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Der Wattwiler Autor Thomas Hürlimann lässt in «Cogento» einen Superhelden die Welt retten

Die Menschheit könnte alle Probleme der Welt lösen, wenn sie wollte. Im Roman «Cogento» des Wattwilers Thomas Hürlimann hilft ein Superheld nach.
Ruben Schönenberger
«Cogento» richtet sich an ein junges Publikum und will diesem den Zugang zu schwierigen Themen bieten. (Bild: Ruben Schönenberger)

«Cogento» richtet sich an ein junges Publikum und will diesem den Zugang zu schwierigen Themen bieten. (Bild: Ruben Schönenberger)

«Ein Roman bringt die Lösung der Klimakrise», heisst es in der Presseaussendung zum Roman «Cogento» des Wattwilers Thomas Hürlimann. Die vollmundige Ankündigung kann das Buch selbstredend nicht gänzlich einlösen, so viel sei verraten.

Dafür ist die Geschichte zu sehr abhängig von der Superkraft der Hauptfigur Vaughan Macrae, die es im realen Leben so nicht gibt. Dieser kann andere Menschen dazu bringen, das zu tun, was er von ihnen verlangt.

Nur der Unwille steht im Weg

Autor Thomas Hürlimann. (Bild: Ruben Schönenberger)

Autor Thomas Hürlimann. (Bild: Ruben Schönenberger)

Trotzdem zeige die Geschichte auf, was es brauchen würde, sagt Hürlimann. «Die einzige wirkliche Barriere, die wir haben, ist der Unwille. Der Unwille, das zu tun, was nötig wäre, um Probleme zu lösen.» Es gehe immer nur um diese eine Sache, so auch bei der aktuellen Klimafrage. Wirksamen Schutzmassnahmen stünden Partikularinteressen entgegen. Das zeige sich exemplarisch an den Vereinten Nationen.

«Begeht ein Staat Menschenrechtsverletzungen, können die Vereinten Nationen selten wirklich etwas unternehmen. Irgendein Staat hat immer eigene Interessen und stellt sich quer.»

Dass im echten Leben niemand plötzlich eine Superkraft habe, um diesen Unwillen zu überwinden, sei klar. «Aber diese Fantasiewelt ermöglicht ein Gedankenkonstrukt. Es ist ein philosophisches Modell, in dem man sich nicht sofort wieder selber abbremst, weil etwas sowieso nicht geht», erklärt Hürlimann den Ansatz.

Diesen will er auch mit Schülerinnen und Schülern besprechen. Dazu versucht er gerade mit einer Lehrperson ein gemeinsames Projekt zu gestalten. «Die erste Frage an die Schülerinnen und Schüler wird sein: ‹Was würdet ihr tun, wenn ihr plötzlich diese Möglichkeit hättet?›»

Hürlimann verarbeitet radikale Ideen

Einige seiner eigenen Ideen hat er im Buch verarbeitet. Teilweise auch radikale, wie er zugibt. «Ein weltweiter Einheitslohn ist natürlich eine radikale Idee.» Eine Idee aber, hinter der er steht. Auch weitere Haltungen fliessen in das Buch ein, so zum Beispiel politische.

Hürlimann sagt denn auch, dass er der Ansicht sei, es sei «vom Prinzip her die rechte Haltung, die unsere Welt zerstört». Rechte Politik sei eine egoistische Politik.

«Es geht um Profit, es geht um Bereicherung.»

Linke Politik sei mehr an der Allgemeinheit orientiert. «Ich sehe aber schon auch die Gefahr, dass man zu weit nach links geht und zu viele Regeln aufstellt. Ich bin gegen einen grossen Staatsapparat.»

Dass er seine Gedanken überhaupt in Buchform verfasst hat, liegt an «meiner persönlichen Frustration über die Situation». Schon vor 30 Jahren habe er alternative Energien verteidigt und sei dafür ausgelacht worden. Das sei heute besser, das Thema werde ernst genommen. «Aber, wenn man genau schaut, ist seither eigentlich nur wenig passiert.»

Die Kraft der Suggestion

Die Hauptfigur im Roman Cogento von Thomas Hürlimann, Vaughan Macrae, führt ein langweiliges Leben in einem Job, der nur ansatzweise dem entspricht, was er eigentlich gerne tun würde. Nach dem Ende einer Beziehung ertränkt er seine Trauer im Binge-Watching, dem exzessiven Schauen von Fernsehserien.

Das tut er, bis er merkt, dass er – und wie es scheint nur er – über eine Superkraft verfügt: Er kann Leuten etwas befehlen, das diese dann auch tatsächlich tun. Ohne, dass er irgendwelche Autorität über die beeinflussten Personen hätte oder Zwang ausüben würde. In der Folge macht sich der Londoner auf, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und trifft dabei, der klassischen Heldenreise gleich, auf Widerstände und erlebt Rückschläge. Er setzt seine Fähigkeit zeitweise zum eigenen Vorteil ein, bevor er merkt, dass er zu grösserem berufen ist.

Der Roman richtet sich an ein jugendliches Publikum und will diesem einen einfachen Zugang zu schwierigen Themen bieten, unter anderem das alles überragende Thema des Klimaschutzes beziehungsweise des Schutzes der Erde. Die Handlungsstränge sind entsprechend einfach gehalten und auch die Charaktere sind mit wenigen Ausnahmen nicht sehr vielschichtig. Trotzdem – oder gerade deswegen – liest sich das Buch leicht und eignet sich auch als Strandlektüre, trotz der 500 Seiten.

Thomas Hürlimann: Cogento. Ecliptic Taschenbuch Verlag, Wattwil, 500 Seiten.

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