Die Altersheime und Schulen der Region Fürstenland-Toggenburg sind wegen des Corona-Virus in Alarmbereitschaft

Die Corona-Welle beschäftigt in der Region erst das Schul- und Altersheimpersonal, die Schüler und Bewohner aber noch kaum.

Fabio Giger
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Anna Maria Cappelletta desinfiziert sich die Hände. Für die Leiterin der Abteilung Pflege und Betreuung im Tertianum Rosenau in Kirchberg ist das Alltag – nicht nur während der Corona-Zeit.

Anna Maria Cappelletta desinfiziert sich die Hände. Für die Leiterin der Abteilung Pflege und Betreuung im Tertianum Rosenau in Kirchberg ist das Alltag – nicht nur während der Corona-Zeit.

Bild: Fabio Giger

Das Corona-Virus hat die Welt fest im Griff. Hysterie und Panik im ganzen Land – könnte man meinen. Anna Maria Cappelletta, Leiterin der Abteilung Pflege und Betreuung im Tertianum Rosenau sagt:

«Von Angst oder Verunsicherung ist hier nichts zu spüren.»

Die meistgefährdete Risikogruppe, Personen im Alter von über 65 Jahren, leben in Altersheimen dicht nebeneinander.

Hygienemassnahmen konsequent umsetzen

«Natürlich ist das Virus auch bei den Bewohnern ein Thema», erzählt Cappelletta. «Aber keinesfalls, weil die Leute Angst vor dem Virus haben.» Die richtige Kommunikation und konsequente Umsetzung von Hygienemassnahmen seien entscheidend, dass sich die Betagten sicher fühlen.

Das rote Plakat mit den sechs Schutzregeln vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist kaum zu übersehen: Es prangt prominent beim Eingang gleich neben dem Desinfektionsmittelspender für Besucher. Im Umgang mit diesen sei man in der Rosenau denn vorsichtiger geworden. Waren Angehörige kürzlich in stark betroffenen Regionen, ist ein Besuch untersagt.

Arbeitsalltag hat sich nicht verändert

«Der Arbeitsalltag des Pflegepersonals hat sich seit dem ersten Corona-Fall hierzulande kaum verändert», sagt Cappelletta. Einzig Weiterbildungen und Kurse für Angestellte wurden abgesagt. «Menschenansammlungen und lange Reisewege sollten vermieden werden», erklärt sie die Massnahme.

Tritt trotz aller Vorsicht doch der Ernstfall ein, leitet der Krisenstab der Tertianum-Gruppe entsprechende Massnahmen ein. Schon aktiv war dieser im Tessin: Seit einer Woche gilt im Südkanton für sämtliche Besucher und Mitarbeitende in Tertianum-Betrieben Schutzmaskenpflicht.

Zum Schnäuzen nur Papiertaschentücher benützen

Gabriella Wiss (Mitte) ist die Leiterin des Alterszentrums Churfirsten. Hier bespricht sie sich bei einer Übung unter anderem mit der Feuerwehr.

Gabriella Wiss (Mitte) ist die Leiterin des Alterszentrums Churfirsten. Hier bespricht sie sich bei einer Übung unter anderem mit der Feuerwehr. 

Bild: Sabine Camedda

Das Tessin beschäftigt derzeit auch das Alterszentrum Churfirsten in Nesslau. «Die Tochter eines Bewohners lebt im Tessin und hätte über Ostern ihren Vater hier besuchen wollen. Wir haben ihr nahe gelegt, den Besuch zu verschieben», sagt die Leiterin des Alterszentrums Gabriella Wiss. Generelle Besuchsverbote sprach man noch nicht aus. Es sei aber denkbar, dass bei einer nächsten Alarmbereitschaftserhöhung vom Bund ein solches verordnet werde.

Gabriella Wiss hat schon vor den ersten Massnahmen des Amts für Gesundheit gehandelt. In einem Schreiben an Angehörige und Bewohner sowie Mitarbeitende des Alterszentrums hat sie die wichtigsten Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus beschrieben. Das Reinigen der Hände mit Desinfektionsmittel beim Betreten und Verlassen des Zentrums ist Pflicht. Husten und Niesen in die Armbeuge ebenso.

«Betagte Menschen brauchen aus Spargründen häufig noch Stofftücher, um die Nase zu schnäuzen. Zurzeit sollten sie aber Papiertaschentücher verwenden.» Laut Wiss eine harte Umgewöhnung für viele.

Kaum Verunsicherung bei Schülern und Eltern

Bei drohenden Pandemien stehen auch Volksschulen vermehrt im Fokus. Gregor Hüppi, Schulleiter der Oberstufe Flawil, verlässt sich auf die Weisungen des BAG. Die Plakate mit den Schutzregeln hängen an sämtlichen Schulhauseingängen, die Anweisungen zum richtigen Händewaschen bei jedem Lavabo. Auch das Hauswartsteam ist gefordert: «Zum Händetrocknen liegen Einwegtücher auf, die Seifenspender müssen immer gefüllt sein und alle Abfalleimer werden so rasch als möglich mit Deckeln versehen.»

Um Ansteckungen zu vermeiden, hat die Leitung der Schule Flawil alle schulhausübergreifenden Versammlungen von Lehrpersonen und Schülern bis zum 15. März abgesagt. «Wenn es einen Corona-Fall gibt, könnte der Bund oder der Kanton das betroffene Schulhaus vorübergehend schliessen. Würde es weiterhin solche Versammlungen geben, müssten wir allenfalls alle Schulhäuser in der Gemeinde dicht machen», sagt Hüppi. Verunsicherung sei bei Schülern und Eltern kaum zu spüren. Aus Corona-Angst sei noch kein Kind der Schule ferngeblieben.

Kinder werden sensibilisiert

Die Schulgemeinde Wattwil hat Anfang Woche in den Schulhäusern ebenfalls Massnahmen ergriffen und Merkblätter verteilt. Im Unterricht wird das Thema Corona-Virus angesprochen, die Kinder sensibilisiert. Desinfektionsmittel auszuteilen, sei derzeit aber kein Thema, sagt Schulratspräsident Norbert Stieger. Dieses könne man für das Spital sparen:

«Waschen die Schüler ihre Hände gründlich und sauber, braucht es kein Desinfektionsmittel.»
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