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Serie

Der Weiler Tannen in der Gemeinde Kirchberg war einst ein Schulkreis

Zur Gemeinde Kirchberg gehören fünf Dörfer und etwa hundert Weiler – die Siedlung Tannen auf der Strasse nach Gähwil inklusive. Die Sommerserie des «Toggenburger Tagblatts» beleuchtet Weiler und Quartiere.
Beat Lanzendorfer
Im Vordergrund der Weiler Tannen mit dem Wohnhaus von Sepp und Margrit Rutz (rechts). Im Hintergrund die Häusergruppe des Weilers Rupperswil. Die Erhebung links hinten ist der Hüsligs. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Im Vordergrund der Weiler Tannen mit dem Wohnhaus von Sepp und Margrit Rutz (rechts). Im Hintergrund die Häusergruppe des Weilers Rupperswil. Die Erhebung links hinten ist der Hüsligs. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Wer von Kirchberg nach Gähwil unterwegs ist, passiert zuerst den Weiler Tüfrüti. Einen knappen Kilometer später sind linksseitig weitere Häuser zu sehen, die als Weiler Tannen bekannt sind. Wer mehr über diese Häusergruppe erfahren möchte, redet am besten mit Menschen, die dort zu Hause sind. Noch besser mit jenen, die schon immer hier waren. Sepp Rutz ist einer von ihnen.

Der 62-Jährige ist zweijährig mit seinen Eltern und Geschwistern aus Goldingen kommend hierhergezogen und geblieben. «Meine Eltern haben 1959 hier einen landwirtschaftlichen Betrieb gekauft.» Nun bewirtschaftet er mit Ehefrau Margrit seit vielen Jahren das Land. Ihre vier Kinder im Alter zwischen 27 und 35 sind längst flügge geworden.

Ein Lehrer für 100 Schülerinnen und Schüler

Sepp und Margrit Rutz kennen die Geschichte des Weilers Tannen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Sepp und Margrit Rutz kennen die Geschichte des Weilers Tannen. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Über seine Heimat Tannen weiss Sepp Rutz einiges zu erzählen: «Der Ort hatte früher eine eigene Schule, eine eigene Bäckerei und sogar einen Gemischtwarenladen.» Alle drei dafür benötigten Gebäude stehen noch immer. Die Schule inmitten der Häusergruppe ist besonders geschichtsträchtig.

Unterlagen zufolge seien hier vor gut hundert Jahren zwischen 80 und 100 katholische Schulkinder von einer Lehrperson unterrichtet worden. Entlastung kam mit dem Neubau des Schulhauses Müselbach, das im Jahre 1933 eröffnet wurde.

Das Foto zeigt die Schule Tannen mit rund 80 Schülerinnen und Schülern im Jahre 1932 mit Lehrer Hobi. Ein Jahr später wechselte er ins neu erbaute Schulhaus nach Müselbach.(Bild: PD)

Das Foto zeigt die Schule Tannen mit rund 80 Schülerinnen und Schülern im Jahre 1932 mit Lehrer Hobi. Ein Jahr später wechselte er ins neu erbaute Schulhaus nach Müselbach.(Bild: PD)

Dazu Sepp Rutz: «Tannen war früher ein Schulkreis für die katholischen Kinder, zu dem nebst Tannen weitere Weiler wie Chromen, Laubberg, Hawald, Battenberg, Wald und Gauchen hinzukamen.» Die evangelischen Schüler besuchten die Schule in Müselbach. Im Jahre 1972 sei der Schulkreis aufgehoben worden.

Fortan gingen die Schülerinnen und Schüler nach Kirchberg. Heute sei es so organisiert, dass die Primarstufe in Gähwil, die Oberstufe in Kirchberg besucht werde. Weil der Ofen in der Backstube der Chapfenmühle irgendwann kalt blieb und auch der Gemischtwarenladen seine Türe für immer schloss, hätte der Migros-Verkaufswagen hier jeweils angehalten, mag sich Margrit Rutz erinnern.

Die Chapfenmühle, die in früheren Jahren als Bäckerei genutzt wurde. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Die Chapfenmühle, die in früheren Jahren als Bäckerei genutzt wurde. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der Weiler, in dem heute noch rund 20 Menschen leben, sei früher nicht grösser gewesen, allerdings hatte er etwa doppelt so viele Einwohner. «Früher bestand eine Familie aus den Eltern und mindestens sechs bis acht Kindern», sagt Sepp Rutz lachend.

Zur Geschichte des Ortes gehört auch eine Käserei, die 1862 erbaut wurde und als erste in der Gemeinde Kirchberg gilt. Um sich besser zu organisieren, gründeten die Landwirte 1912 im Restaurant Toggenburg in Tüfrüti eine Käsereigenossenschaft. 2012 feierte die Käserei ihr 150-jähriges Bestehen, die Käsereigenossenschaft ihrerseits wurde hundert Jahre alt.

Hier war einst ein Pilgerweg

War die Käserei während Jahrzehnten in der Küche jenes Bauernhauses untergebracht, das der Vater von Sepp Rutz 1959 käuflich erwarb, entschieden sich die Genossenschafter im Jahr der Gründung für einen Anbau, dessen Kosten sich damals auf 10600 Franken beliefen. Heute ist die Käserei Kurmann weit über die Region hinaus bekannt.

Während der Weiler heute abseits des Verkehrs liegt, war dies bis vor etwa 120 Jahren anders. Der Weg von Tannen über die Schmitten nach Dreien war früher Teil des Pilgerweges von Konstanz nach Einsiedeln. Die Strasse von Gähwil nach Mühlrüti wurde erst um 1900 gebaut.

Das Schulhaus Tannen wird heute als Wohnhaus genutzt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Das Schulhaus Tannen wird heute als Wohnhaus genutzt. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Auch zu den sportlichen Vorzügen der Einwohner Tannens weiss Sepp Rutz einige Anekdoten: «Früher war der Weiler eine Fussballhochburg, was mit der Käserfamilie Lüthi erklärt werden kann.» Sowohl Fritz Senior als auch Fritz Junior führten den FC Kirchberg als Präsident. Beide hätten die Jungen hier für den Fussball begeistern können. Später sei Tannen eine kleine Schwingerhochburg geworden – erneut hatte der Käser die Finger im Spiel. Martin und Fredi Kurmann sind noch heute fast jedes Wochenende auf den Schwingplätzen anzutreffen.

Früher eine Fussball- und 
Schwingerhochburg

Aus der Begeisterung für das Ballspiel und den Schwingsport sei zwar kein eigener Verein hervorgegangen. Einen gebe es aber trotzdem, weiss Sepp Rutz. «Der Schützenverein ist 1911 gegründet worden. Er hat aktuell rund 50 Mitglieder und darf sich rühmen, über einen eigenen Schiessstand zu verfügen.»

Und um zu veranschaulichen, wie schnelllebig die Zeit geworden ist, passt die letzte Geschichte von Sepp Rutz: «Wir waren 1960 die Ersten in Tannen, welche ein Telefon erhielten. Heute hat praktisch jeder ein Smartphone, das Festnetz ist mehr oder weniger ein Auslaufmodell.»

Schauen Sie sich hier die weiteren Weiler und Quartiere der Sommerserie an

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