DICKEN
Neckertal: «Ein Dorf muss mit Leben gefüllt sein»

Eine pointierte 1.-August-Ansprache von Maja Meyer-Böhm, flotte Musik der Musikgesellschaft und ein Lampionumzug waren am Vortag des Nationalfeiertags in Dicken Programm.

Franz Steiner
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Maja Meyer-Böhm, Gemeinderätin von Neckertal, hielt die Festansprache an der Bundesfeier in Dicken.

Maja Meyer-Böhm, Gemeinderätin von Neckertal, hielt die Festansprache an der Bundesfeier in Dicken.

Bild: Franz Steiner

Bei der Mehrzweckanlage Dicken feierten rund 80 Einwohner den 730. Geburtstag der Eidgenossenschaft. Der Verkehrsverein Dicken unter Präsident Thomas Mutti organisiert seit Jahren diese Veranstaltung im 350-Seelen-Dorf.

Die Musikgesellschaft Dicken umrahmte die Bundesfeier.

Die Musikgesellschaft Dicken umrahmte die Bundesfeier.

Bild: Franz Steiner

Das offizielle Programm startete um 20 Uhr in traditioneller Manier mit der Musikgesellschaft Dicken unter der Leitung von Reto Rast mit einem Reigen bunter Melodien. Später wurden mit dem Spiel der Musikgesellschaft die Strophen der Nationalhymne mit Inbrunst gesungen.

Das Dorf in den Mittelpunkt gestellt

Maja Meyer-Böhm hielt die Festrede. Die Gemeinderätin von Neckertal kennt die Gegend sehr gut, ist sie doch vor rund 30 Jahren vom linken Zürichseeufer nach Mogelsberg gezogen.

Maja Meyer-Böhm stellte in ihrer Rede das Dorf in den Mittelpunkt mit der rhetorischen Frage: Wann ist ein Dorf ein Dorf – und nicht nur ein paar Häuserzeilen.

«Für mich muss ein Dorf mit Leben gefüllt sein. So wie bei euch Dicklern. Ihr macht etwas fürs Dorf und seid in irgendeiner Form engagiert.»

Viele Einwohner seien in Vereinen wie in der Musikgesellschaft, die schon seit 150 Jahren Bestand hat, aktiv. Darauf dürfe jedes Mitglied der Dorfmusik, aber auch jeder Einwohner Dickens stolz sein, sagte Maja Meyer-Böhm.

Dabei erwähnte sie eine kleine Episode: «In meinem Heimatdorf Oberrieden bin ich schon als kleines Mädchen dem Musikverein nachgelaufen, wenn er in den Strassen geübt hat. Musik im Dorf ist ein magischer Anziehungspunkt.» Sie erwähnte weitere Trouvaillen in Dicken und der Umgebung wie das Feuerwehrmuseum, den schönen Dorfbrunnen oder die vielen Naturschönheiten.

«Ihr seid ein reiches Dorf, tragt Sorge und engagiert euch weiterhin. Das ist der Kern unserer Gemeinschaft. Am Ende des Tages wird der Wert daran festgemacht, was man für die Gemeinschaft im Dorf gemacht hat.»

«Zusammen etwas auf die Beine stellen, etwas gemeinsam erleben ist wertvoll und gibt Kraft gegen die digitale Übermacht.»

Wenn jeder nur noch mit seinem kleinen Gerät beschäftigt ist, hat er zwar eine Flut von Informationen, aber keinen direkten menschlichen Kontakt.

Veränderungen wie die Gemeindefusion als Chance

Im Mogelsberger Buch ist ein Beitrag von Hans Naef über das alte Stickerdorf Dicken zu finden. Es sei hoch spannend, was darin über die damalige Zeit steht, sagte Meyer-Böhm. Doch wir stünden vor einer Veränderung und würden grösser.

Hemberg und Oberhelfenschwil würden ab 1. Januar 2023 zur Gemeinde Neckertal gehören, rief Maja Meyer-Böhm in Erinnerung und erwähnte, dass es wichtig sei, dass in der neuen Gemeinde auch die Mitarbeit von Dickler Einwohnern gefragt ist. Dass im Dorf etwas laufe, sei wichtig, betonte die Gemeinderätin. Man sollte aber auch den Schritt aus dem Dorf heraus machen und sich für das gute Gedeihen der Gemeinde einsetzen.

Traditioneller Lampionumzug beim Eindunklen

Traditionsgemäss formierten sich die Kinder beim Eindunkeln mit leuchtenden Augen und ihren Lampions zum Umzug. Bei leichtem Regen und Böllerkrachen am Nachthimmel drehten sie ihre Runde. Unter schützendem Dach fand bei gemütlichem Beisammensein die 1.-August-Feier an diesem 31. Juli einen schönen Abschluss.