Der Windpark im Älpli bei Krinau polarisiert

Die geplanten Windräder spalten die Gemüter. Daran ändert auch die Anpassung des Richtplans nichts. Die Gegner sehen Gefahren für Gesundheit und Landschaft. Die Projektträger widersprechen.

Ruben Schönenberger
Drucken
Teilen
Windkraftwerke wie hier im Windpark Le Peuchapatte im Jura könnten auch im Toggenburg gebaut werden. (Bild: Peter Klaunzer, Keystone)

Windkraftwerke wie hier im Windpark Le Peuchapatte im Jura könnten auch im Toggenburg gebaut werden. (Bild: Peter Klaunzer, Keystone)

Seit rund einem Jahr streiten sich Gegner und Befürworter, ob der Standort im Älpli oberhalb von Krinau für einen Windpark geeignet ist. Die einen sehen darin die Umsetzung der Energiestrategie 2050 des Kantons St.Gallen und die konsequente Unterstützung beim Verfolgen des Atomausstiegs. Die anderen warnen vor Beeinträchtigungen für Mensch und Tier und vor einer Verschandelung der Landschaft. Der Kanton steht weiterhin auf der Seite der Befürworter. Denn: Der Standort bleibt auch nach der Vernehmlassung in der aktuellen Richtplan-Anpassung enthalten.

In dieser Vernehmlassung gingen insgesamt 304 Eingaben ein. Obwohl eine ganze Palette an Themen in der Richtplan-Anpassung enthalten ist, betrafen mehr als die Hälfte der Eingaben die vorgeschlagenen Standorte für Windpärke, von diesen wiederum ein grosser Teil denjenigen in Krinau. Verschiedene Gemeinderäte, Organisationen, Vereine, Firmen und auch diverse Einzelpersonen haben sich vernehmen lassen.

Unter den Einzelpersonen auffällig: Die Gegner konnten in der ganzen Schweiz mobilisieren. So ging zum Beispiel unter anderem eine Eingabe aus Lausanne ein. Koordiniert wurde dieser Widerstand vom Verein Älpli Gegenwind, der gemäss Präsidentin Brigitta Schönbächler wächst und bereits rund 180 Mitglieder aufweist. Ob Einzelperson oder Organisation, die Kritik fast aller Gegner lässt sich in drei Themenbereiche gliedern: Mögliche Beeinträchtigungen der Gesundheit, der Natur- und Landschaftsschutz und die Frage nach der Wirtschaftlichkeit.

Gegner fürchten um Lebensqualität

Brigitta Schönbächler, Verein Älpli Gegenwind. (Bild: PD)

Brigitta Schönbächler, Verein Älpli Gegenwind. (Bild: PD)

«Alle Argumente, die gegen den Windpark sprechen, sind wichtig», sagt Vereinspräsidentin Schönbächler. «Aber die Leute, die hier wohnen, sind schon das Wichtigste.» Sie nimmt dabei in erster Linie Bezug auf Lärm und Infraschall, der die Gesundheit beeinträchtigen könne. «Ein Teil der Gesellschaft ist anfällig auf Beeinträchtigungen durch Infraschall», sagt Schönbächler. Dieser könne kilometerweit entfernt noch nachgewiesen werden. «Hier geht es um Lebensqualität», sagt sie. Einzelne Anwohnerinnen und Anwohner könnten gar wegziehen. Der Gesundheitsschutz werde zu wenig stark gewichtet, auch im Vergleich zum nicht mehr im Richtplan vorgesehenen Standort Rheinau, wo der ungelöste Vogelschutz gemäss Kanton einer Aufnahme in den Richtplan entgegen stand. Schönbächler sagt:

«Gewisse Tiere sind geschützter als die Menschen.»

Sie will das aber nicht als Votum gegen den Natur- und Landschaftsschutz verstanden wissen. Sie hätten sich gar in diesem Bereich die grössten Hoffnungen gemacht. Schliesslich liege der Standort unmittelbar neben einem Landschaftsschutzgebiet von nationaler Bedeutung. Zudem sei die Situation vergleichbar mit jener im appenzellischen Oberegg. Dort habe der Kanton Einwände geltend gemacht, in Krinau nicht. «Wir sind schon sehr erstaunt, dass die Verantwortlichen im eigenen Kanton bei einer vergleichbaren Topographie zu einem anderen Schluss kommen», sagt die Präsidentin. Auch diverse Verbände tragen Bedenken bezüglich der Nähe zum Schutzgebiet vor. Der Heimatschutz findet zudem, die Interessenabwägung sei unvollständig geblieben, weil keine Alternativstandorte geprüft wurden.

Schliesslich wird auch die Wirtschaftlichkeit des Windparks weiterhin in Zweifel gezogen. Vereinspräsidentin Schönbächler sagt beispielsweise:

«Der Aufwand, bis die Windräder überhaupt mal errichtet sind, steht in keinem Verhältnis zum Ertrag.»

Sie spielt damit auf die Strassen an, die für den Bau der Anlagen nötig würden. «Da kommt zu wenig Strom», fasst Schönbächler die Position ihres Vereins zusammen. Zudem sei es nicht korrekt, dass der Windpark einen Beitrag zur Netzstabilität leiste, wie der Kanton in den Richtplan-Unterlagen ausführt. Es werde ja gerade Flatterstrom produziert, der nur bei gewissen Windstärken entstehen könne. Stabil sei das nicht.

