Der Toggenburger Hugo Stofer nennt sein Motorrad «Pink Lady» – und manchmal ganz einfach Mädchen

Mit seinem 87-jährigen Motorrad fährt Hugo Stofer aus Ebersol bei Rennen mit. Er ist noch immer ganz hin und weg von seinem seltenen Modell.

Fränzi Göggel
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Hugo Stofer mit seinem antiken Motorrad und der passenden Schutzbekleidung. Sie erfüllt mit Lederkombi, Rückenpanzer und Stiefeln die Vorschriften. (Bild: Fränzi Göggel)

Hugo Stofer mit seinem antiken Motorrad und der passenden Schutzbekleidung. Sie erfüllt mit Lederkombi, Rückenpanzer und Stiefeln die Vorschriften. (Bild: Fränzi Göggel)

Der 69-jährige Werkzeugmacher Hugo Stofer aus Ebersol begeistert sich seit Kindesbeinen für Motorräder und schraubt seit seinen Mofa-Zeiten an den Fahrzeugen. Sofort nach seinem 18. Geburtstag kauft er sich eine gebrauchte Zweizylinder Gilera mit 250 Kubikzentimeter Hubraum. «Der Töff klemmte oft, ich brachte ihn aber jedes Mal wieder zum Laufen», schwärmt er von seiner Jugendzeit.

Den originalen Farbton nicht getroffen

Heute stehen mehrere Oldtimer in seiner Garage. «Einige bewege ich auf der Strasse, mit andern fahre ich Rennläufe nach Differenz. Ein paar ‹Ruinen› habe ich auch noch, da wartet viel Arbeit auf mich», klärt der leidenschaftliche Töffler und Pensionär über seine Sammlung auf.

Es fasziniert ihn, wenn das Konzept einer bevorstehenden Restauration und Wiederbelebung eines alten Motorrades in seinem Kopf entsteht. Am Klausen Memorial 2006, einer Veranstaltung für alte Autos und Motorräder, sah Hugo Stofer zum ersten Mal eine Calthorpe.

«Ich war hin und weg und wollte auch so einen Töff.»

«Zwei, drei Jahre später fand ich im Internet eine inkomplette Calthorpe und kaufte diese ungesehen, ohne Aussicht auf Ersatzteile. Durch Zufall konnte ich später ein weiteres Wrack erstehen. Aus diesen zwei Maschinen baute ich mir mein Motorrad. Andere gehen mit so viel Geld in die Ferien», sagt er und lacht.

Zum Lackieren gab Hugo Stofer die restaurierten Teile auswärts. Trotz alter Fotos, auf denen die Farbe gut erkennbar ist, verfehlte der Lackierer den originalen Farbton. Anstelle eines satten, dunklen Weinrot mischte er die Farben zu hell.

«Meine Kollegen haben mich ausgelacht: ‹So kannst du sicher nicht fahren›. Doch ich stellte mich quer und sagte mir, ich mache das trotzdem. Ich wollte ja keinen originalen Veteranentöff mit Nummernschild für die Strasse, sondern damit Rennen fahren. Darauf taufte ich den Töff Pink Lady, manchmal sage ich auch Mädchen zu ihm», plaudert Hugo Stofer im Fahrerlager von Boécourt, Jura, wo er beim Bergrennen mitfuhr.

Hugo Stofer am Bergrennen in Boécourt mit seiner Calthorpe Ivory Mayor aus dem Jahr 1932. (Bild: Fränzi Göggel)

Hugo Stofer am Bergrennen in Boécourt mit seiner Calthorpe Ivory Mayor aus dem Jahr 1932. (Bild: Fränzi Göggel)

Sich mit andern auf schnellen Rennstrecken zu messen, gab Hugo Stofer nach einem Unfall auf. Seit dem Jahr 2003 fährt Stofer Vergleichsrennen in der offiziellen Meisterschaft der Freunde historischer Renn-Motorräder (FHRM).

Bergrennen im Einzelzeitfahren

An Bergrennen wird Einzeln gestartet. Aus zwei Läufen – der Erste ergibt die Richtzeit – wird die Zeitdifferenz ermittelt. Sieger wird, wer die kleinste Zeitdifferenz herausgefahren hat.

«Hier kann ich in meinen Möglichkeiten fahren und die Stimmung im Fahrerlager ist hervorragend, weil jeder sein eigener Gegner ist», schwärmt er. Seine Frau Martha ist jedes Mal mit dabei. Sie liebt das Campieren im Fahrerlager und freut sich mit ihm über die Pokale.