Der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid investiert 63 Millionen Franken in eine neue Ofenlinie – die alte ist 35-jährig

Mit 5,6 Millionen Franken erwirtschaftete der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid im Geschäftsjahr 2018 ein Rekordergebnis. Die erwirtschafteten Mittel werden für künftige Projekte zurückgestellt.

Beat Lanzendorfer
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Der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid tätigt in den kommenden Jahren Investitionen in der Grössenordnung von 63 Millionen. Unter anderem wird eine 35-jährige Ofenlinie ersetzt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid tätigt in den kommenden Jahren Investitionen in der Grössenordnung von 63 Millionen. Unter anderem wird eine 35-jährige Ofenlinie ersetzt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) sammelt und verwertet für 35 Gemeinden Haushalts-, Industrie- und Gewerbeabfälle sowie Schlämme aus kommunalen und industriellen Kläranlagen. Im vergangenen Jahr waren es rund 150000 Tonnen.

Erfolgsmodell Unterflurbehälter

Dessen Delegierte stimmten am Donnerstag im Kirchberger Toggenburgerhof einem Kredit von 63 Millionen Franken für die Optimierung des Energieparks Bazenheid zu. Darüber hinaus wird das Erfolgsmodell Unterflurbehälter weiter ausgebaut. Zu den derzeit rund 800 sollen bis im Jahr 2026 weitere 700 hinzukommen. Hier beträgt das gesamte Investitionsvolumen rund 16 Millionen Franken.

Das gute Ergebnis mit den erwirtschafteten 5,6 Millionen Franken wird vor allem auf die Verarbeitungsmengen in den Thermischen Anlagen sowie im Sortierwerk Bazenheid zurückgeführt. Aufgrund dieser Mengen seien höhere Erlöse im Verkauf von Energie erzielt worden.

Der Energiepark wird optimiert

Der 63-Millionen-Kredit dient zur Modernisierung des Bazenheider Energieparks. Im Zentrum stehen dabei der Ersatz der Feuerung und des Kessels der 35-jährigen Ofenlinie 3, der Ersatz der Entstaubungsanlagen sowie der Ersatz der nasschemischen Reinigung mit einer Trockenreinigungsstufe.

Mit dem geplanten Umbau soll die Betriebseffizienz der Anlagen weiter verbessert werden. Schon in den letzten Jahren war es möglich, die Stromproduktion mehr als zu verdoppeln.

Der Umbau der Anlage soll vollständig im bestehenden Gebäude und während des laufenden, jedoch reduzierten Betriebs vonstatten gehen. Dabei bemerkte Claudio Bianculli, der Vorsitzende der ZAB-Geschäftsleitung, «dass wegen des reduzierten Betriebs der Reingewinn der nächsten Jahre tiefer als im abgelaufenen Rechnungsjahr ausfallen dürfte». Der Zeitplan sieht den Baubeginn im Winter/Frühjahr 2019/2020 vor. Die Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist im Herbst/Winter 2022 vorgesehen.

Cashflow von sieben bis zehn Millionen Franken

Dank Vorfinanzierungen von knapp 17 Millionen Franken sowie eines jährlich zu erwartenden Cashflows von sieben bis zehn Millionen Franken ist der Zweckverband in der Lage, die geplanten Investitionen innert weniger Jahre weitgehend aus eigenen Mitteln zu finanzieren.

Laut Bianculli ist es durch die geplanten Massnahmen möglich «den Eigenenergieverbrauch um 20 bis 30 Prozent zu senken». Damit werden am Standort Bazenheid optimale Rahmenbedingungen für die Energieproduktion geschaffen.

Gleichzeitig werden ideale Voraussetzungen für den weiteren Ausbau der externen Energienutzung, beispielsweise den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes gelegt. Zudem kann die Flexibilität in der Energieproduktion mit einer vermehrten Ausrichtung auf Bedarf und Nachfrage gesteigert werden.

Phosphorrückgewinnung nimmt Formen an

An der Delegiertenversammlung wurde auch die Rückgewinnung von Phosphor thematisiert. Weil die aus der Schlammverbrennungsanlage anfallende Asche phosphorhaltig sei, dränge sich eine weitergehende Nutzung auf. In Zusammenarbeit mit Partnern will der ZAB den in der Asche enthaltenen Phosphor in Form von Dünger wieder in den natürlichen Kreislauf zurückführen.

Mit der Bekanntgabe der Qualitätsanforderungen für Düngerprodukte aus der Rückgewinnung von Phosphor durch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) und das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) sind nun die Grundlagen für einen weiteren Entwicklungsschritt gelegt. Die technische Machbarkeit für die Rückgewinnung und Veredelung des Phosphors am Standort Bazenheid sei mittlerweile nachgewiesen und entsprechende Gespräche mit Behörden sowie möglichen Partnern und Abnehmern der Düngerprodukte seien im Gange.

Nun soll in diesem Jahr ein Bauprojekt inklusive Kostenvoranschlag mit entsprechender Wirtschaftlichkeitsrechnung ausgearbeitet werden. Nach Erarbeitung von Kooperationsverträgen mit strategischen Partnern wird 2020 die Gründung einer Aktiengesellschaft angestrebt. Nach der Umsetzung der notwendigen baulichen Massnahmen wird mit der Aufnahme der Produktion im Jahre 2022 gerechnet.

Der Kuh-Bag ist weiter auf dem Vormarsch

Gemäss Kurt Baumann, Präsident des ZAB-Verwaltungsrates, sei der Kuh-Bag weiter auf dem Vormarsch. Im Jahre 2015 gemeinsam mit dem Verband der Thurgauer Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) lanciert, «ist die Sammlung von gemischten Kunststoffen aus Haushalten immer beliebter.»

Im vergangenen Jahr seien es über 560 Tonnen gemischte Kunststoffe gewesen, welche in den Verbandsgebieten der KVA und des ZAB eingesammelt wurden.

Veränderungen in der Geschäftsleitung

Der Geschäftsleitung der ZAB gehören Claudio Bianculli, Urs Corradini, Altay Koc, Martin Stäheli und Leo Näf an. Letzterer ist Leiter der Geschäftsbereiche Finanzen/Administration und Personal. Er tritt am 1. Oktober zurück.

Von links: VR-Präsident Kurt Baumann, Reto Almer, neuer Finanzchef, Leo Näf, alter Finanzchef, und Geschäftsleiter Claudio Bianculli.

Von links: VR-Präsident Kurt Baumann, Reto Almer, neuer Finanzchef, Leo Näf, alter Finanzchef, und Geschäftsleiter Claudio Bianculli.

Seine Nachfolge als Finanzchef wird Reto Almer antreten. «Ich hoffe, er wird uns in Zukunft ähnliche Zahlen wie sein Vorgänger präsentieren», sagte Kurt Baumann mit einem Augenzwinkern.

25-Jahr-Jubiläum

Claudio Bianculli gehört seit 1994 der Geschäftsleitung des ZAB an. Anfangs als Leiter Bau und Deponien in der dreiköpfigen Geschäftsleitung, seit 2006 als dessen Vorsitzender.

Dies entlockte Verwaltungsratspräsident Kurt Baumann die Aussage: «Claudio Bianculli ist für den Zweckverband ein absoluter Glücksfall.»

Dabei hatte ihn Beda Lengwiler, der damalige VR-Präsident mit der Aussicht eingestellt, dass sein Engagement mit ziemlicher Sicherheit wohl nur auf drei Jahre befristet sei. (bl)