Keine Auerhühner im Gebiet zu erwarten

Auf einzelne Einwände reagiert der Kanton bereits in der Auswertung der Vernehmlassung. So verneinen die Verantwortlichen das vereinzelt vermutete Vorkommen von Auerhühnern. Der Perimeter liege ausserhalb der Auerhuhn-Verbreitung gemäss dem nationalen Aktionsplan und tangiere keine wichtigen Vernetzungsachsen. Auch in älteren Inventaren seien keine entsprechenden Hinweise zu finden. Weiter sei die Wirtschaftlichkeit durchaus gewährleistet. «Das Windpotenzial am Standort Krinau ist ausreichend, um Anlagen wirtschaftlich zu betreiben», ist den Dokumenten zu entnehmen. Bei den meisten Punkten stellt der Kanton aber bloss eine ausführliche Prüfung in Aussicht, so zum Beispiel bei den Auswirkungen auf die Gesundheit wie auch beim Natur- und Landschaftsschutz.

Thomas Grob hingegen kontert die Einwände bereits jetzt. Grob ist Verwaltungsratspräsident der Thurwerke AG, die zusammen mit dem Westschweizer Energieversorger Groupe E das Krinauer Projekt trägt. Schon in der Vernehmlassung hatte die Thurwerke AG festgehalten, dass die Verträglichkeit des Windparks belegt sei und dass es keine Ausschlusskriterien gebe. Auch die Gesundheitsgefährdung verneinte die Organisation. Die Distanz zu den Dörfern sei ausreichend.

Keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung

Thomas Grob, Thurwerke AG. (Bild: Sascha Erni)

Thomas Grob, Thurwerke AG. (Bild: Sascha Erni)

An dieser Sichtweise hat sich gemäss Grob nichts geändert. Es gebe keine wissenschaftlich fundierten Hinweise, dass die von den Gegnern behauptete Gefährdung der Gesundheit durch Infraschall real sei. Er verweist unter anderem auf Studien des Bundesamts für Gesundheit und des deutschen Bundeslands Baden-Württemberg, die das stützten. Auch das Argument Oberegg lässt Grob nicht gelten. «Die Ausgangslage ist völlig anders.» In Oberegg sei die Sichtbarkeit der Anlagen wesentlich weiter herum gegeben, der Einfluss auf die Umgebung also grösser.

Und bei der Wirtschaftlichkeit verweist er auf die aktuelle Marktsituation. Er sagt:

«Jede Anlage, die jetzt neu gebaut wird, benötigt Subventionen.»

Die Energiepreise seien so tief, dass das gar nicht anders möglich sei. Im Vergleich schneide die Windenergie aber sehr gut ab. «Wir können nicht warten, bis die Energiepreise vielleicht wieder anziehen», sagt Grob weiter. Bewilligungen für Anlagen dauerten eine gewisse Zeit, deshalb müsse man die Planung jetzt angehen.

Die Positionen von Gegnern und Befürwortern widersprechen sich also diametral. Die Gegner vom Verein Älpli Gegenwind kündeten bereits am Montag an, sich «mit allen uns demokratisch und rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln» zu wehren, wie sie in einer Mitteilung schrieben. Präsidentin Schönbächler präzisiert auf Nachfrage, das Hauptziel dabei sei, die Leute zu informieren. «Es gibt immer noch Politiker, die nicht wissen, was da geplant ist», sagt sie. Zudem lasse sich der Verein von einem Rechtsanwalt beraten, um beispielsweise bei einem Baugesuch Einsprache machen zu können.

Anflug auf Flughafen Zürich gestört

So schnell dürfte es um den Windpark oberhalb Krinau also nicht ruhig werden. Sollten sich Gegner und Befürworter doch noch finden, dürfte bis dann auch das bisher kaum thematisierte Problem der Flugsicherheit gelöst sein. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) stellte nämlich eine schwerwiegende Störung des Primärradars Zürich-Holberg durch die Anlagen in Krinau fest, wie der Vernehmlassungsauswertung zu entnehmen ist. Dieser Radar sei für den Anflug auf den Flughafen Zürich von grosser Bedeutung.

Der Kanton will in der nachgeordneten Planung die zuständigen Stellen einbeziehen. Das ist auch gemäss Grob von der Thurwerke AG wichtig. Es lasse sich aktuell nur schwer einschätzen, wie schwierig die Anforderungen der Luftsicherheit umzusetzen seien. Er sagt aber: «Ich gehe davon aus, dass das lösbar ist.»

Weitere Berichte zur geplanten Anlage

Gegner des Windparks erhielten deutlich mehr Applaus

Beim Verein «Gegen Wind Älpli» warnten drei Votanten vor der Landschaftszerstörung und der Unwirtschaftlichkeit sowie vor dem Infraschall des geplanten Windkraftwerks. Thomas Grob warb an einer Veranstaltung im Wattwiler Thurpark für die dezentrale Stromproduktion und für regionale Wertschöpfung.
Martin Knoepfel