Der Toggenburger Mensa-Test: Welcher Speisesaal hat das beste Essen?

Ein Fleischesser und eine Vegetarierin auf Mission, die Mensen und Personalrestaurants im Toggenburg zu testen.

Timon Kobelt und Julia Engel
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Die Mensa der Kantonsschule Wattwil ist bei den Schülerinnen und Schülern beliebt – wohl auch wegen des «Töggelikastens».

Die Mensa der Kantonsschule Wattwil ist bei den Schülerinnen und Schülern beliebt – wohl auch wegen des «Töggelikastens».

Bild: Timon Kobelt

Wie schmeckt das Essen der öffentlichen und halböffentlichen Mensen sowie Personalrestaurants des Toggenburgs? Wir haben den Test gemacht.

Der kleine, aber feine Unterschied

Die beiden Schulmensen der Kanti Wattwil und des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg klapperten wir gleich zu Beginn ab. Dazu muss man erwähnen, dass eine Mensa natürlich andere Voraussetzungen hat als ein Restaurant und die Mensen von Schulen primär für die Schülerinnen und Schüler reserviert sind.

Dies sieht bei den Restaurants des Spitals Wattwil und der Micarna anders aus. Auch wenn das Restaurant der Micarna vorwiegend für das Personal gedacht ist, dürfen Externe sich am Mittag dort verpflegen. Dafür müssen diese sich beim Portier melden und ihren Namen angeben, um einen Besucherausweis zu erhalten. Für Externe kostet das Mittagsmenu 13 Franken. Zu schöpfen gibt es Fleisch, Fisch oder Geflügel sowie diverse Beilagen und Gemüse. Zudem werden täglich ein Salatbuffet, eine Tagessuppe, Wienerli, Sandwiches, Müesli und ein Dessert-Buffet angeboten. Zwischen 450 und 500 Menus werden pro Tag zubereitet.

Auch wenn die Anzahl geschöpfter Menüs im Spital Wattwil weniger beträgt, nämlich zwischen 60 und 100 Menus pro Tag, ist die Auswahl an Menüs genauso gross. Von der Tagessuppe, über ein Salatbuffet bis zu einem warmen Buffet aus Fleisch und vegetarischen Gerichten, Stärkebeilagen sowie verschiedenen Gemüsesorten ist alles zu haben. Zudem ist eine Auswahl an Getränken, Gebäck, Snacks und Patisserie im Angebot. Bei einem Kiosk kann man sich mit Süssigkeiten, Geschenk- und Toilettenartikeln sowie Lesestoff beglücken. Hoffentlich befindet sich auch diese Zeitung unter dem Angebot.

Micarna

Vegi: Nun mag man sich vielleicht fragen, weshalb eine Vegetarierin in der Micarna zu Mittag isst. Mein Besuch hatte vor allem einen Grund: Ich war neugierig, ob ich als Vegi wohl etwas zu Essen finden würde. Spoiler: Ich fand etwas. Reis mit Ratatouille und Gemüse schöpfte ich mir vom Buffet. Beim Salatbuffet bediente ich mich ebenfalls. Und schwups wird aus Beilagen ein leckeres Menu. Im Personalrestaurant merkt man, wie der Name bereits verrät, dass es vorwiegend für das Personal gedacht ist. Als Auswärtiger ist der Aufwand, in das Restaurant zu gelangen somit etwas grösser und man sitzt abgesondert von den Arbeitern der Produktion, der Hygienevorschriften wegen. Trotzdem: Das Essen war gut, auch ohne Fleisch. (jue)

Fleisch: Als «Fleischtiger» war ich auf das Mittagessen in der Micarna besonders gespannt. Einmal im Restaurant angekommen, kann einen die Auswahl beim Buffet überfordern. Ich beginne mit den Beilagen und entscheide ich mich für Gemüse, Reis und natürlich nehme ich mir beim Fleisch besonders viel Zeit. Geschnetzeltes und ein Spiessli machen das Rennen. Man kann sich reichlich schöpfen und auf meinem Teller hat mich nichts enttäuscht. Es erstaunt daher nicht, dass auch viele externe Bauarbeiter regelmässig den Weg ins Micarna-Restaurant finden, um ein üppiges Mittagessen zu geniessen. Ich würde es ihnen gleichtun. Ich gebe der Micarna die Mensa-Krone, weil das Fleisch noch einen Zacken besser ist als im Spital. (tik)

Spital Wattwil

Vegi: Im Restaurant des Spitals Wattwil kommt auch nur das auf den Teller, was man sich selbst schöpft, was das Dasein aller Vegetarier, Veganer und sich Andersernährender sehr erleichtert. Ausserdem kann man so die Menge dem Hunger anpassen. Der Preis erhöht sich je nach Gewicht des Essens, das Vegi-Menu kostet 2.80, das Fleisch-Menu 3.50 Franken pro 100 Gramm. Ein Mix des Salat- und des warmen Buffets ist möglich. Das Restaurant ist modern und es gibt Sitzmöglichkeiten auf dem Balkon, die wir der Jahreszeit halber nicht in Anspruch nahmen. Ich habe mich für meinen Teil beim ganzen Buffet ein bisschen bedient und wurde nirgends enttäuscht. Mein klarer Favorit der vier ausprobierten Verpflegungsmöglichkeiten. (jue)

