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Die Frau, die den Fussballern die Beine knetete

Irene Geiger hat fast zwanzig Jahre die Beine der Fussballer in Wattwil und Bazenheid geknetet. Im Juni tat sie es zum letzten Mal. Den Start ihrer Pensionierung im September will sie lockerer angehen.
Beat Lanzendorfer
Irene Geiger sitzt auf ihrem Massagetisch, den sie bald in die Ecke stellen wird. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Irene Geiger sitzt auf ihrem Massagetisch, den sie bald in die Ecke stellen wird. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Gäbe es ein Quiz mit der Frage «Wer kennt in der Ostschweiz die meisten Fussballplätze?», könnte eine mögliche Antwort «Irene Geiger» lauten. «Mein mittlerweile verstorbener Vater hat beim FC Flawil gespielt, ebenso mein Bruder Willy. Ich bin mit dem Fussball aufgewachsen», sagt die bald 64-Jährige lachend. Da liegt es auf der Hand, dass Ehemann Albert, alle kennen ihn nur als «Gusti», genauso ein vom Fussball-Virus Infizierter ist. Fast beiläufig erzählt sie, dass sie 2018 40 Jahre verheiratet sind – auch eine Leistung. Und weil der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, sind die Kinder Marco (Jahrgang 1982) und Sabrina (1984) ebenfalls dem runden Leder nachgeeifert. Tochter Sabrina brachte es beim FC Kirchberg sogar bis in die Nationalliga B.

Zur Masseurin ausgebildet statt zurück in den Beruf

Als ihre beiden Kinder grösser waren, wollte sie wieder ins Berufsleben einsteigen, allerdings nicht in ihrem erlernten Beruf als Coiffeuse. «Das war vor über 20 Jahren, als ich mich entschlossen habe, die Massageschule zu besuchen.» Nach ihrer Ausbildung hat sie zuerst zu Hause mit den Massagen begonnen. Es ging dann nicht lange, bis die Fussballer auf sie aufmerksam wurden. Ehemann «Gusti» war von 1997 bis 2001 Trainer in Wattwil. Sie hat dort angefangen, die Beine der Fussballer zu kneten, und erlebte mit den Wattwilern ihr erstes Trainingslager.

Zum FC Bazenheid ist sie Ende 2002 gekommen, nachdem ihr Mann ein halbes Jahr vorher als Co-Trainer von Adrian Allenspach verpflichtet wurde. «Ich habe zugesagt und durfte 15 Jahre voller Intensität und Emotionen erleben.» Dem FC Wattwil – nach der Fusion mit Bunt im Jahre 2008 heisst der Fussballclub heute Wattwil Bunt – hat sie trotzdem auch die Treue gehalten.

Bereits sechs Monate nach ihrem Einstieg beim FC Bazenheid schafften die Alttoggenburger im Sommer 2003 die sofortige Rückkehr in die 2. Liga Interregional. Spiele, in denen es um etwas ging, bleiben ihr in besonderer Erinnerung. Höhepunkt für sie war das Cupspiel 2008 gegen den FC St. Gallen. Dabei hatte sie ein Jahr zuvor ihren Rücktritt angekündigt, weil Adrian Allenspach und Ehemann «Gusti» zum FC Tuggen weitergezogen sind. «Das ist mir noch ein paar Mal passiert», lacht sie. «Immer, wenn es zu einem Trainerwechsel gekommen ist, wollte ich eigentlich aufhören. Ich bin dann vom Neuen jeweils zum Weitermachen gebeten worden.»

Den Spielern einfach mal in Ruhe zuhören

Stimmt es, dass während der Massagen auch über Dinge gesprochen wurde, die nicht für andere Ohren bestimmt waren? Ein Augenzwinkern verrät, dass dem so war. «Ich mag mich an einen Fall erinnern, da hat sich ein Spieler bei der Arbeit an der Hand verletzt, in Wirklichkeit war es aber im Ausgang. Das hat er mir im Vertrauen gesteckt. Der Trainer hat es nie erfahren.» Manchmal sei es auch gut gewesen, den Spielern einfach zuzuhören.

Fast etwas melancholisch wird sie, wenn sie in Erinnerungen schwelgt. «Maurin Gregorin habe ich kennen gelernt, als er als 17-Jähriger vom FC Bunt nach Bazenheid wechselte. Ich durfte ihn während seiner ganzen sportlichen Karriere begleiten.» Beim Thema Trainer weiss sie ebenfalls einiges zu erzählen: «Bei den einen war ich Vertrauensperson, andere haben in mir halt nur die Masseurin gesehen.» Beim einen oder anderen hat sie festgestellt, dass viel reden nicht immer die beste Lösung sein muss. Schön findet sie, dass die Trainingslager auch dazu dienten, die Kameradschaft zu fördern.

Lust, noch etwas Verrücktes zu machen

Es gibt Menschen, die waren gefühlt immer dabei und ein «ohne» kann man sich kaum vorstellen. Daher muss am Schluss die Frage kommen, ob sich Irene Geiger die Sache mit ihrem Rücktritt wirklich gut überlegt hat. «Ja, das habe ich. Gusti arbeitet noch eineinhalb Jahre, er wird sein Pensum aber schon jetzt auf 80 Prozent reduzieren. Wir haben vor, noch irgendetwas Verrücktes zu machen. Das muss aber nicht unbedingt eine weite Reise oder was auch immer sein. Es ist auch in der Schweiz möglich», betont sie. «Und wenn jemand anfragt, ob ich Lust hätte, im Trainingslager als Masseurin mitzuhelfen, kann es durchaus sein, dass ich zusage, ich bin ja jetzt pensioniert und habe Zeit», sagt sie lachend. Ganz ohne Massieren wird es in Zukunft also doch nicht gehen.

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