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Serie

Der Weiler Ebersol – Zwischen Schwefelbad und Heilig Hain

Im unscheinbaren Weiler Ebersol hätten einst die Schweine gebadet, darum heisse der Ort so. Sicher ist diese Überlieferung der Namensgebung nicht. Sicher ist aber, dass heute ein anderes Tier in Ebersol eine wichtige Rolle spielt: der Lachs.
Michael Hug
Der Weiler Ebersol liegt am Südhang des Löffelsbergs bei Mogelsberg. (Bild: Michael Hug)

Der Weiler Ebersol liegt am Südhang des Löffelsbergs bei Mogelsberg. (Bild: Michael Hug)

Und zwar wilder, saftiger, schmackhafter Lachs aus norwegischen Fjorden. Er ist weit herum bekannt und nicht ganz billig, der Lachs aus der «Balik»-Räucherei in Ebersol. Wie man den Lachs so ausgezeichnet räuchert, wusste Hans Gerd Kübel, ein Schauspieler aus Deutschland. Das Rezept hatte er von einem Bediensteten der russischen Zarenfamilie aus St.Petersburg, Mitarbeiter in der Räucherei war einst auch ein heutiger Regierungsrat: Martin Klöti. Noch immer wird in Ebersol Lachs geräuchert, im «Moos» auf der dem Weiler gegenüberliegenden Talseite, und die Produkte werden in die ganze Welt verschickt. Womit man in Ebersol ein Netzwerk gesponnen hat, das weit über den Ort hinausreicht – und im Gegenzug auch Leute aus der halben Welt anzieht.

Florian Ast und Gölä schätzen die Ruhe und Abgeschiedenheit

Florian Ast ist schon hier gewesen, Marc Sway mit Band, der sizilianische Cantautore Pippo Pollina und Marco Pfeuti aus Thun, allgemein als «Gölä» bekannt, sind öfters da. Aber nicht wegen des Lachs, sondern wegen des Tonstudios, das im Haus der Räucherei untergebracht ist. Man habe hier die Ruhe, die es braucht, wenn man konzentriert an der Musik arbeiten will, sagt Marc Sway. Schade eigentlich, dass das ehemalige Bad unweit der Räucherei, das «Salenbad» (heute «Spitzbad») nicht mehr ist, dann gäbe es in Ebersol gleich noch eine Wellness-Oase. Aus der im «Salen» 1224 entdeckten Schwefelquelle wurde eine Bade- und Kuranstalt, doch sie hat es nicht in die heutige Zeit geschafft. Unweit des Salenbads stand auf dem Hügel «Salen» im 15. Jahrhundert eine Burg. Doch auch die gibt es heute nicht mehr.

Gratiskonzert mit Gölä – wenn man es nur gewusst hätte. (Bild: Michael Hug)

Gratiskonzert mit Gölä – wenn man es nur gewusst hätte. (Bild: Michael Hug)

Auch die Schule gibt es nicht mehr. Zwei Restaurants gibt es nicht mehr. Das Kinderheim im «Bild» gibt es nicht mehr. Und bald gibt es auch den Schiessstand nicht mehr. Doch Ebersol gibt es noch. Wer hier wohnt oder hierher zieht, weiss warum er das tut. «Mehr Sonne als hier kannst du nirgends haben», sagt Arthur Aebli, pensionierter Lehrer und Bewohner des ehemaligen Schulhauses. Seine Frau Barbara hat hier ein Kräuterinstitut mit Kräutergarten, Kursen und Produkten geschaffen. Auch Max Knecht, einstiger Lehrer und seit 53 Jahren in Ebersol wohnhaft, ist hier hängengeblieben. Er ist weit über Siebzig und dreht jeden Tag seine Runden im Bassin neben seinem Haus – auch wenn es regnet.

Schweine im Sumpf oder ein guter Platz für Eichen

Wie der Ort zu seinem Namen kam, fragen wir Max Knecht. «Mit Eber verbindet man im Allgemeinen Schweine oder Wildschweine, sol meint Suhle oder Sumpf. Somit bedeutet Ebersol: der Ort, wo sich die Schweine suhlen.» In der Tat gibt es unterhalb des Weilers einen Sumpf, sagt Knecht. Doch ob das die Erklärung ist? Eine Quelle im Internet meint: «ebor» sei der keltische Name für die Eibe, «sol» bedeute guter Grund, guter Boden. Damit könnte Ebersol auch mit «guter Platz für Eiben» oder «Eibengrund» gleichgesetzt werden. Er habe diese Erklärung zwar noch nie gehört, sagt Knecht, «aber es klingt eigentlich logischer als das mit den Schweinen». Die Kelten waren einst nachweislich in der Region. Der «Heilig Hain» nördlich Ebersols ist ein bekannter keltischer Ritualplatz. Damit wäre der Name «Eibengrund» nicht ganz abwegig.

Zur Alp Wimpfel führt ein Märliweg. (Bild: Michael Hug)

Zur Alp Wimpfel führt ein Märliweg. (Bild: Michael Hug)

Orte mit dem Namen Ebersol gibt es auch im Luzernischen oder in Oberbüren, wo die Erklärung mit den Schweinen nachvollziehbar ist. Nicht wenige Schweizer namens von Ebersol, Ebersol, Ebersold oder Aebersold sind im 18. Jahrhundert in die USA ausgewandert. Zum Beispiel Dick Ebersol, er ist Vorsitzender des Fernsehsenders «NBC Sports» und ein mächtiger Mann, wenn es um TV-Übertragungsrechte bei Olympischen Spielen geht. Nicht ausgewandert, sondern zugezogen sind Werner Lüönd und Marc Hasler. Die beiden Männer betreiben seit 13 Jahren im Auftrag der Alpgenossenschaft Mogelsberg die Alp «Wimpfel» und die dazugehörende Alpwirtschaft, die dem Weiler Ebersol im Süden exakt gegenüber liegt.

Strasse zu den Mogelsberger Restaurants ist gesperrt

Auch zugewandert ist einst, im Jahr 1930, der «Böscheli Scherrer». Der Einsiedler aus Mosnang mit dem Namen Alois Josef Scherrer wohnte 17 Jahre lang in einer Höhle unterhalb des Gerensattels südlich der Alp Wimpfel. Er betätigte sich als Böschelimacher und war ein Sonderling. Manchmal trieb ihn der Durst ins Tal, so sagt man (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete).

Für die Ebersoler ist es seit kurzem schwieriger geworden, den Durst zu stillen. Im Dörfchen gibt es kein Restaurant mehr und die Strasse zum «Löwen» oder ins «Rössli» nach Mogelsberg ist seit ein paar Wochen gesperrt. Der Grund dafür ist der überraschende Erfolg des Baumwipfelpfads. Das Dorf Mogelsberg wird an schönen Tagen richtiggehend überrannt und die Besuchenden versuchen auf Schleichwegen zum Pfad zu gelangen. Ein solcher führt über Ebersol. Oder führte, jetzt ist er gesperrt. Doch wenn der Durst so richtig gross ist, sagt man in Ebersol, kann man so ein Fahrverbot auch mal übersehen.

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