Diakon repariert in Bütschwil Elektrogeräte: «So spannend wie ein Krimi»

Die neue «Flicki» im b’treff ermöglicht so manchem Elektrogerät ein «neues Leben». Dafür sorgt der Diakon.

Kathrin Burri
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Diakon Alex Schmid repariert jeweils am ersten Dienstag im Monat in der Bütschwiler Flicki Geräte, die von der Kundschaft vorbeigebracht werden.

Diakon Alex Schmid repariert jeweils am ersten Dienstag im Monat in der Bütschwiler Flicki Geräte, die von der Kundschaft vorbeigebracht werden.

Bild: Kathrin Burri

Zwei Geschichten sind in die Eröffnung der «Flicki» im b’treff im Bahnhofsgebäude in Bütschwil verwoben. Die eine ist, dass Diakon Alex Schmid seit Jahren auch als Militärdiakon arbeitete und so Zeit und Möglichkeit hatte, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Die andere, dass Alex Schmid in seinem ersten Berufsleben als Elektroniker arbeitete. Er kennt das Innenleben von elektrischen Geräten und weiss deshalb, wie kleinere Schäden zu beheben sind oder ob sich eine Reparatur noch lohnt.

Alex Schmid ist in der Flicki ausgerüstet mit Lötapparat, Schraubenzieher, Klemmen und allerlei Ersatzmaterial wie Schrumpfschläuche, Batterien und was es der Gegenstände noch alles so braucht.

Sinniger, neuer Arbeitsauftrag

An die Kirchentüre zu klopfen und regelmässig am Gottesdienst teilzunehmen, sei für viele Menschen, insbesondere für junge Leute wie sie Alex Schmid bei seinen Einsätzen im Militär angetroffen hat, heute kaum mehr üblich, weiss der Diakon. Selber ein passionierter Flieger, hat er aber oft erfahren: «Mit jungen Militärpiloten über einen Himmel über dem Himmel zu sprechen, ist sehr wohl möglich». Seine Zeit als Militärdiakon hat Alex Schmid kürzlich beendet und innerhalb seiner Anstellung als Diakon für die Katholische Kirche eine neue Aufgabe gesucht.

Mit Begeisterung erzählt Schmid, dass er am ersten Dienstag im Monat alten elektrischen Geräten in der Bütschwiler Flicki zu einem neuen Leben verhelfen könne, wenn es sich zeigt, dass sie noch zu flicken sind. Guter Werkstoff muss nicht weggeworfen werden. Damit wird der gängigen Strömung von Materialverschwendung entgegengewirkt. «Sinnig», nennt Alex Schmid diesen neuen Arbeitsauftrag. In einem Elektrogeschäft könne unmöglich so gearbeitet werden, da die Arbeitszeit im Verhältnis mit den Kosten eines neuen Gerätes viel zu teuer sei.

Dass d’Flicki ein guter Ort sein kann, Gespräche so am Arbeitstisch – Drähte, Geräte und Lötstab in der Hand – ganz niederschwellig anzubieten, ist selbstredend. Schmid schmunzelt und sagt: «Kirche ist mehr als Gottesdienst. Manchmal muss die Kirche halt hinaus zu den Menschen gehen.» Jetzt fliessen die beiden Geschichten ineinander.

Bald auch mechanische Reparaturen möglich?

Das Angebot, das im b’treff Bütschwil besteht, ist von der Grundidee nicht neu. Verschiedene andere Organisationen in der näheren Umgebung flicken bereits erfolgreich und haben guten Zulauf. Als Gast ist heute Edelbert Wehrli da. Er bietet diesen Dienst in Wil an. Die Kirchenverwaltung sei sehr offen mit seinem Anliegen umgegangen, erzählt Diakon Schmid. «Elektrische Geräte zu flicken ist spannend wie ein Krimi», sagt er und lacht. Denn man sei intensiv auf der Suche nach dem Schaden.

Bereits besteht der Plan, mit der Zeit auch mechanische ­Dinge zu flicken. Dazu wäre Balz Wielatt aus Ganterschwil bereit. Der b’treff Bütschwil mit seinem ökumenischen Konzept, getragen von der Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg und den dazugehörenden Gemeinden, ist ein idealer Ort um d’Flicki unterzubringen. Unter der Leitung von Silvia Suter bestehen vor Ort bereits ein Café sowie verschiedene Angebote für Armutsbetroffene und Flüchtlinge.

Unterdessen ist es 14 Uhr geworden. Der erste Flickgegenstand liegt auf dem Arbeitstisch. Es ist ein Haarföhn mit einem zerschlissenen Kabel. Eine Kleinigkeit für Alex Schmid und nach getaner Reparatur eine grosse Erleichterung für die Benutzerin.