt: «Wildtiere wie der Hirsch oder Rehe verunmöglichen eine natürliche Verjüngung des Walds.

Der Wolf kann helfen, dass der Wald wieder zu seinem Gleichgewicht kommt.» Ähnlich beschreibt dies das Vorstandsmitglied des St.Galler Forstvereins Thomas Abderhalden kurz vor der Filmvorstellung, der mit rund 60 Förstern ebenfalls das Kino besuchte. «Wo der Wolf lebt, wächst der Wald», rezitiert der Förster ein russisches Sprichwort.

Toleranz zum Wolf erhöhen

Dennoch wird das Zusammenleben mit dem Wolf in der Dokumentation weder stilisiert noch idealisiert. Die Szenen im US-amerikanischen Minnesota gegen Ende des Films muten zwar harmonisch an, Horat und die Protagonisten wissen jedoch, dass die Möglichkeit zur Regulation der Wolfsbestände vorhanden sein sollte.

Der Schweizer Filmemacher Thomas Horat (links) stellt sich für eine kleine Diskussionsrunde mit Kinoleiter Peter Bötschi und dem Publikum im Anschluss an den Film zur Verfügung.

Der Schweizer Filmemacher Thomas Horat (links) stellt sich für eine kleine Diskussionsrunde mit Kinoleiter Peter Bötschi und dem Publikum im Anschluss an den Film zur Verfügung.

Bild: Jan Zikeli

«Weil sie mit Menschen in Konflikt geraten, machen sie sich Feinde, ob uns das gefällt oder nicht. Wenn Wölfe Feinde haben, ist das nicht gut für sie», analysiert der US-amerikanische Verhaltensforscher David Mech die Beziehung zum Menschen. Die Möglichkeit, die Wolfspopulation entsprechend zu regulieren, sei mit dem derzeitigen Jagdgesetz in der Schweiz bereits möglich, meint Horat im Hinblick auf die Abstimmung über das revidierte Jagdgesetz, welche im Mai dieses Jahres stattfinden wird.

Zurzeit leben rund 50 Wölfe in der Schweiz, die Ökologie würde etwa 400 bis 500 Wölfe vertragen, sagt Horat. Die Toleranzgrenze der Bevölkerung schätzt er jedoch deutlich niedriger ein. Seine Dokumentation leistet jedenfalls ihren Beitrag dazu, diese Toleranz zu vergrössern und sich differenziert mit dem Thema Wolf auseinandersetzen zu können.