Fleisch: Aufgrund der Personalkleidung dominiert Weiss das öffentliche Restaurant des Spitals Wattwil. Beim Buffet wird es dann aber kunterbunt. Allein bei den Salaten könnte man verweilen. Bei mir ist an diesem Tag Maissalat Trumpf. Die Hauptspeisen kann man nach Belieben schöpfen – ein Konzept, das mir besonders gefällt. Ich nehme Nudeln, Gemüse und zwei Sorten Fleisch. Klar hat das Ganze einen höheren Preis als in den Schulmensen. Doch es lohnt sich allemal. Die Speisen sind ausgezeichnet und das Ambiente ist angenehm. Auch Nichtspitalmitarbeiter sollten es in Erwägung ziehen, ihre Mittagspause im Spital Wattwil zu verbringen. Und wenn man beim Schöpfen umsichtiger hantiert als ich, hält sich auch der Preis im Rahmen. (tik)

Kantonsschule Wattwil

Vegi: Sobald die Glocke die Mittagspause einleitete, füllte sich die Mensa der Kanti Wattwil, bis sie fast aus allen Nähten platzte. Es wird Zeit für den Campus Wattwil, in dessen Mensa sich die Leute hoffentlich nicht mehr wie Sardinen ins Glas quetschen müssen. Das Vegi-Menu bestand an unserem Testtag aus einem Gemüserisotto, Getränk und Salat inbegriffen. All dies bekam ich für acht Franken. Der günstige Preis ist vielleicht dem Umstand geschuldet, dass Kantischülerinnen und -schüler bekanntlich nicht allzu viel verdienen. Ein besonderes Plus der Mensa, von dem ich während meiner Schulzeit reichlich Gebrauch machte: Es gibt einen Tschüttelikasten, oder wie die «ennet em Ricke» jeweils sagten, einen Töggelikasten. (jue)

Fleisch: Ein Mittagessen in der Mensa der Kanti Wattwil ist eine lebhafte Angelegenheit. Sowohl Lehrpersonen als auch Schülerinnen und Schüler füllen den hellen Saal, der mit viel Holz eingerichtet ist. Das Ambiente passt für mich und auch das Menu klingt gut: Fleischkäse mit Spaghetti Napoli, dazu ein Salat. Die Portion ist für mich als Vielfrass eher klein. Doch ich habe die Rechnung ohne den Nachschlagservice gemacht. Als Zeitungsvertreter bekomme ich ihn geschenkt, normalerweise kostetet er zwei Franken, 1.50 Franken beim Pastateller. Das Essen schmeckt, es ist vergleichbar mit jenem im BWZT. Also steht auch diesbezüglich der schnellen Umsetzung des Campus-Projekts nichts im Wege. (tik)

Berufs- und Weiterbildungszentrum Toggenburg

Vegi: Tortelloni mit Salat stand am Tag, als wir die Mensa des BWZT testeten, als Vegi-Menu zur Auswahl, wofür ich mich kurzerhand entschied. Als Mensenbesucher fanden wir bloss wenige mit demselben Vorhaben. Spärlich waren die Tische besetzt und einer davon musste der Lehrertisch gewesen sein, war doch der Altersdurchschnitt an besagtem Tisch etwas höher. Durch die Ruhe konnte man immerhin die Aussicht auf die Thur geniessen. Die Bedienung war freundlich, das Essen gut, jedoch nichts Aussergewöhnliches. Das Preis-Leistungs-Verhältnis für das Vegi-Menu ist in Ordnung, vor allem in Anbetracht dessen, dass die Portion recht gross war. Alles in allem eine solide Mensa. (jue)

Fleisch: «Ghackets» mit Hörnli – ein Klassiker, der selten enttäuscht. Hörnli gehen bei mir jeweils leicht und schnell runter. Daher schätze ich es, wenn die Portion nicht zu mickrig bemessen ist. Diesbezüglich wurde ich nicht enttäuscht. Apfelmus gab es ebenfalls zur Genüge, für mich ein nicht zu unterschätzendes Detail bei dieser Speise. Auch die Qualität war gut, in dem Rahmen, wie man es in der Mensa eines Schulhauses erwarten kann. Die Atmosphäre war etwas trist. Weder hielten sich viele Menschen in der Mensa auf noch war es besonders hell. Doch alles in allem hat sich der Ausflug gelohnt. Bei 10.50 Franken für eine deftige Portion «Ghackets» mit Hörnli inklusive Getränk will ich mich nicht beklagen. (tik)